Keine Chance für Nazi-Propaganda und Rassismus in diesem Forum! #noafd #nopegida

Zufallsfund Agrostemma githago

Hier kann alles Themenfremde diskutiert und Bilderserien von euren Exkursionen eingestellt werden.

Moderatoren: Sabine, Jule, akw

Forumsregeln
Bildanhänge für Themen und neue Beiträge dürfen nicht größer als 800 x 600 sein, ansonsten funktioniert der Upload nicht!
Antworten
Benutzeravatar
Anagallis
Beiträge: 4174
Registriert: 11.08.2014, 22:59
Wohnort: Raum Karlsruhe, Enzkreis

Zufallsfund Agrostemma githago

Beitrag von Anagallis » 24.04.2017, 23:03

24.4.2017, M.-Berg, bei Unter-G.-bach

An der Straßenböschung einige hundert Meter vom bekannten NSG entfernt auf der anderen Seite des Berges, scharf am Rande eines gemähten Treckerwegs, findet sich dieser kleine Bestand von etwa vierzig Gewöhnlichen Kornraden. Da diese Seite intensiv bewirtschaftet wird, ist eine Ansalbung aber nicht ausgeschlossen.

((-:

D.
Dateianhänge
agrostemma_gigatho-1.jpg
agrostemma_gigatho-1.jpg (117.48 KiB) 409 mal betrachtet
agrostemma_gigatho-2.jpg
agrostemma_gigatho-2.jpg (148.14 KiB) 409 mal betrachtet
agrostemma_gigatho-3.jpg
agrostemma_gigatho-3.jpg (99.55 KiB) 409 mal betrachtet
Zuletzt geändert von Anagallis am 24.04.2017, 23:23, insgesamt 1-mal geändert.

Benutzeravatar
Arthur
Beiträge: 1775
Registriert: 07.07.2013, 14:52
Wohnort: Gießen

Re: Zufallsfund Agrostemma gigatho

Beitrag von Arthur » 24.04.2017, 23:17

Agrostemma githago ;)
Man darf vom Einzelnen nicht auf das Ganze schließen!

Benutzeravatar
Sandfloh
Beiträge: 3264
Registriert: 23.07.2007, 03:11
Wohnort: Ober-Ramstadt bei Darmstadt

Re: Zufallsfund Agrostemma githago

Beitrag von Sandfloh » 25.04.2017, 01:12

Hallo,

schön, aber die stammt mit Sicherheit aus einer Ansaat:
Standort: Strassenböschung
Dahinter Anthemis tinctoria vermute ich, die ist da auch oft dabei.

Da sind wir mal wieder beim kontroversen Thema "Begrünung" nach Baumaßnahmen.
Warum kann man nicht einfach NICHTS einsähen und es der Natur überlassen ?
Die macht das schon....
Sieht dann aber eben die ersten 5 Jahre so unerträglich "unordentlich" aus... :roll:

Gruß Matthias

Benutzeravatar
Anagallis
Beiträge: 4174
Registriert: 11.08.2014, 22:59
Wohnort: Raum Karlsruhe, Enzkreis

Re: Zufallsfund Agrostemma githago

Beitrag von Anagallis » 25.04.2017, 01:32

So sicher wäre ich da nicht. Diese (sehr steile) Böschung in der Nähe des NSG ist eine wahre Artenfundgrube. Wenn da was angesalbt ist, dann nur einzelne Arten. Gerade bei der Kornrade kann man es wohl nie ganz ausschließen, aber die anderen Arten gehören da soweit ich es überblicke auch hin (und für die Kornrade ist es auch der richtige Standort). Anthemis tinctoria ist da soweit ich mich erinnere nicht bei, aber es ist nicht ausgeschlossen, daß irgendein Depp eine Handvoll Samen ins Landschaftsschutzgebiet geschmissen hat.
Standort: Strassenböschung
Bei diesem Ort schwurbele ich immer ein wenig rum. Da gibt's genug bedrohte Arten, daß man die Internetbenutzer nicht noch auf die Spur bringen muß... Es ist eher ein asphaltierter Feldweg und auch noch eine Sackgasse.

D.

Benutzeravatar
Sandfloh
Beiträge: 3264
Registriert: 23.07.2007, 03:11
Wohnort: Ober-Ramstadt bei Darmstadt

Re: Zufallsfund Agrostemma githago

Beitrag von Sandfloh » 25.04.2017, 02:07

Hallo D.

OK,ich kenne den Ort nicht, aber du, ich habe nur meine Einschätzung geschrieben aufgrund meiner Erfahrungen, und die sagen leider, alle Kornraden-Funde von mir stammten aus Ansaaten.
Und ich bin immer noch skeptisch, lasse mich aber gerne vom Gegenteil überzeugen.

Ich habe auch nichts gegen steile (Strassen)böschungen, die können sehr spannend sein, und man sollte bedenken, dass sich an solchen Standorten besondere Arten halten können, aber wo kommen die her? Ist da wirklich die Kornrade vom Acker in ein Ersatz-Ökosystem "geflüchtet" oder halten sich da angesäte Arten, weil sie einen akzeptalen Lebensraum vorgefunden haben ?

Was sind das denn für andere Arten dort ? Wenn du es nicht öffentlich machen willst, schreib es mir bitte per PN, würde mich sehr interessieren.

Gruß Matthias

Benutzeravatar
Anagallis
Beiträge: 4174
Registriert: 11.08.2014, 22:59
Wohnort: Raum Karlsruhe, Enzkreis

Re: Zufallsfund Agrostemma githago

Beitrag von Anagallis » 25.04.2017, 09:42

Sandfloh hat geschrieben:
25.04.2017, 02:07
Was sind das denn für andere Arten dort ? Wenn du es nicht öffentlich machen willst, schreib es mir bitte per PN, würde mich sehr interessieren.
Der Ort gehört ja zu unserer geplanten Maiexkursion, d.h. die besagte Böschung liegt genau auf dem Weg ins NSG, wenn man den früheren Parkplatz nimmt und fünfhundert Schritte zu Fuß macht. (-:

D.

Benutzeravatar
botanix
Beiträge: 3399
Registriert: 31.05.2007, 20:31
Wohnort: Gießen

Re: Zufallsfund Agrostemma githago

Beitrag von botanix » 25.04.2017, 14:37

Hallo D.,

Ich kann Matthias nur zustimmen, alle meine Beobachtungen der Kornrade beruhen auf Ansaaten. In den Ansaatmischungen "Bunte Schmetterlingswiese" etc. ist sie regelmäßig enthalten.
Als Ackerwildkraut mit einer sehr kurzlebigen Samenbank (meines Wissens nur ein Jahr keimfähig) verschwindet sie dann auch wieder bald.
Eine Wegböschung müsste schon viele Störstellen über Jahre hinweg haben, damit sich die Kornrade dort halten kann. Auch in Gartenkultur muss sie immer wieder nachgesät werden.
Wie lange kennst du die Stelle schon?

Gruß

Peter
alte Botanikerweisheit: man sieht nur was man kennt

Benutzeravatar
Anagallis
Beiträge: 4174
Registriert: 11.08.2014, 22:59
Wohnort: Raum Karlsruhe, Enzkreis

Re: Zufallsfund Agrostemma githago

Beitrag von Anagallis » 25.04.2017, 15:26

Die Stelle seit drei Jahren, aber die Agrostemma ist mir erst gestern aufgefallen. Das könnte aber am Besuchszeitpunkt liegen, ich bin da nicht so oft. In den Verbreitungskarten ist ein Fund für das Quadrat verzeichnet, vielleicht ist das diese Stelle.

D.

Benutzeravatar
Anagallis
Beiträge: 4174
Registriert: 11.08.2014, 22:59
Wohnort: Raum Karlsruhe, Enzkreis

Re: Zufallsfund Agrostemma githago

Beitrag von Anagallis » 27.04.2017, 12:57

Es ist vor einigen Jahren vom örtlichen Naturschutzverein angesalbt worden.

D.

Benutzeravatar
botanix
Beiträge: 3399
Registriert: 31.05.2007, 20:31
Wohnort: Gießen

Re: Zufallsfund Agrostemma githago

Beitrag von botanix » 27.04.2017, 22:29

Hallo D.,
Anagallis hat geschrieben:
27.04.2017, 12:57
Es ist vor einigen Jahren vom örtlichen Naturschutzverein angesalbt worden.
Ich hab ja nichts gegen Erhaltungskulturen und Wiederansiedlungen am alten Wuchsort aus gesicherten Herkünften, im Gegenteil.
ABER wenn es richtig sein soll, dann muss es darüber eine Dokumentation geben, von der Herkunft der Samen, über die Ausbringungsfläche, Erfolg usw.
Schließlich können solche "Funde" von nicht eingeweihten Botanikern auch veröffentlicht werden oder bei der Erstellung einer Roten Liste eine Rolle spielen, die ihnen garnicht zusteht, da angesalbt.
Interessant ist aber, das die Kornrade sich an der lückigen Böschung schon mehrere Jahre hält.
Schau dir mal bei deutschlandflora die Verbreitungskarte der Kornrade an, nur wenige violette Punkte (nach 2000) mit Normalstatus, viele Dreiecke, Status Synanthrop, so auch dieser Fund.

Gruß

Peter
alte Botanikerweisheit: man sieht nur was man kennt

Thomas0402
Beiträge: 853
Registriert: 26.04.2007, 09:47
Wohnort: Brandenburg

Re: Zufallsfund Agrostemma githago

Beitrag von Thomas0402 » 09.06.2017, 12:15

Hallo,

war ja schon ewig nicht mehr hier. :)
Wollte nur kurz eben meinen Senf dazu geben, weil das Thema Kornrade häufiger auch in meinem Umfeld diskutiert wird.

Außerdem steht sie gerade in voller Blüte, die beste Zeit um Kornraden zu kartieren.

Wie so viele Arten stammt sie wohl ursprünglich aus dem Mittelmeerraum. In Mitteleuropa ist ihr Auftreten nach wie vor sehr eng mit dem wirtschaften des Menschen verbunden. Das sie ursprünglich nur auf Ackerflächen vorkommt, stimmt nicht. Sie fand hier jedoch, v.a. im Wintergetreide, vornehmlich Roggen, recht günstige Bedingungen.
Meinen Beobachtungen aus West-Polen und Ostdeutschland nach wächst sie sehr wohl auch gerne ruderal. Besonders in Polen sind noch zahlreiche Acker- und mehr oder weniger stete Ruderalvorkommen vorhanden, auch auf Ackerbrachen kann sie sich ein par Jahre halten. In Ostdeutschland werden Ackervorkommen eher seltener, aber es gibt sie noch, meist Ökolandbau.
Aus eigenen Experimenten kann ich sagen, dass die Samen länger als 1 Jahr keimfähig sind. Die Art muss nicht ausgesät werden, da sie sich selbst aussät. Ihre Kelche fallen ab und die Samen keimen im Herbst und/oder im Frühling. Die Samen müssen nicht unbedingt mit Erde bedeckt sein, sie können im Kelch keimen.

Die Kornrade hat es mittlerweile in viele Gärten geschafft, was ich persönlich, auch weil ich ein Pflanzenfreund bin, gut finde, da es eine sehr attraktive Pflanze ohne invasives Potential ist. Hin und wieder findet man sie auch wieder an Wegrändern, also ruderal (siehe Forenbeitrag). Manchmal auch wenn Boden im Umfeld von Ackerflächen umgegraben wird, z.B. nach Baumaßnahmen. Heutzutage wird sie also in D weniger "unbewusst" durch die Saat ausgesät sondern mehr oder weniger, was sogar erstaunlich ist und als Erfolg für den botanischen Artenschutz betrachtet werden kann, bewusst in Saatmischungen in die Landschaft gebracht. Es ist meiner Meinung nach nicht verwerflich wenn ein Naturschutzverband Kornradensamen bewusst ausbringt, da er eine Art in der Landschaft halten will die zunächst auf Aussaat angewiesen ist, solange er die Samen nicht auf Felder ausbringt!

Wir sollten froh sein, dass die giftige Kornrade nicht mehr unsere Nahrung verunreinigt bzw. sogar vergiftet. In Hinblick auf die Gesundheit ist die weitgehende Ausrottung aus den Feldern sogar als sehr gut zu bewerten. Gift- und Kulturpflanzen auf einer Fläche muss ja nicht unbedingt sein. Kann man das so sagen?
Der Kornrade ist es relativ egal, wie sie ausgesät wird, ob nun durch den Landwirt oder durch den Landschaftsgestalter. Die Festlegung der Einstufung unbeständig, angesalbt, indigen und eingebürgert ist bei Kornraden-Vorkommen in D immer schwierig. Wird sie in Äckern gefunden, heißt das nicht automatisch, dass sie hier indigen ist, wächst sie am Wegrand, heißt das nicht, dass sie angesalbt wurde.

Ok, bei Ansaaten ist die Sache klar, oder bei dokumentierten Ansalbungen, dass ist dann erstmal nichts indigenes, wobei man nicht weiß, ob der Ursprung der Samen nicht doch indigen ist.

Kenne einen gut untersuchten Bio-Acker seit mehreren Jahren, ja und letztes Jahr taucht dort plötzlich die Kornrade im Hirseanbau auf. Wie stufe ich dieses Vorkommen ein, ist das indigen, weil sie die Jahre davor übersehen wurde, kam sie durch die Hirse also segetal, wurde sie angesalbt (dort eher unwahrscheinlich), ist sie nur unbeständig. So ein Acker ist groß, die Arten tauchen nicht jedes Jahr auf und kein Botaniker kann von sich behaupten, dass er einen Acker vollständig kartiert hat, meist kartiert man ja nur den Rand bzw. einen Abschnitt davon.

Wie auch immer ich finde die Festlegung der Einstufung des Status der Kornrade schwierig. Grundsätzlich freue mich über jede Kornrade in der Landschaft, weil ich mir ihres Sonderstatus und ihrer regionalen Seltenheit bewusst bin, ihre Historie kenne und weiß das die Zeit der rosa Radenäcker vorbei ist, ich trauer dem nicht nach. Klar mache ich mir Gedanken, warum sie grad hier wächst und wie sie dort hingekommen ist, aber letztendlich überwiegt die Freude an der schönen Pflanze und das kleine Glücksgefühl.

Hoffe der Text ist nicht zu konfus, wollte nur ein par (persönliche) Anmerkungen zur Kornrade zum Besten geben. I


Viele Grüße,
Thomas

Antworten

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 1 Gast