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Zaun begrünen

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Marlies
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Zaun begrünen

Beitrag von Marlies » 10.03.2021, 17:30

Ein Bekannter hat ein Häuschen im Bungalowstil mitten in einer dieser neuen EFH-Siedlungen im Berliner Umland. Wie von mir prophezeit, fühlt er sich dort wie auf dem Präsentierteller. Ein grüner Sichtschutz muß her. Es steht schon ein Stabmattenzaun 1,80m hoch. Zu begrünen sind die Süd- und Westfront. Südlich kommt er von hinten an den Zaun ran, dort ist ein kleiner Fußweg. Westlich ist unmittelbar angrenzend das Nachbargrundstück.
Ich habe etwas für diesen völlig überforderten Menschen vorbereitet. Vor dem Abschicken will ich es euch zeigen:

Als mehrjährige Kletterpflanzen speziell für Gitter/Stangen werden vom Deutschen Verband für Landschaftspflege empfohlen:
Waldrebe Clematis vitalba
Geißblatt, Heckenkirsche Lonicera caprifolium
Schlingknöterich Polygonum aubertii (Achtung, überwuchert alles! Würde ich nur dort nehmen, wo keine Nachbarn sind.)
Weinrebe Vitis vinifera

Einjährige vom DVL empfohlene Kletterpflanzen für Zäune:
Zierkürbis
Helmbohne
Prunkwinde
Wohlriechende Wicke
Echte Feuerbohne
Kapuzinerkresse


Habt ihr Bedenken oder Ergänzungen?

Danke im Voraus von Marlies

jake001
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Re: Zaun begrünen

Beitrag von jake001 » 10.03.2021, 19:53

Ich habe einen Narren dran gefressen, solche Zäune mit Efeu zu begrünen - und zwar indem man die im Slalom um die Stangen führt.
Man muss nur von Beginn an dabei sein, damit der auch unten richtig schon blickdicht wird.
Fruchtende Akebie ist noch immer nicht zu häufig.

Also zumindest die einheimische Clematis wird nicht wirklich blickdicht und ist auch nicht schöblütig. Dann schon lieber Clematis tangutica, die schöne Blüten hat und meiner Erfahrung nach keine Ausbreitungstendenzen zeigt.

Polygonum aubertii ist auch nicht mein Favorit für Zäune, schon eher für Pergolas.

Einjährige sind eher ein Blickfang als ein Blickschutz. Um Flaschenkürbisse wird dich jeder zweite Nachbar beneiden. Prunkwinde ist wunderschön. Explodiergurke braucht viel Wasser. Weiss nicht, ob die sich inzwischen an der Elbe ausgebreitet hat und Verwilderungstendenzen zeigt.
Feuerbohnen alle 3 cm auf 1 m Gartenzaun sichern eine so reichhaltige Ernte, dass du das evtl kein zweites Jahr machst - weil du das Zeug nicht mehr sehen kannst.
€dit: Das war wohl Echinocystis lobata an der Elbe.

AndreasG.
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Re: Zaun begrünen

Beitrag von AndreasG. » 11.03.2021, 15:40

Ich glaube, dass die meisten Bohnen für den Sommer geeignet sind. Die wachsen sehr schnell und in der Zwischenzeit kann er sich um was dauerhaftes kümmern.

Marlies
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Re: Zaun begrünen

Beitrag von Marlies » 11.03.2021, 16:04

jake001: Danke für die ausführliche Antwort! Wird eine gute Hilfe sein und war auch für mich ganz unterhaltsam.
Tja, den Schlingknöterich sollte man dann gar nicht erst erwähnen. Und auch nicht, dass er etwas in den Zaun einflechten soll. Das wird nichts bei ihm. Efeu kann er immer noch für seine Garagenwand nehmen, auf die man vom Gästezimmer aus starrt.
Die schöne Clematis und die Akebie werden ihm gefallen. Mal sehen, was die Gärtnereien so anbieten. Für Lonicera henryi dürfte es dort zu sonnig sein, schade. Mein Favorit wäre ja schlicht und einfach Lonicera caprifolium, aber ich habe da nichts zu bestimmen.

AndreasG.: Das mit den Bohnen stimmt. Weiß ich aus dem Garten und dein Vorredner sagte es auch. Wäre tatsächlich eine sinnvolle Überbrückung.

Marlies

Yogibaer51
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Re: Zaun begrünen

Beitrag von Yogibaer51 » 11.03.2021, 16:33

Was hältst du von der Pfeifenwinde, Aristolochia macrophylla?
Gruß Yogi

Marlies
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Re: Zaun begrünen

Beitrag von Marlies » 11.03.2021, 18:29

Von der Pfeifenwinde halte ich sehr viel, die war mir nachträglich auch noch eingefallen. Vielleicht für die Zaunpartie, die nordwestlich an die Garage stößt. Die Art wirkt vor allem durch das Blattwerk, sehr gut. Bei gemischter Pflanzung besteht ja immer die Gefahr, dass man eines Tages ein kitschiges Kunterbunt von Blühfarben hat.
Überhaupt bin ich der Meinung, dass als Sichtschutz nach Süden zu dem Fußpfad hin eine immergrüne Solitärpflanze direkt neben der Terrasse besser wäre. Das ist ein psychologisches Problem. Einen sonnenverträglichen Bambus (mit Rhizomsperre) kann ich mir vorstellen.

Marlies

Andreas Melzer
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Re: Zaun begrünen

Beitrag von Andreas Melzer » 11.03.2021, 19:34

Hallo zusammen,
das erinnert mich sehr an meine eigenen Versuche, die Nachbarschaft nicht an allem teilhaben zulassen, was ich auf meiner Scholle treibe. So richtig blickdicht wird aber nichts, da hilft nur eine massive Hecke, aber man bekommt mit solchen Experimenten ein inniges Verhältnis zur Flora. Und Streit mit der Gattin.
Efeu hat eine sehr, sehr lange Anlaufphase, dann jedoch erobert er jede Vertikale. In einem Maschenzaun bleibt er äußerst lückig. Aber meine Schuppendach wird fast ausgehebelt, und in dunkle Räumen bildet der gruselige Formen.
Zierkürbisse können wäschekörbeweise fruchten, sogar in gezackten Formen, die eigentlich einen Waffenschein benötigen, und sähen sich selber aus. Man braucht einen wirklich stabilen Zaun.
Prachtwinden sind herrlich, aber meist nur ein schleierartiger Vorhang, der nicht in die Tiefe geht.
Schlingknöterich ist die Grüne Hölle auf Erden. Ab dem dritten Jahr war der nicht mehr zu bändigen, eroberte einen acht Meter hohen Kirschbaum, was albern aussah. Es gab auch peinliche Überhänge ins Nachbargrundstück. Ist nur zu empfehlen, wenn dort ein nerviger Stießel wohnt.
Geißblatt ist viel zu lückig, braucht aber nicht viel Stütze. Früher (vor dreißig Jahren) waren da jede Menge Schmetterlinge dran.
Feuerbohnen gehen auch nicht die in die Tiefe, sehen übrigens an Säulen für Wäscheleinen lustig aus. Musste ich aber wieder entfernen (die Bohnen, nicht die Säulen).
Mit Wicken und Platterbsen hatte ich nie so richtig Glück, obwohl die Breitblättrige hier an jeder Ecke wächst.
Der allererste, natürliche Zaunbehang war die Rotbeerige Zaunrübe. Heißt wohl nicht umsonst so! Die kannte ich aus meiner höher gelegenen Heimat gar nicht. Das Ur-Exemplar war ein gewaltiges Monster, aber junge Exemplare lassen sich gut versetzen. Solch "Unkraut" ist aber nicht jedermans Sache. Aber eines der drei sicheren Zeichen für nahen Frühling ist der Austrieb der Zaunrübe allemal.
Beste Grüße,
Andreas

Marlies
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Re: Zaun begrünen

Beitrag von Marlies » 11.03.2021, 21:35

Danke, Andreas, für den informativen - und witzigen - Beitrag. Ja, eine stehende Hecke gibt die bessere Blickdichtigkeit, das hatte ich dem Bekannten schon gesagt. Sollte ihm also meine Idee mit dem Solitärbambus nicht behagen, dann muß er eben zur Südseite eine echte Hecke setzen. Dort kommt er später zum Schneiden von außen dran. Für die weniger kritische Westseite wird es dauerhaft wohl Clematis oder Lonicera oder Akebia werden und eben die Pfeifenwinde Aristolochia macrophylla.

Wenn jetzt niemand mehr protestiert, würde ich ihm das so vorschlagen. (Eigentlich hätten wir allesamt ein Honorar verdient.)

Marlies

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