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Erigeron ... septentrionalis?

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Anagallis
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Erigeron ... septentrionalis?

Beitrag von Anagallis » 12.06.2019, 10:42

Wie heißt denn Erigeron ... septentrionalis richtig? Die einen behaupten, das Taxon hätte man als Unterart von E. annuus aufgegeben; im CoL steht sogar Erigeron strigosus var. septentrionalis (Fern. & Wieg.) Fern.. Ist E. strigosus eine in D akzeptierte Art?

Kraichgauer
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Re: Erigeron ... septentrionalis?

Beitrag von Kraichgauer » 12.06.2019, 10:59

Es geht um drei Taxa, laut Buttler'scher Florenliste von D wie folgt einzuteilen:

- Erigeron annuus (L.) Desf. subsp. annuus ist die häufige annuus-Sippe mit kahlem Stängel und langer Zunge der Randblüten.

- Erigeron annuus subsp. septentrionalis (Fern. & Wieg.) Wagenitz (= E. strigosus var. septentrionalis (Fern. & Wieg.) Fern.) ist die bei uns deutlich seltenere Sippe mit meist (!) langhaarigem Stängel und kurzer Zunge der Randblüten, dafür meist deutlich kräftiger als annuus s. str.

- Erigeron strigosus Willd. var. strigosus (= E. annuus subsp. strigosus (Willd.) Wagenitz) ist eine eigene Sippe (mit striegelhaarigem, nicht abstehend behaartem Stängel), die in Deutschland zwar ab und zu mal fälschlich gemeldet wurde (meist wegen der obigen Namenskonfusion), aber von der es nur sehr wenige bestätigte Adventivfunde gibt. In Nordamerika ist sie dagegen recht häufig.

Das Problem im COfL ist die nordamerikanische Nomenklatur. Die Nordamerikaner (Flora Nordamerika) führen in der Tat septentrionalis als Form von strigosus, dagegen E. annuus als separate Art. Wenn man die europäische Sichtweise anwenden würde, würde im COfL das Chaos ausbrechen und die Nordamerikaner laut aufschreien. Also richte ich mich in D nach Buttler und im COfL nach Nordamerika...

Da alle Arten einen nordamerikanischen Ursprung haben, sollte man eigentlich auch in Deutschland die nordamerikanische Nomenklatur als führend ansehen. Das scheint noch unklar, wie das mal ausgehen wird.

Gruß, Michael

Kraichgauer
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Re: Erigeron ... septentrionalis?

Beitrag von Kraichgauer » 15.06.2019, 14:25

Hier nochmal zur Abgrenzung einige Photos von echtem E. strigosus. Dieser wird in den USA nicht nur durch die angedrückten Haare, sondern auch durch die Blattform (wenige Stängelblätter, alle ganzrandig) von annuus (viele Stängelblätter, grob gezähnt) unterschieden.

Gruß, Michael
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Anagallis
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Re: Erigeron ... septentrionalis?

Beitrag von Anagallis » 15.06.2019, 23:55

Hm, ich bin immer noch nicht sicher, ob die Pflanze, die wir letztes Jahr in Büchenau gesammelt haben, eine ssp. annuus oder ssp. septentrionalis ist. Auffällig sind vor allem die schmalen, ungezähnten Blätter. Die Behaarung gibt nichts Eindeutiges her.

Kraichgauer
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Re: Erigeron ... septentrionalis?

Beitrag von Kraichgauer » 06.07.2019, 10:21

Der Fall ist viel komplizierter als bisher angenommen. Die Mehrheit aller Publikationen aus den letzten Jahren ist mittlerweile der Meinung:
- septentrionalis gibt es nicht, sondern ist synonym mit annuus (nicht strigosus!). Es gibt alle möglichen Übergänge. Außerdem ist septentrionalis wie annuus triploid.
- Von E. annuus gibt es zahlreiche agamosperme Sippen, die (ähnlich wie bei Erophila) teilweise den Eindruck eigener Arten erwecken. Daher die Konfusion. Eine Beschreibung als Varianten oder Kleinarten verbietet sich aber, weil es offensichtlich doch gelegentliche Sexualität gibt und alle möglichen Übergänge.
- Echte E. strigosus soll angeblich in Europa nur von wenigen Funden bekannt sein. Die Art ist sexuell diploid (2n = 18). Rainer Otto hat sie u. a. in Bamberg gefunden.

Aber: In der Rheinebene gibt es definitiv zwei Taxa, die man vor allem an den Rosetten unterscheiden kann. Das müssen wir noch klären, ob das "nur" annuus-Typen sind oder vielleicht doch echte E. strigosus herumgeistert.

Gruß, Michael

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Re: Erigeron ... septentrionalis?

Beitrag von Anagallis » 06.07.2019, 10:43

Kann man sich die zweite Sippe hier mal irgendwo ansehen?

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