Keine Chance für Nazi-Propaganda und Rassismus in diesem Forum! #noafd #nopegida

Galium verum?

Wer eine Wildpflanze aus Europa bestimmt haben möchte, kann hier eine Bestimmungsanfrage dazu stellen.

Moderatoren: akw, Jule

Forumsregeln
1. Bildanhänge für Themen und neue Beiträge dürfen nicht größer als 800 x 600 sein, ansonsten funktioniert der Upload nicht!

2. Bitte zu jeder Anfrage einen Fundort (Land,Stadt, Umgebung, Habitat etc.) und Funddatum angeben
3. Bitte nicht mehr als 3 Pflanzen pro Thema anfragen (wird sonst unübersichtlich)
4. Herbarium-Anfragen von Schülern und Studenten werden NUR noch mit eigenen Bestimmungsversuchen akzeptiert - Sonst Löschung des Beitrages

TIPP: Je mehr Detailbilder ihr von einer Pflanze zeigt, also zum Beispiel Gesamtaufnahme der Pflanze, Blatt + Blüte von oben und unten, Stängel unten + oben, Früchte oder weiteres, desto größer ist der Bestimmungserfolg und die Artansprache hier im Forum.
Weiterhin viel Spass im Forum :)
marion
Beiträge: 440
Registriert: 09.07.2014, 20:22

Galium verum?

Beitrag von marion » 11.01.2020, 23:16

Hallo,
kann hier Galium verum bestätigt werden?
Die Bilder wurden zwischen dem 1. und 16. Juli aufgenommen. Fundort ist eine Wiese am Stadtrand von Chemnitz in Sachsen, die wahrscheinlich durch Aussaat einer Wiesenblumenmischung gestaltet wurde.
VG, Marion
Dateianhänge
19CHU04487x.jpg
19CHU04487x.jpg (88.1 KiB) 938 mal betrachtet
19CHU05109x.jpg
19CHU05109x.jpg (185.62 KiB) 938 mal betrachtet
19CHU05316x.jpg
19CHU05316x.jpg (135.67 KiB) 938 mal betrachtet

Benutzeravatar
Anagallis
Beiträge: 7421
Registriert: 11.08.2014, 22:59

Re: Galium verum?

Beitrag von Anagallis » 12.01.2020, 01:14

Ah, gab's da nicht schon wieder so eine neue Ansaatsippe, die vom G. verum agg. kaum zu unterscheiden ist?

marion
Beiträge: 440
Registriert: 09.07.2014, 20:22

Re: Galium verum?

Beitrag von marion » 12.01.2020, 22:46

Danke für die Antwort, Anagallis. Wenn ich es nicht vergesse, werde ich die Wiese im Frühjahr wieder besuchen und im Detail nachschauen, was dort alles wächst. Galium mit gelben Blüten ist mir auf anderen Wiesen bisher noch nicht aufgefallen.

Marion

Kraichgauer
Beiträge: 2018
Registriert: 09.10.2016, 11:01

Re: Galium verum?

Beitrag von Kraichgauer » 13.01.2020, 15:27

Doch, das sieht ganz stark nach der üppig wachsenden "Ansaatsippe" von Galium verum aus, die sich überall an Straßen und in Grünanlagen ausbreitet. Allerdings heißt die bisher ebenfalls Galium verum und hat wohl noch keinen anderen botanischen Namen bekommen.

Gruß, Michael

Benutzeravatar
Anagallis
Beiträge: 7421
Registriert: 11.08.2014, 22:59

Re: Galium verum?

Beitrag von Anagallis » 13.01.2020, 16:13

Gibt's zu der Sippe schon ein Papier oder sind das bislang nur Feldbeobachtungen?

Kraichgauer
Beiträge: 2018
Registriert: 09.10.2016, 11:01

Re: Galium verum?

Beitrag von Kraichgauer » 13.01.2020, 18:22

Es gibt eine genetische "Untersuchung des Galium-verum-Komplexes" (Bachelor Thesis, Hannah Diehl 2012) aus der Region Gießen, habe ich mal von Botanix bekommen. Dort kommt m. o. w. heraus: keine verwertbaren Unterschiede feststellbar.
Auf jeden Fall ist sicher, dass die Sippe nichts mit Galium ruthenicum zu tun hat, wie gelegentlich spekuliert wurde - das echte G. ruthenicum ist eine ganz andere Art.
An den Autobahnen im Nordosten (BB, MV) ist sie mittlerweile fast flächendeckend vertreten, wie ich 2019 sehen konnte.

Gruß, Michael

scheuchzeria
Beiträge: 231
Registriert: 23.03.2008, 20:15

Re: Galium verum?

Beitrag von scheuchzeria » 13.01.2020, 21:33

Hallo,
in NRW auch regelmässig an Strassen und Wiesenneueinsaaten anzutreffen.
schöne Grüße
scheuchzeria

Benutzeravatar
Anagallis
Beiträge: 7421
Registriert: 11.08.2014, 22:59

Re: Galium verum?

Beitrag von Anagallis » 13.01.2020, 22:23

Mal 'ne doofe Frage: Findet man die auch abseits von Einsaatflächen an eher G.-v.-typischen Standorten? Könnte es sein, daß der kräftige Wuchs einfach auf die Nährstoffversorgung auf den Einsaatflächen zurückgeht und auf "normalen" Flächen verschwindet?

marion
Beiträge: 440
Registriert: 09.07.2014, 20:22

Re: Galium verum?

Beitrag von marion » 13.01.2020, 23:02

Danke für die Bestätigung von Galium verum, Michael.
VG, Marion

scheuchzeria
Beiträge: 231
Registriert: 23.03.2008, 20:15

Re: Galium verum?

Beitrag von scheuchzeria » 14.01.2020, 23:54

@Anagallis
Nee, die Einsaatsippe erkennt man gleich am straffen, aufrechten Wuchs, hat mit den Wuchsbedingungen nicht zu tun. So wie man schnell den "falschen" Lotus erkennt, die frühblühende stark schlitzblättrige Knautia, falsche Sanguisorba, buschige Leucanthemum, straffe Ononis und dem ganzen anderen Murks aus der "Regio-Saatguttüte", dem Bienenschmaus, Falterers Futterparadies oder wie sie auch immer heissen mögen, erkennt. Ein Grauen....

Marlies
Beiträge: 226
Registriert: 12.08.2019, 22:24

Re: Galium verum?

Beitrag von Marlies » 15.01.2020, 12:13

@scheuchzeria
Mit solchen Einsaaten dürfte es doch nun ab März 2020 vorbei sein. Zumindest auf Flächen, die per Definition 'freie Natur' sind. Oder gibt es neue Übergangsregelungen?
Marlies

Kraichgauer
Beiträge: 2018
Registriert: 09.10.2016, 11:01

Re: Galium verum?

Beitrag von Kraichgauer » 16.01.2020, 09:15

Das mit dem "Einsaatverbot" wird schlichtweg daran scheitern, dass es nirgendwo Kompetenz dafür gibt, weder bei Behörden, Gemeinden, Bauern etc. Und außerdem wird es keine ausreichenden Quellen für geeignetes regionalisiertes Saatgut geben. Das wird alles weiter so laufen wie bisher.

Gruß, Michael

Marlies
Beiträge: 226
Registriert: 12.08.2019, 22:24

Re: Galium verum?

Beitrag von Marlies » 20.01.2020, 13:30

Mit leichter Verspätung: Danke für deine Einschätzung, Michael.
Das MLUL Brandenburg versucht ja nun, durch seine "Richtlinie zur Förderung naturbetonter Strukturelemente im Ackerbau" gegenzusteuern. (Angesichts der Tatsache, dass allein die Hinweise zur Richtlinie ein 10seitiges Dokument sind, staune ich, dass in meinem Umfeld überhaupt noch Landwirte übriggeblieben sind, die sich an einem entsprechenden Projekt beteiligen wollen.) Aber wozu der ganze Aufwand, wenn vielleicht schon auf dem Nachbarschlag "alles so weiterläuft wie bisher"?
Und noch mal zurück zu Galium verum: Die Aufregung um die Ausbreitung dieser Einsaatsippe verstehe ich nicht wirklich. Die Hauptargumente gegen fremde Sippen sind immer mangelnde Angepasstheit und versetzte Blühzeitpunkte. Beides dürfte aber hier eben nicht der Fall sein, zumal "genetische Untersuchungen keine verwertbaren Unterschiede" erbracht haben. Also wirklich alles "Murks" und "ein Grauen"? Zu den anderen von scheuchzeria gebrachten Beispielen kann ich freilich nichts sagen, aber vielleicht kommt ja noch eine Begründung....
Marlies

Benutzeravatar
Anagallis
Beiträge: 7421
Registriert: 11.08.2014, 22:59

Re: Galium verum?

Beitrag von Anagallis » 20.01.2020, 15:29

Ich finde es schon bedenklich, wenn europaweit die Artenvielfalt eliminiert und stattdessen flächendeckend dieselbe Saatmischung ausgebracht wird. Von den Schäden in der Tierwelt durch unbrauchbare Exoten mal abgesehn. Da gab's neulich so einen netten Disney-Comic: Der Großindustrielle beschließt, die ganze Stadt und das Umland aufzukaufen und mit Monokulturen zu überziehen. Nachdem die Stadt dann von Umweltkatastrophen heimgesucht wird, kommt er zu Besinnung und macht alles "rückgängig": Hecken und Wälder werden gepflanzt und überall kehren sofort scharenweise Vögel und anderes Getier zurück. So simpel stellt man sich wohl auch in manchem Amt die Natur vor.

scheuchzeria
Beiträge: 231
Registriert: 23.03.2008, 20:15

Re: Galium verum?

Beitrag von scheuchzeria » 22.01.2020, 00:15

Hallo,
ich denke, es ist heute nicht mehr notwendig lang ausufernd über die negativen Folgen der Globalisierung im Bereich Naturschutz zu berichten. Im Tier- und Pflanzenreich gibt es unzählige Beispiele. aktuell: Der Feuersalamander scheint von Belgien/Niederlande her auszusterben. In der Eifel sind schon viele Bachläufe mit ehemaligen Vorkommen Salamanderfrei (ein eingeschleppter Chytridpilz, https://www.nabu.de/tiere-und-pflanzen/ ... 19745.html). Ob es noch gut geht ist ungewiss. Grauhörnchen/Eichhörnchen in England, Hummerpest tötet die einheimischen Edelkrebse, Muscheln, Wollhandkrabben im Rhein, Bachforelle/Regenbogenforelle.
Pflanzliche Neophyten: Riesen-Bärenklau, Solidago-Arten, Staudenknöterich, wer schon mal tolle Heidegebite unter Stress von Prunus serotina gesehen hat, weiss wie aussichtslos der Kampf in manchen Gebieten jetzt schon ist. Schon mal die invasive Kraft von Douglasie in trockenen Hieracio-Querceten "bewundert".
Ob die Ansaatsippe die Kraft für "verheerendes" hat, weiss ich nicht. Es ist eben einfach eines der vielen Experimente mit unbekanntem Ausgang. Vll. kreuzt sie in einheimische Sippen ein und verändert diese. Verändert sich der Lebensrhythmus sind vll. einheimische angepasste Arten wie der Labkrautschwärmer unter Druck. Vll. werden die einheimischen Sippen auch infertil. Ich weiss es nicht, diejenigen die es aussäen beschäftigen sich noch nicht mal mit der Thematik.
Es gibt genügend Untersuchungen zu der Thematik lokale Sippen alleine in Deutschland und der Anpassung alleine schon in den unterschiedlich Naturräumen Deutschlands. Es gibt Projekte zur Produktion von regionalem oder sogar lokalem Saatgut, da haben diese Ansaatsippen in der Landschaft nichts mehr zu suchen. (Natur und Landschaft 04-2019 Durka et al.)
so mal als Infoanstoss
schöne Grüße
scheuchzeria

Antworten