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Ziegenbart, aber welcher? [Ramaria spec.]

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Botanica
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Ziegenbart, aber welcher? [Ramaria spec.]

Beitrag von Botanica »

Hallo zusammen,

diesen Pilz habe ich ebenfalls in einem Wald an der Ostseeküste fotografiert.
Sicherlich ein Ziegenbart, abe rkann man die Art eingrenzen oder gar bestimmen?

Viele Grüße

Harry
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Ich denke, also bin ich
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Arthur
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Re: Ziegenbart, aber welcher?

Beitrag von Arthur »

Hallo,

das ist kein "Ziegenbart" sondern Ramaria sp., eine "Koralle".

lg

Edit: Vielleicht Ramaria eumorpha.
Man darf vom Einzelnen nicht auf das Ganze schließen!
Botanica
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Re: Ziegenbart, aber welcher?

Beitrag von Botanica »

Hallo Arthur,

Vertreter der Gattung Ramaria werden meines Wissens nach doch auch "Ziegenbart" genannt.
Nur die Art ist mir nicht klar, ich dachte an Ramaria formosa

Viele Grüße

Harry
Ich denke, also bin ich
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Arthur
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Re: Ziegenbart, aber welcher?

Beitrag von Arthur »

Hallo,

ach ich habe an Stachelbart gedacht. Ich wusste aber nicht das man Ramaria-Arten " Ziegenbart" nennt. Wie schon geschrieben bin ich mir bei der Art unsicher. Sind allgemein schwierig zu bestimmen.
Man darf vom Einzelnen nicht auf das Ganze schließen!
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abeja
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Re: Ziegenbart, aber welcher?

Beitrag von abeja »

Hallo Harry,
ja die Trivialnamen ... mir war "Ziegenbart" für manche Korallen auch nicht geläufig.
Also eine Ramaria ist es auf jeden Fall, aber dann geht es normalerweise nicht weiter, vor allem bei den mehr oder weniger gelben Arten nicht. Da gibt es zu viele, die man makroskopisch nicht eindeutig unterscheiden kann. (Wenn man zig verschiedene mikroskopiert hätte, dann vielleicht doch ein wenig.)

Als Erstes bräuchte man genauere Standortangaben, Laubwald, Nadelwald, welche Bäume, welcher Boden, Höhenlage (Klima), ob auf Holz wachsend oder nicht, dabei kann der Holzkontakt auch mit langen Rhizomorphen in der Erde sein. (Wir sehen Laubwald, wir wissen Ostsee, also tiefe Lage)
Dann ist es gut, relativ junge (aber nicht zu junge) Exemplare zu haben, weil alte, trockene Fruchtkörper gleichen sich farblich noch mehr.
Manche haben in der Entwicklung einen leichten Farbwechsel, unten so und oben so, Spitze so ... hinterher sind viele gelblich-bräunlich-einheitlich.
Dann muss man die Korallen ein bisschen ärgern, ob sie sich bei Druck verfärbt.
Als Nächstes muss man einen Schnitt machen und auf Marmorierung im Fleisch achten, mit KOH betupfen (Verfärbungen). Konstistenz (Brüchigkeit) Geruch und Geschmack (bitter?), aber keinesfalls essen, es gibt unverträgliche, leicht giftige Arten. (Wobei das Bittere bei jungen Exemplaren wohl noch nicht immer da ist, ebenso ist die Verfärbung bei jungen Exemplaren oder mangelnder Feuchtigkeit nicht immer deutlich).
Größe, Wuchsform natürlich auch, Verzweigungsmuster, wie dick ist der Strunk, wie spitz sind die Spitzen - aber da braucht man viel Erfahrung, um die Unterschiede zu sehen. Man bekommt die Erfahrung aber nicht, weil man nur 1 oder 2 pro Jahr sieht (wie ich jedenfalls).
Dann kommt man eventuell zu einer Artengruppe, aber immer noch nicht zur Art.
Mikroskopiert werden von den Fachleuten neben den Sporen und div. Zellstrukturen auch die Rhizomorphen (da muss man nach Kristallen schauen), also muss man auch immer Wurzeln mit entnehmen.

Ramaria formosa würde ich ausschließen, die vorgeschlagen R. eumorpha finde ich vom Bild her sehr ähnlich (so gerade aufwärts, die Verzweigung, die Farbe), das soll eigentlich eine Nadelwaldart sein, aber eben auch bei Laubbäumen, wie Buchen vorkommen.
Ramarienbestimmung geht nur mit dem Buch von Josef Christan "Die Gattung Ramaria in Deutschland" (von 2008)

Nur so zum Vergleichen, im Forum der Bayr. Gesellschaft für Mykologie (da schaut auch J. Christan schon mal herein), hatte ich zweimal Korallen eingestellt, einmal hat mich eine normale R. stricta total genarrt (die war zu jung, und nicht im direkten Holzkontakt, und verfärbte noch nicht typisch. Aber nun kenne ich wenigstens diese superdicken Wurzeln).
(In dem Forum steht der neueste Beitrag oben, man muss also unten anfangen zu lesen, die Bilder anklicken zum Vergrößern).
https://forum.pilze-bayern.de/index.php?topic=2054.0

Und die zweite sehr schöne Koralle war im letzten Sommer, ich tippte - nur nach Lesen div. Beschreibungen bzw. Bilderschau - entweder auf R. formosa oder flavescens, nach fachmännischem Blick ist es eher eine R. flavescens.
https://forum.pilze-bayern.de/index.php?topic=2130.0
Viele Grüße von abeja
Botanica
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Re: Ziegenbart, aber welcher?

Beitrag von Botanica »

Hallo abeja,
vielen Dank für Deine ausführlichen Erklärungen.
Dann bleibt es bei Ramaria spec.

Ich habe mir die Verlinkung angesehen. Dein Foto

Ramaria-jung-2a_eine Woche später_24-09-2021.jpg

ist ja sensationell ! Tolle Aufnahme!

Viele Grüße

Harry
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Botanica
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Re: Ziegenbart, aber welcher? [Ramaria spec.]

Beitrag von Botanica »

Hallo zusammen,

viel Litertaur zu Pilzen habe ich ja zugegebener Maßen nicht, aber ich habe noch mal nachgesehen:

Der Trivialname "Ziegenbart" wird z.B. im BLV Naturführer Pilzer von Andreas Neuner verwendet.
Ich weiß nicht wie es bei den Pilzen ist, bei der Flora gibt es oft mehrere Trivialnamen für eine Art.

Die wissenschaftlichen Namen der Pilze sind mir nicht geläufig, in meinen Feldbuchaufzeichnungen verwedne ich dann immer den Trivialnamen, wenn ich einen Pilz glaube zu erkennen. (Nicht ideal, ich weiß ....... )



Viele Grüße

Harry
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abeja
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Re: Ziegenbart, aber welcher? [Ramaria spec.]

Beitrag von abeja »

Hallo Harry,
mit dem "mir nicht geläufig" meinte ich ja nicht, dass es den Namen in dem Zusammenhang nicht gibt, sondern nur, dass ich ihn im Oberstübchen nicht bewusst mit einer bestimmten Koralle verknüpft habe und ihn selbst nicht verwende. Mit etwas Nachdenken kann es sich nur um eine Koralle handeln, nur welche damit gemeint ist, weiß man nicht.

Im I-net (Wiki, 123) ...: hauptsächlich wird der Begriff für die Goldgelbe Koralle verwendet (Ramaria aurea, theoretisch essbar, wenn man sie erkennt). Auch "Bauchweh-Ziegenbart" gibt es für die Bauchweh-Koralle, Ramaria mairei oder "Fichten-Ziegenbart" für die Grünfleckende Koralle, Ramaria abietina.
Vermutlich ist es so, dass "Ziegenbart" da häufig verwendet wird, wo es einige häufigere Korallenarten gibt (z.B. in Mittelgebirgslagen, höheren Lagen, Süddeutschland bzw. Alpenländer).
In meinen dt.sprachigen Büchern wird meistens der allgemeine Begriff "Koralle" verwendet, ebenso in Foren, wenn dt. Bezeichnungen verwendet werden.
Ausnahme: der große Kosmos-Pilzführer, Laux, nennt ausschließlich Ramaria aurea sowohl Goldgelbe K. als auch Ziegenbart. Auch der "Hahnenkamm" (Ramaria botrytis) hat einen "besonderen" Namen, heißt aber auch Hahnenkamm-Koralle. Und seltsamerweise auch "Rötliche Bärentatzen" ... nun ja, das scheint mir wieder sehr lokal zu sein. da wüsste ich nichts mit anzufangen.
Ich orientiere mich bei der Verwendung dt. Namen an den Namen bei "Pilze Deutschland":
https://www.pilze-deutschland.de/organi ... ng=ramaria
Viele Grüße von abeja
Botanica
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Re: Ziegenbart, aber welcher? [Ramaria spec.]

Beitrag von Botanica »

Hallo abeja,

vielen Dank für die Lieteraturhinweise und die sehr interessante Seite der Deutschen Mykologischen Gesellschaft.

Viele Grüße

Harry
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