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Ranunculus nemorosus-Früchte?

Wer eine Wildpflanze aus Europa bestimmt haben möchte, kann hier eine Bestimmungsanfrage dazu stellen.

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Forumsregeln
1. Bildanhänge für Themen und neue Beiträge dürfen nicht größer als 800 x 600 sein, ansonsten funktioniert der Upload nicht!

2. Bitte zu jeder Anfrage einen Fundort (Land,Stadt, Umgebung, Habitat etc.) und Funddatum angeben
3. Bitte nicht mehr als 3 Pflanzen pro Thema anfragen (wird sonst unübersichtlich)
4. Herbarium-Anfragen von Schülern und Studenten werden NUR noch mit eigenen Bestimmungsversuchen akzeptiert - Sonst Löschung des Beitrages

TIPP: Je mehr Detailbilder ihr von einer Pflanze zeigt, also zum Beispiel Gesamtaufnahme der Pflanze, Blatt + Blüte von oben und unten, Stängel unten + oben, Früchte oder weiteres, desto größer ist der Bestimmungserfolg und die Artansprache hier im Forum.
Weiterhin viel Spass im Forum :)
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Gregor
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Ranunculus nemorosus-Früchte?

Beitrag von Gregor » 11.06.2008, 17:10

Hallo an die gesamte Innung,

ersuche um Hilfe. Handelt es sich bei dem angehängten Bild um Ranunculus nemorosus-Früchte? Ich meine, das es sich um Ranunculus nemorosus DC., Gewöhnlicher Hain-Hahnenfuß handelt, möchte aber sicher gehen, da diese Art in Schleswig-Holstein offiziell als ausgestorben bzw. verschollen gilt.
Weitere Infos: Die Cuticula des Stängels ist gefurcht, auch die Blütenstängel sind gefurcht. Der Stängel ist recht spärlich anliegend behaart die Blütenstängel etwas mehr anliegend behaart. Die Spitze der Früchte, die noch nicht abgebrochen sind sind umgebogen bzw. leicht eingerollt (nicht gerade wie ein Farnjungtrieb, aber doch so leicht eingerollt). Das, was ich an Früchten und Grundblättern gesehen habe passt meines Erachtens ausgezeichnet zu den Abbildungen 164/3 und 164/5 im Rothmaler Band 4, Gefäßpflanzen: Kritischer Band (10. Auflage von 2005 - Seiten 164-165). Der Fund stammt von einem winzig kleinen Hainsaum in der Peripherie Niebülls, Kreis Nordfriesland, Schleswig-Holstein.

Ich wäre dankbar für eure Meinung bzw. eure Kommentare

Schöne grüße aus Niebüll

Gregor
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Gregor
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Re: Ranunculus nemorosus-Früchte?

Beitrag von Gregor » 11.06.2008, 17:48

Hallo nochmal,

oder gefällt dieses Bild besser?

Schöne Grüße aus Niebüll

Gregor
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Re: Ranunculus nemorosus-Früchte?

Beitrag von gh » 11.06.2008, 18:09

Dazu weiss ich nichts, aber dass Du dich in den Mittelfinger geschnitten hast. Außerdem ist die Fingerabdruckkartei ergänzt worden!
LG
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Re: Ranunculus nemorosus-Früchte?

Beitrag von Gregor » 11.06.2008, 18:20

gh hat geschrieben:Dazu weiss ich nichts, aber dass Du dich in den Mittelfinger geschnitten hast. Außerdem ist die Fingerabdruckkartei ergänzt worden!
Hallo gh,

ich muss dich gleich zweifach enttäuschen. Erstens sind das nicht meine Finger, denn ich hatte beide Hände am Fotoapparat um diesen möglichst ruhig zu halten und scharfe Bilder zu bekommen. Zweitens versichert mir der Mensch, welcher Besitzer dieser Finger ist, dass kein Schnitt und auch keine Narbe vorliegt, sondern es sich um eine normale, schon mal vorkommende, ganz natürliche Querfurche handelt (kurz: eine Verletzung liegt hier nicht vor). Ich habe mir das Fotoobjekt also halten lassen.
Aber ich hoffe du wirst trotz dieser zweifachen Enttäuschung noch mit mir reden.

Schöne Grüße aus Niebüll

Gregor
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Re: Ranunculus nemorosus-Früchte?

Beitrag von gh » 11.06.2008, 18:41

wenn Du wieder brav beim Bestimmen hilfst, gerne!
GH

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Re: Ranunculus nemorosus-Früchte?

Beitrag von botanix » 11.06.2008, 20:48

Hallo Gregor,
Habe den nemorosus erst einmal gefunden, aber im Juli blühend auf 400 m im Vogelsberg. Kann mir nicht vorstellen, dass die Pflanze Anfang Juni keine Blätter mehr hat. Könntest du welche nachreichen? Ich glaube kaum, dass wir anhand der Früchte deine Bestimmung absichern können. Zumal Baltisberger in seiner Arbeit über "Die Ranunculus polyanthemos-Gruppe in Bayern" (Berichte der bayr. bot. Ges. 54: 107-115, 1983) in Fußnote a) zum Bestimmungsschlüssel anmerkt:
"Aus diesen morphologischen Angaben geht das Folgende hervor:
a) R. polyanthemophyllus stellt eine Kombination von Merkmalen von R. polyanthemos (Blätter) und R. nemorosus (Früchtchenschnabel) dar."
(Dort sind die Früchtchen (jeweils eine Reihe von 7 Stück) vergleichend abgebildet).
Also ohne Blätter geht nix.

Gruß botanix
alte Botanikerweisheit: man sieht nur was man kennt

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Re: Ranunculus nemorosus-Früchte?

Beitrag von Gregor » 12.06.2008, 08:20

Hallo botanix,

zunächst: Ranunculus polyanthemophyllus W. Koch & H. Hess kommt in Schleswig-Holstein gar nicht vor und ist aus diesem Bundesland auch in der Vergangenheit noch nie nachgewiesen worden. Die Sippe ist bisher nur aus Süddeutschland bekannt (vergleiche Hegi). Auch Ranunculus serpens Schrank ist aus Schleswig-Holstein nicht bekannt. Diese beiden Sippen fallen schon aus geobotanischen Gründen aus.
Aus Schleswig-Holstein sind aus dem Ranunculus polyanthemos-Aggregat nur die drei Kleinarten Ranunculus nemorosus, Ranunculus polyanthemoides und Ranunculus polyanthemos s. str. bekannt!
Klar, ich kann versuchen noch Grundblätter aufzutreiben. Das muss aber nicht zwingend von Erfolg gekührt sein, da die Pflanze von hohem Gras (Rainvegetation - es war ja ein Hainsaum) umgeben war. Wenn ich großes Pech habe, ist dort eventuell schon gemäht worden.
Aber trotzdem vielen Dank für deine Meinung!

Schöne Grüße aus Niebüll

Gregor
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Re: Ranunculus nemorosus-Früchte?

Beitrag von Gregor » 13.06.2008, 15:39

Hallo botanix und hallo allerseits,

noch ein paar weitere Infos: Die Pflanze war insgesamt ca. 70 cm hoch. Die Blätter sind abstehend, weich, und unterwärts dichter behaart (also beidseitig behaart) - das ist ein weiterer Grund Ranunculus polyanthemophyllus W. Koch & Hess, Schlitzblättriger Hain-Hahnenfuß/Polyanthemusblättriger Hain-Hahnenfuß ausschließen zu können(nach HEGI sind bei dieser Sippe die Blätter oberseits kahl und unterseits zerstreut fein behaart - das ist bei meinem Exemplar definitiv nicht der Fall). Dazu kommt, dass, wie bereits erwähnt, der Schlitzblättrige Hain-Hahnenfuß/Polyanthemusblättrige Hain-Hahnenfuß aus Schleswig-Holstein noch nie nachgewiesen wurde.
Ranunculus serpens Schrank, Wurzelnder Hain-Hahnenfuß kann zwar auch so schön eingerollte Fruchtspitzen haben wie hier auf den Fotos, wird aber keine 70 cm hoch. Weiterhin hat meine Pflanze nicht die abstehende Behaarung wie sie an Stängeln und Blattstielen in der Zeichnung im HEGI (Band 3, Teil 3, 2. Auflage) auf Seite 272 und auf dem Foto im Bildatlas der Farn- und Blütenpflanzen von Haeupler & Muer (2. Auflage von 2007) auf Seite 70 rechts oben zu sehen sind. Zudem legte sich meine Pflanze (der Teil, der sich noch in der Landschaft befindet) nicht nieder und bildete in den Blattachseln auch keine Blattrosetten. Dazu kommt, dass, wie bereits erwähnt, der Wurzelnde Hain-Hahnenfuß aus Schleswig-Holstein noch nie nachgewiesen wurde.
Das Foto, das im Bildatlas der Farn- und Blütenpflanzen (2. Auflage von 2007) auf Seite 70 unten rechts von Ranunculus polyanthemoides Boreau, Verschiedenschnabeliger Hain-Hahnenfuß/Polyanthemosähnlicher Hain-Hahnenfuß abgebildet ist, passt auch nicht zu meinem Exemplar (die abstehende Stängelbehaarung und die Blattform, die dort zu sehen ist sprechen dagegen). Weiterhin wird diese Sippe auch keine 70 cm hoch.
Die Zeichnung von Ranunculus polyanthemos L., Vielblütiger Hain-Hahnenfuß im HEGI auf Seite 270 und das Foto dieser Sippe im Bildatlas der Farn- und Blütenpflanzen auf Seite 70 links oben passen von der Blattform und der abstehenden Behaarung der Stängel und der Blattstiele her auch nicht zu dem mir vorliegenden Exemplar. Zudem hat diese Sippe keine so eingerollten Fruchtspitzen wie sie auf meinen Fotos zu sehen sind.
Zudem passen die Blätter des mir vorliegenden Exemplares recht gut zu der Zeichnung 16a auf Seite 69 im Bildatlas der Farn- und Blütenpflanzen (2. Auflage von 2007), aber nicht zu den Zeichnungen 16b und 16c und erst recht nicht zur Zeichnung 16d.
Fazit: Es handelt sich bei meinem Exemplar um Ranunculus nemorosus DC., Gewöhnlicher Hain-Hahnenfuß. Habe die Sippe inzwischen auch andere schleswig-holsteinische Botaniker bzw. Botanikerinnen sehen lassen und kann melden, dass die Bestimmung von Dr. Katrin Romahn bestätigt wurde.
Es bleibt also festzuhalten, dass der Gewöhnliche Hain-Hahnenfuß in Schleswig-Holstein doch noch nicht ausgestorben ist und auch nicht mehr als verschollen gelten kann (das hier war bereits mein 2. Fund dieser Sippe). :D :D :D
Am meisten freut mich dabei, dass diese Sippe hier doch noch existent ist und überlebt hat!

Schöne Grüße aus Niebüll

Gregor
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