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Aberrationen/Anomalien

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abeja
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Re: Aberrationen/Anomalien

Beitrag von abeja » 09.05.2020, 21:57

Hallo Manfrid,
die abgebissenen Sprosse waren mir gar nicht so aufgefallen, auch vor Ort nicht :o ... die böse blendende Sonne ... oder ich hatte mich nur auf diese seltsamen Blüten konzentriert, "missing-link-flowers" schöner neuer Ausdruck.
Ich wollte ja noch mal nachschauen ... aber ... die Pflanze habe ich nicht gefunden, weil ein ganz schmaler Streifen zwischen Weg und teils eingezäunter Wiese gemäht worden ist.
Dafür war das Gelände heute stärker eingezäunt und ich hätte Bilder von den mutmaßlichen Blumenbeißern machen können, da waren nämlich sehr hübsche, ziemlich große, ziemlich behörnte, sehr neugierige Ziegen (vermutlich Bündner Strahlenziegen und weiße Saanenziegen).
Viele Grüße von abeja

Marlies
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Re: Aberrationen/Anomalien

Beitrag von Marlies » 10.05.2020, 23:57

Eine Frage am Rande:
Manfrid hat geschrieben:
03.05.2020, 08:31
eine "Hemmungszone" zwischen den beiden üblichen Formen von Seitensprossen
Welches ist denn die zweite übliche Form? Die Art hat doch bodennah gar keine Seitensprosse.
Marlies

Manfrid
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Re: Aberrationen/Anomalien

Beitrag von Manfrid » 12.05.2020, 23:20

Marlies hat geschrieben:
10.05.2020, 23:57
Welches ist denn die zweite übliche Form? Die Art hat doch bodennah gar keine Seitensprosse.
Stimmt: Diese Ersatzsprosse müssten unterhalb der köpfchentragenden und ebenfalls abgefressenen Seitensprosse ausgetrieben sein und nicht zwischen den letzteren und den Einzelblütchen eines Endkopfes (die ja auch eine Art Seitensprosse wären). Dass sie die Möglichkeit der Zusammenfassung mehrerer Blütchen zu einem demonstrieren, wäre damit noch nicht hinfällig. Aber sie tun es wohl in einem tieferen Übergangsbereich. Hat die Art generell unter ihren beiden cymenartigen Seitentrieben (mit Endköpfen und wiederum zwei Auszweigungen darunter) keine stärker vegetativen (mehrknotigen) Seitentriebe mit einer Hemmungszone dazwischen? Muss ich mir nochmal genauer anschauen bei Gelegenheit.

Manfrid

Marlies
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Re: Aberrationen/Anomalien

Beitrag von Marlies » 13.05.2020, 15:45

Manfrid hat geschrieben:
12.05.2020, 23:20
Hat die Art generell unter ihren beiden cymenartigen Seitentrieben (mit Endköpfen und wiederum zwei Auszweigungen darunter) keine stärker vegetativen (mehrknotigen) Seitentriebe mit einer Hemmungszone dazwischen?
Also, Manfrid, die zwei von mir angeschauten Pflanzen (mehr gab es nicht) waren ziemlich identisch mit der Zeichnung im Rothmaler-Atlasband: untere Hälfte oder gar 2/3 der Sprossachse unverzweigt, nur mit gegenständigen Blättern. Allerdings muss ich dazusagen, dass diese Pflanzen auf eher trockenem Standort nicht besonders kräftig waren.
Sich 2 Mickerexemplare anzugucken und dann zu schreiben "die Art hat ...", war natürlich ziemlich unwissenschaftlich. Und eine Zeichnung kann auch nicht alle Eventualitäten erfassen. Mal sehen, ob ich bei Gelegenheit noch was Anderes finde - oder du.
Meinerseits Ende der Abschweifung. Strenggenommen gehört das ja nicht in Aberrationen/Anomalien.*

Marlies
*) Gerade merke ich, dass sich das einfach furchtbar anhört. Ich wollte damit keinesfalls eine Diskussion abschneiden, die ich selbst losgetreten habe.
Zuletzt geändert von Marlies am 14.05.2020, 00:52, insgesamt 1-mal geändert.

Waldschrat
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Re: Aberrationen/Anomalien

Beitrag von Waldschrat » 13.05.2020, 19:18

Hallo Botanikfreunde,
habe mal wieder in meinem Fotoarchiv gestöbert und bin auf ein Bild aus dem Mai 2009 gestoßen, das ich damals im Schwenninger Moos am Wegesrand aufgenommen hatte: eine Blüte von Geum urbanum, die nicht, wie üblich, fünfzählig ist, sondern 6 Kelchblätter und 6 Kronblätter besitzt.

Viele Grüße
Walter
Dateianhänge
CIMG5608K.JPG
6-zählige Blüte von Geum urbanum
CIMG5608K.JPG (72.14 KiB) 347 mal betrachtet

jake001
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Re: Aberrationen/Anomalien

Beitrag von jake001 » 14.05.2020, 09:31

Die Gattung ist ja nicht grundsätzlich unanfällig für Fehlbildungen der Kronblätter. So weit ich mich erinnere hat Geum rivale öfter mal Pelargien.
Gruss.

Marlies
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Re: Aberrationen/Anomalien

Beitrag von Marlies » 14.05.2020, 12:24

jake001 hat geschrieben:
14.05.2020, 09:31
... hat Geum rivale öfter mal Pelargien.
Was ist das?
Marlies

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Anagallis
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Re: Aberrationen/Anomalien

Beitrag von Anagallis » 14.05.2020, 12:42

arg=or

jake001
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Re: Aberrationen/Anomalien

Beitrag von jake001 » 14.05.2020, 14:48

Ja, Pelorie. Danke Anagallis.
Ein Spruch, der mich seit meiner Kindheit verfolgt: "Fremdwörter sind Glückssache."

Manfrid
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Re: Aberrationen/Anomalien

Beitrag von Manfrid » 14.05.2020, 22:21

Waldschrat hat geschrieben:
13.05.2020, 19:18
eine Blüte von Geum urbanum
Das ist, mit den nickenden Blüten, übrigens die Hybride Geum urbanum x G. rivale.

Manfrid

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Re: Aberrationen/Anomalien

Beitrag von Manfrid » 14.05.2020, 22:45

Marlies hat geschrieben:
14.05.2020, 12:24
jake001 hat geschrieben:
14.05.2020, 09:31
Pelargien.
Was ist das?
Das sind - vermutlich - Pelorien von Pelargonien. Die haben dann u. U. mehrere Nektarsporne usw. (Altes, abfotografiertes Bild; tut mir leid.):

Pelargie.JPG
Pelargie.JPG (48.88 KiB) 293 mal betrachtet

Manfrid

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Re: Aberrationen/Anomalien

Beitrag von Marlies » 15.05.2020, 20:00

Manfrid hat geschrieben:
14.05.2020, 22:45
Die [Pelargonien] haben dann u. U. mehrere Nektarsporne
Das alte Bild (danke für's Raussuchen) ist zwar nicht gut, aber gut genug, um diese eingekreisten
Gebilde zu sehen. Sollen das die Enden von 2 solcher Nektarsporne sein? Regulär ist dann sicher der obere.
img_1589493480398.jpg
img_1589493480398.jpg (60.36 KiB) 275 mal betrachtet

Und was Geum betrifft: Mir war schon klar, was jake001 meint. Aber diese gelegentlichen Blütenanomalien bei Geum rivale sind doch keine Pelorien im eigentlichen Sinne ...

Marlies

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Re: Aberrationen/Anomalien

Beitrag von Manfrid » 16.05.2020, 00:19

Marlies hat geschrieben:
15.05.2020, 20:00
Sollen das die Enden von 2 solcher Nektarsporne sein?
Ja.
Marlies hat geschrieben:
15.05.2020, 20:00
Regulär ist dann sicher der obere.
Eher der untere. Man kann bei den anderen alten Blütenstielen im Bild ahnen, dass die Enden mit ihrem Knubbel normalerweise ziemlich weit unten sind.
Marlies hat geschrieben:
15.05.2020, 20:00
Und was Geum betrifft: Mir war schon klar, was jake001 meint. Aber diese gelegentlichen Blütenanomalien bei Geum rivale sind doch keine Pelorien im eigentlichen Sinne ...
Es gibt da verschiedene Anomalien. Öfter hatten wir Verlaubung des Kelches/Blütenfüllung/Durchwachsung. Ein zusätzliches Kronblatt geht dann schon auch ein bisschen in Richtung Pelorie. Ist ja oft typisch für Endblüten (fand ich gerade bei etlichen Exemplaren von Campanula patula.) Aber auch der zuerst genannte Anomalienkomplex findet sich nicht selten bei "klassischen" Pelorien (Endblüten in Blütenständen, die normalerweise gar keine Endblüten haben wie z. B. beim Fingerhut, Digitalis.) Also, das muss man vielleicht nicht so eng sehen. "To pelor" ist ja einfach "das Ungeheuer".

Manfrid

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Anagallis
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Re: Aberrationen/Anomalien

Beitrag von Anagallis » 16.05.2020, 02:17

Hier ein kleiner Leckerbissen. Diese Cardamine mit den seltsam geformten, dicken Früchten stand bei Ettlingen auf einer Wiese. Im Inneren der Früchte befinden sich einerseits Samen und andererseits Blütenknospen. Mehrere Pflanzen zeigen dieselben Symptome.
Dateianhänge
frucht_mit_knospe-2.jpg
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frucht_mit_knospe-1.jpg
frucht_mit_knospe-1.jpg (53.56 KiB) 263 mal betrachtet

Manfrid
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Re: Aberrationen/Anomalien

Beitrag von Manfrid » 16.05.2020, 08:55

Anagallis hat geschrieben:
16.05.2020, 02:17
ein kleiner Leckerbissen
Klein, aber äußerst lecker! Ist mir noch nie begegnet. Sehe ich das richtig, dass die Knospen vom Inneren der Schotenspitze aus nach unten wachsen?

Manfrid

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