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Lebermoos in extrem kalkhaltigem Wasser => Pellia endiviifolia

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JarJar
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Lebermoos in extrem kalkhaltigem Wasser => Pellia endiviifolia

Beitrag von JarJar » 11.11.2020, 16:12

Hallo miteinander,

handelt es sich hierbei überhaupt um ein Lebermoos? Ich konnte sehr viel davon in einem sehr kalkhaltigen Bach finden. Ich habe sogar den Verdacht, dass es an Kalktuffbildung beteiligt ist. Eine Begleitart war Rhynchostegium riparioides. Kann diese hier bestimmt werden?

Funddaten: Deutschland, Baden-Württemberg, Landkreis Waldshut, Eschbach bei Waldshut, im Liederbachtal, extrem kalkhaltiges Wasser, 08.11.2020

LG und Dank,
Christoph
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bryotom
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Re: Lebermoos in extrem kalkhaltigem Wasser

Beitrag von bryotom » 11.11.2020, 18:42

Hallo Christoph,
wieder einmal sehr schöne Bilder!
Ja, ein Lebermnoos und ich würde hier an Pellia endiviifolia denken!
Die Art kommt an auch an sehr kalkreichen und nassen Standorten vor.
Sie kann dann sogar Kalkinkrustationen aufweisen (bei Dir evtl. im zweiten Bild zu erahnen).
Typisch für die Art sind die - insbesondere im Herbst und im frühen noch mildem Winter - zahlreichen vorhandenen geweihförmigen Auswüchse des Thallus. Diese können als ganzes oder teilweise abbrechen und dienen dann der vegativen Vermehrung.
LG Thomas

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JarJar
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Re: Lebermoos in extrem kalkhaltigem Wasser

Beitrag von JarJar » 11.11.2020, 20:42

Hallo Thomas,

ja ganz herzlichen Dank für die superschnelle Rückmeldung! Ich meine auf dem letzten Bild sogar die von dir beschriebene Vermehrungstaktik zu erkennen :) (Geweihbildung) oder liege ich da falsch?

Das Moos war nahezu bestandsbildend im gesamten Bach... echt verrückt.

Lieben Gruß,
Christoph

bryotom
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Re: Lebermoos in extrem kalkhaltigem Wasser

Beitrag von bryotom » 12.11.2020, 12:32

Ja, das passt schon mit den Geweihen! Das ist jetzt die Jahreszeit dafür.
Auf dem ersten Bild erkennt man auch ältere Thallusabschnitte mit einer etwas dunkleren Mittellinie / Mittelrippe.
Insgesamt komme ich mit dem Standort daher auf Pellia endiviifolia.
Beste Grüße und noch schöne Moosfunde
Thomas

jake001
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Re: Lebermoos in extrem kalkhaltigem Wasser

Beitrag von jake001 » 12.11.2020, 14:08

JarJar hat geschrieben:
11.11.2020, 20:42
[...]Vermehrungstaktik zu erkennen :) (Geweihbildung) oder liege ich da falsch? [...]
Klingt interessant. Wo kann man das genau sehen? Liebe Grüsse

Marlies
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Re: Lebermoos in extrem kalkhaltigem Wasser

Beitrag von Marlies » 20.11.2020, 10:47

Solche Quellen gehören ja zu den FFH-Lebensraumtypen und die interessieren mich immer, sofern sie in BB vorkommen.
JarJar hat geschrieben:
11.11.2020, 16:12
Ich habe sogar den Verdacht, dass es [das Moos] an Kalktuffbildung beteiligt ist.
Was soll das bedeuten, soll das physikalisch oder chemisch sein?
Die LRT-Steckbriefe von BfN und LfU helfen da wenig weiter, eigentlich helfen sie gar nicht weiter.

Marlies

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JarJar
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Re: Lebermoos in extrem kalkhaltigem Wasser

Beitrag von JarJar » 20.11.2020, 14:41

@jake: was genau meinst du jetzt? Die geweihförmige Struktur? (sieht man doch recht deutlich auf dem untersten Bild) oder den Wuchsort? (Eschbach bei Waldshut - im Liderbach :D)

@Marlies: An Orten im Bach, an denen das Moos wächst finden sich "tuffähnliche" Kalkablagerungen. Ich meine, es gibt Moose, die Kalk ausscheiden (wie z.B. Palustriella commutata) aber wie das genau funktioniert kann ich dir nicht sagen :)

LG Christoph

bryotom
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Re: Lebermoos in extrem kalkhaltigem Wasser => Pellia endiviifolia

Beitrag von bryotom » 21.11.2020, 10:47

@Chrisoph und Marlies
Kalksinterablagerungen bilden sich dort, wo Quellwasser, das unterirdisch zuvor kühl (2 bis 7 Grad) und unter hohem Druck mit Quellkohlensäure (CO2 in Wasser gelöst) versetzt ist, auf dem Weg durch kalkhaltige Gesteinsschichten an die Oberfläche tritt.
Dieses Quellwasser ist durch das Passieren und Anlösen von kalkhaltigem (karbonathaltigem) Gestein reich an gelöstem Kalziumhydrogenkarbonat. Das Karbonat löst sich in Form von Hydrogenkarbonat jedoch nur dann in größerer Menge in Wasser, wenn es kühl ist und genügend CO2 vorhanden ist.
An der Oberfläche fällt dann der Druck an der freien Luft auf nur noch 1 Atmosphäre und das Wasser nähert sich der Umgebungstemperatur, was meist einer Erwärmug entspricht.
Das CO2 wird frei und das Hydrogenkarbonat wird wieder zu Karbonat, das als schlecht lösliche, weiße Substanz ausfällt.
Das geht auch rein physikalisch (s. Pamukkale u.ä. Orte) ohne Hilfe von Pflanzen.
Wassermoose können den Prozess jedoch verstärken, da sie durch die Photosynthese weiteres CO2 dem System entziehen. Auch die Erhöhung der Kontaktoberfläche (z.B. bei Cratoneuron) erleichtert das frei werden von CO2. Deshalb kommt es auf den Moosen bzw. in deren unmittelbarer Umgebung zu diesen Kalksinterablagerungen.
Das ist natürlich nur grob von mir zusammengefasst.
Genauer nachlesen kann man das an diversen Stellen.
LG Thomas

Marlies
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Re: Lebermoos in extrem kalkhaltigem Wasser => Pellia endiviifolia

Beitrag von Marlies » 21.11.2020, 17:01

bryotom hat geschrieben:
21.11.2020, 10:47
Das ist natürlich nur grob von mir zusammengefasst.
:lol: Nun ja, Thomas, es ist ein sehr guter Beitrag und genau das richtige Niveau für unsere Zwecke.
Dann ist das ja genau so, wie ich es schon vermutet hatte!
Jetzt fragt sich nur noch, was mit den von den Kalkkrusten umschlossenen Pflanzenteilen geschieht. Vermutlich verwesen sie ... Das wird aber im Netz rauszukriegen sein, deine Bemühungen waren groß genug.

Marlies

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