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Wasserdarm?

Wer eine Wildpflanze aus Europa bestimmt haben möchte, kann hier eine Bestimmungsanfrage dazu stellen.

Moderatoren: akw, Jule

Forumsregeln
1. Bildanhänge für Themen und neue Beiträge dürfen nicht größer als 800 x 600 sein, ansonsten funktioniert der Upload nicht!

2. Bitte zu jeder Anfrage einen Fundort (Land,Stadt, Umgebung, Habitat etc.) und Funddatum angeben
3. Bitte nicht mehr als 3 Pflanzen pro Thema anfragen (wird sonst unübersichtlich)
4. Herbarium-Anfragen von Schülern und Studenten werden NUR noch mit eigenen Bestimmungsversuchen akzeptiert - Sonst Löschung des Beitrages

TIPP: Je mehr Detailbilder ihr von einer Pflanze zeigt, also zum Beispiel Gesamtaufnahme der Pflanze, Blatt + Blüte von oben und unten, Stängel unten + oben, Früchte oder weiteres, desto größer ist der Bestimmungserfolg und die Artansprache hier im Forum.
Weiterhin viel Spass im Forum :)
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Dumb Witness
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Beitrag von Dumb Witness » 23.04.2007, 18:30

Ist doch ausgesprochen anregend, was eine solch kleine Pflanze alles für "Aufregung" verursachen kann ! 8)
Gruß, D.W.

Gregor
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Beitrag von Gregor » 23.04.2007, 18:32

Jule hat geschrieben:Hi Ihr!

Mein Herbarbeleg vom Wasserdarm hat:

- 5 Griffel
- weißliche Staubbeutel
- drüsig-klebrigen Stiel
- und nicht so tief eingeschlitze Blütenblätter wie die Hain-Sternmiere

mfg Jule
Hallo Jule,

gute Hinweise! das klingt schon eher halbwegs nach dem Wasserdarm. Obwohl weißliche Staubbeutel? Bist du sicher das das Teil beim Pressen nicht einfach Farbe verloren hat?

Schöne Grüße aus Kiel

Gregor

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Jule
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Beitrag von Jule » 23.04.2007, 18:35

Hi Gregor!

Meine Bilder auf dem Rechner sagen beach :shock: :lol:


mfg Jule
Dateianhänge
Wasserdarm (1).JPG
Wasserdarm (1).JPG (41.04 KiB) 2011 mal betrachtet
Zuletzt geändert von Jule am 23.04.2007, 18:41, insgesamt 1-mal geändert.

Botanica
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Wasserdarm versus Sternmiere

Beitrag von Botanica » 23.04.2007, 18:37

Hallo zusammen

Nanu:

5 Griffel sollte ja, wenn ich es recht verstanden habe, eindeutig der Wasserdarm dein. Im Häupler/Muer wird aber gleichzeitig

- auf gelb/lila Staubbeutel hingewiesen
- die Blütenblätter sind auf der Abbildung (Nr 489) extrem tief eingeschnitten

Rothmaler weist im Schlüssel als das Unterscheidungskriterium den 4kntigen Stengel aus.

Daraus ergibt sich für den interessierten Laien die folgende Frage :
Ist eine solche große Variationsbreite möglich (weiß, gelb, lila Staubbeutel, bzw stark unterschiedlich eingeschnittene Blütenblätter)

und ist das vielleicht der Grund, warum Rothmaler diese Befunde nicht als Unterscheidungskriterium nennt ?

Viele Grüße

Harry
Ich denke, also bin ich

Gregor
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Beitrag von Gregor » 23.04.2007, 18:52

Hallo Jule,

ja, bei dem von dir eingestellten Bild glaube ich auch an den Wasserdarm! 8)
Ich halte es für wahrscheinlich, dass an mehr oder weniger schattigen Standorten die Farbe der Staubbeutel nicht so gut bis gar nicht mehr wahrzunehmen ausgeprägt wird. Häufig werden an sonnigeren Standorten kräftigere Farben oder überhaupt Farben entwickelt.
Dein Bild sieht aber auch anders aus als die oberen von Harry.

Schöne Grüße aus Kiel 8)

Gregor

niXda

Beitrag von niXda » 24.04.2007, 04:41

Der Stengel der Hain-Sternmiere - Stellaria nemorum ist oberwärts auch drüsenhaarig und unten nur behaart. Stellaria aquatica (bzw. Myosoton aquaticum) ist oberwärts nur Drüsenhaarig und unten kahl und vierkantig, was auf den Fotos jedoch nicht zu sehen ist. Da müßte Harry mal nachsehen! :-)

Gregor
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Beitrag von Gregor » 24.04.2007, 08:46

Hallo allerseits,

ich werde einmal in aller Ruhe die Unterschiede zwischen den Arten Stellaria auqatica und Stellaria nemorum ssp. nemorum aus den mir zugänglichen Artikeln und Floren herausarbeiten und das dann hier einstellen. Aber das kann ein bisschen dauern. Denn ich möchte mir wirklich Zeit lassen, um das möglichst sorgfältig machen zu können. OK?

Also dann bis demnächst!

Schöne Grüße aus Kiel

Gregor

Gregor
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Beitrag von Gregor » 24.04.2007, 09:16

Hallo allerseits,

man beachte bitte schon einmal den Unterschied in der Blattnervatur auf Harrys Bildern, die ich für Stellaria nemorum ssp. nemorum halte (die Blattnerven treten stärker und eher netznervig hervor als bei Stellaria aquatica) und auf Jules Bild, das ich für Stellaria aquatica halte (die Blattnerven treten nicht so stark hervor und im Prinzip ist nur die Mittelrippe zu sehen).

Schöne Grüße aus Kiel

Gregor

Gregor
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Beitrag von Gregor » 24.04.2007, 19:07

Hallo allerseits,

hier nun die zugesagte Zusammenstellung:

Aus den Kieler Notizen zur Pflanzenkunde in Schleswig-Holstein, Jahrgang 9, 1977, Heft 1: 17–18, Kiel.

Zur Unterscheidung von Stellaria aquatica (syn.: Malachium aquaticum, Myosoton aquaticum) und Stellaria nemorum ssp. nemorum

von Axel KAIRIES (leicht verändert von G. Stolley – vor allem an die moderne Nomenklatur angepasst)

Häufig bilden nahe verwandte Pflanzenarten, die sonst gut zu unterscheiden sind, besonders im blütenlosen Zustand so täuschend ähnliche Erscheinungsformen, dass selbst das geschulte Auge in Zweifel gerät. So auch bei Stellaria aquatica und Stellaria nemorum ssp. nemorum.

Stellaria aquatica als vorwiegend ruderale Pflanze feuchter, nährstoffreicher Böden sonniger bis halbschattiger Lage bildet an den jungen Teilen der Triebe (Stängel) dichte Behaarung, spart jedoch dabei die Blätter weitgehend aus (Blätter spärlich behaart, verkahlend). Die unteren, älteren Teile der Pflanze sind in der Regel gänzlich kahl. Die Blätter sind sitzend und nur selten kurz gestielt. Die Blattform ist eilich-rundlich und die Konturen verlaufen sehr gleichmäßig. Die Blattaderung tritt weitgehend in den Hintergrund (feinere Adern). An den Blatträndern der jüngeren Blätter finden sich kleine Drüsen (s. Abb.) mit winzigen "Köpfchen". Nach WEBER (1995) kommt Stellaria aquatica auf nassen, auch zeitweise überfluteten, nitratreichen Böden an Flussufern, Teichen, Tümpeln, Gräben, Pfützen (auch auf Waldwegen) und auf Ruderalflächen vor. Nach DÜLL & KUTZELNIGG (2005) hat Stellaria aquatica im Unterschied zu den übrigen Stellaria-Arten 5 Griffel (nicht verwechseln mit Staubblättern!) und ist reich drüsig behaart und wurde deshalb lange Zeit als eigene Gattung abgegrenzt. Nach den letztgenannten Autoren ist Stellaria aquatica ein Spreizklimmer bis 1 m Höhe durch den mehrfach gabelartig (= dichasial) verzweigten Stängel, dessen Abschnitte jeweils an der Basis durch Gelenke verdickt sind. Nach denselben Autoren ist Stellaria aquatica von Stellaria nemorum ssp. nemorum (außer durch die Drüsen und die 5 Griffel) außerdem durch die spätere Blütezeit (VI-X statt V-VI bei Stellaria nemorum) und den biegsamen Stängel (brüchig bei Stellaria nemorum) unterschieden. Nach LAUBER & WAGNER (1996) sind die Kronblätter von Stellaria aquatica weiß, bis fast zum Grunde 2teilig und so lang wie die Kelchblätter oder etwas länger. Nach JÄGER & WERNER (2005, 2000) ist der Stängel von Stellaria aquatica unten 4kantig und kahl. Nach JÄGER & WERNER (2000) und HAEUPLER & MUER (2000) sind die Staubbeutel von Stellaria aquatica gelblich oder blasslila (ob wirklich immer?).

Auch Stellaria nemorum ssp. nemorum bildet an jungen Trieben eine dichte Stängelbehaarung, sie scheint noch dichter als bei Stellaria aquatica und geht auch über auf die Blattoberseite (mehr oder weniger dicht behaart) und selbst auf der Blattunterseite finden wir einige wenige, jedoch längere Haare. Die Blattform ist zuweilen lanzettlich, neigt aber in der Regel mehr zu rundlichen Formen. Auffällig ist dabei jedoch, dass die Konturen des Blattes im oberen Drittel von der fast Parallelen plötzlich umbiegen zur Blattspitze hin. Dieser Knick in der Blattkontur findet sich, mehr oder weniger ausgeprägt, bei allen Blattvariationen von Stellaria nemorum ssp. nemorum wieder. Die Blattnerven treten hier auch stärker hervor als bei Stellaria aquatica und der Blattrand der jüngeren Blätter trägt einen relativ dichten Saum von langen Härchen (fehlen bei älteren Blättern). Der Blattstiel ist vergleichsweise lang (besonders im unteren Teil des Stängels), zumindest aber deutlich, und der Stielansatz am Blatt ist gebuchtet (bei Stellaria aquatica am sitzenden Blatt rund). Stellaria nemorum ssp. nemorum bevorzugt feuchte bis frische Schattenbiotope (Wald). Nach WEBER (1995) kommt Stellaria nemorum ssp. nemorum auf feuchten bis nassen, sauren, nitratarmen Böden in erlenreichen Wäldern gern an Bächen oder Quellen vor. Nach LAUBER & WAGNER (1996) sind die Kronblätter von Stellaria nemorum weiß, bis fast zum Grunde 2teilig und bis doppelt so lang wie die Kelchblätter. Nach JÄGER & WERNER (2005, 2000) ist der Stängel von Stellaria nemorum auch unten rund und behaart. Nach JÄGER & WERNER (2000) und HAEUPLER & MUER (2000) sind die Staubbeutel von Stellaria nemorum weißlich.

Literatur
DÜLL, R. & KUTZELNIGG, H. (2005): Taschenlexikon der Pflanzen Deutschlands. Ein botanisch-ökologischer Exkursionsbegleiter zu den wichtigsten Arten. – 6. Auflage, 577 S., Quelle & Meyer, Wiebelsheim.
HAEUPLER, H. & MUER, TH. (2000): Bildatlas der Farn- und Blütenpflanzen Deutschlands. – 759 S., Eugen Ulmer, Stuttgart.
JÄGER, E. J. & WERNER, K. (2000): Exkursionsflora von Deutschland Band 3 – Gefäßpflanzen: Atlasband (begründet von W. ROTHMALER). –10. Auflage, 753 S., Spektrum Akademischer – /Gustav Fischer Verlag, Heidelberg/Jena.
JÄGER, E. J. & WERNER, K. (2005): Exkursionsflora von Deutschland Band 4 – Gefäßpflanzen: Kritischer Band (begründet von W. ROTHMALER). –10. Auflage, 980 S., Elsevier, München.
LAUBER, K. & WAGNER, G. (1996): Flora Helvetica – 3750 Farbphotos von 3000 wildwachsenden Blüten- und Farnpflanzen einschließlich wichtiger Kulturpflanzen, Artbeschreibungen und Bestimmungsschlüssel. – 1615 S., Paul Haupt, Bern.
WEBER, H. E. (1995): Flora von Südwest-Niedersachsen und dem benachbarten Westfalen. – 770 S., H. Th. Wenner, Osnabrück.

Schöne Grüße aus Kiel

Gregor
Dateianhänge
Stellaria.jpg
Bilder nach Axel KAIRIES
Stellaria.jpg (21.3 KiB) 1940 mal betrachtet

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Unterschiede

Beitrag von Botanica » 24.04.2007, 20:40

Hallo Gregor,

klasse, und sehr verständlich, dass sogar ein Laie wie ich die Beschreibungen verstehen und vor allem anwenden kann.

Also Hain-Sternmiere, was Robert und Du ja schon angenommen hatten

qed

Viele Grüße

harry
Ich denke, also bin ich

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