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Eine Bitte an alle Pflanzen- und Naturfreunde

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ImkerLorsch
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Eine Bitte an alle Pflanzen- und Naturfreunde

Beitrag von ImkerLorsch » 03.03.2016, 15:05

Hallo liebe Pflanzen- und Naturfreunde,
ich bin neu hier und weiß nicht, ob mein Post erwünscht ist (ansonsten bitte Entschuldigung für die Störung, den Post einfach löschen)!

Wir von Beespaces brauchen dringend eure Hilfe. Wir sind 5 Imker aus Südhessen/Lorsch und haben uns mit unserem Bienenweideprojekt beim yooweedoo-Wettbewerb angemeldet, bei dem nachhaltige Projekte mit bis zu 2.000€ gefördert werden. Wir setzen uns für Bienenweiden auf Eh da-Flächen ein; das sind Flächen, die eh da sind, aber nicht optimal im Sinne der Natur genutzt werden. Eh da-Flächen können im Grunde alles sein: Von Roundabouts über Verkehrsinseln und Parkplatzzwischenflächen bis hin zu sämtlichen "toten" Ecken in Privatgärten, auf Fensterbänken oder auf Firmengeländen. Wir verwenden dazu eine Saatmischung, die heimische Pflanzen beinhaltet und nicht nur für Honig-, sondern auch für viele Wildbienen und andere Bestäuber Nahrungsquelle und Lebensraum schafft.
Zur Zeit läuft ein Publikumsvoting zu diesem Wettbewerb, bei dem noch einmal extra 1.000€ (selbstverständlich zweckgebunden) abzustauben sind! Es ist kaum zu glauben, aber wir haben uns auf Platz 2 von 45 vorgearbeitet und möchten das Ganze jetzt auch gewinnen!! Um Platz 1 einzuholen brauchen wir nun EURE Hilfe. Bitte unterstützt uns, indem ihr diesen Beitrag teilt, drüber redet und bis zum 07. März für uns abstimmt. Die Abstimmung ist leider etwas kompliziert, dauert aber keine zwei Minuten und ihr leistet einen wertvollen Beitrag für Bienen, Blütenbestäuber, Insekten und Natur und letztlich auch für das, was ihr jeden Tag auf dem Teller habt!
Die Abstimmung findet hier statt: https://wettbewerb.yooweedoo.org/entry/2016/beespaces/

Wir machen das selbstverständlich ehrenamtlich, für die Natur eben :-)

Die Bienen, die Natur und natürlich wir danken euch ganz herzlich, euer Beespaces-Team

scheuchzeria
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Re: Eine Bitte an alle Pflanzen- und Naturfreunde

Beitrag von scheuchzeria » 07.03.2016, 12:02

Hallo,
Ihr Projekt ist sicher gut gemeint, aber bei der Aussaat heimischer Arten ist größte Vorsicht geboten. Das gehört nicht in die Hände von "Laien". Samentüten mit einheimischen Arten zu verteilen und dem Zufall überlassen, wo das hinkommt, ist fahrlässig. Margerite & Co.dürfen nur als regio-Saatgut ausgebracht werden. Die großen Saatgutfirmen wollen Geld machen und argumentieren, das wäre ja nur für den bebauten Bereich. Das lässt sich aber alles nicht kontrollieren. Also: bitte, bitte, bitte die Bienen nur mit Kulturarten retten, wenn man das Saatgut nicht vor der Tür geerntet hat.
Im Naturschutz sollte man sich nicht selber bei der Florenverfälschung beteiligen.
schöne Grüße
scheuchzeria

ImkerLorsch
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Re: Eine Bitte an alle Pflanzen- und Naturfreunde

Beitrag von ImkerLorsch » 16.03.2016, 11:51

Hallo, schau doch mal bitte unsere favorisierte Mischung an: http://www.appelswilde.de/Saatgut/Landw ... e_2015.pdf ...und gib Feedback dazu. Wir möchten natürlich das beste für die Natur - wenn du da Einwände hast, weil du es besser weißt als wir, gerne her damit :-)

Wir haben die Förderung von 1.900€ übrigens erhalten. Es kann dann also losgehen :-) Herzlichen Dank für die Unterstützung von hier!

scheuchzeria
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Re: Eine Bitte an alle Pflanzen- und Naturfreunde

Beitrag von scheuchzeria » 17.03.2016, 22:57

Hallo,
leider ist die Bienenweide extrem kritisch zu sehen. Es sind eine Menge Wildarten drin, die in einigen Bundesländern sogar auf der Roten Liste geführt werden. Einige Arten haben klare natürliche Arealgrenzen bzw. Verbreitung. Es ist de facto eine unkontrollierte Florenverfälschung, wenn im Außenbereich die Wildarten unbekannter Herkunft (ohne Zertifikat) ausgesät werden.
Ich arbeite im Naturschutz und habe in den letzten Jahren in Kooperation mit der Landwirtschaft 180ha Ackerfläche für den Feldvogelschutz (Grauammer, Rebhuhn & Co.) einsäen lassen. Schmetterlinge, Bienen usw. profitieren natürlich auch. Im Rahmen eines Projektes haben wir regionales Saatgut produzieren lassen, was in der Regel für die Aufwertung von Wiesen gedacht ist. Die Ackerflächen werden mit Kulturarten eingesät oder wenn es regional gesammeltes Saatgut von Kornblume und Co. ist, auch mit diesen.
Im Rahmen Eures Projektes solltet ihr Euch mit den lokalen Stellen verständigen (Landschaftsbehörde, Naturschutzverbände usw.), wobei ich aus eigener Erfahrung weiß, dass viele sich der Dimension des Problemes nicht bewusst sind. Z. T. propagieren höhere Naturschutzbehörden die Rettung der Fauna mit Kornblume und weiteren Wildarten. Das ist aus meiner Sicht naiv bis weltfremd. Bis ausreichend regio-Saatgut produziert ist, sind Feldhamster, Grauammer und weitere ausgestorben. Wir müssen schleunigst für eine Aufwertung der "Normallandschaft" sorgen, sonst sieht es bald zappenduster aus. Insofern ist Euer Projekt sehr positiv zu sehen. Regio-Saatgut ist teuer (etwa 1300-1500€/ha). Der Einsatz lohnt nur, wenn es sich um eine dauerhafte Lösung handelt sonst wird das Geld versenkt und in 5 Jahren steht da wieder Mais. In 10 Jahren weiß kein Mensch mehr, ob die Kornblume auf dem Acker aus einer Samentüte stammt oder die einheimische ist. Ist alles sehr komplex und für ein Forum zu umfänglich.
soweit in Kürze
schöne Grüße
scheuchzeria

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Re: Eine Bitte an alle Pflanzen- und Naturfreunde

Beitrag von ImkerLorsch » 19.03.2016, 20:46

scheuchzeria hat geschrieben:Hallo,
leider ist die Bienenweide extrem kritisch zu sehen. Es sind eine Menge Wildarten drin, die in einigen Bundesländern sogar auf der Roten Liste geführt werden. Einige Arten haben klare natürliche Arealgrenzen bzw. Verbreitung. Es ist de facto eine unkontrollierte Florenverfälschung, wenn im Außenbereich die Wildarten unbekannter Herkunft (ohne Zertifikat) ausgesät werden.
Ich arbeite im Naturschutz und habe in den letzten Jahren in Kooperation mit der Landwirtschaft 180ha Ackerfläche für den Feldvogelschutz (Grauammer, Rebhuhn & Co.) einsäen lassen. Schmetterlinge, Bienen usw. profitieren natürlich auch. Im Rahmen eines Projektes haben wir regionales Saatgut produzieren lassen, was in der Regel für die Aufwertung von Wiesen gedacht ist. Die Ackerflächen werden mit Kulturarten eingesät oder wenn es regional gesammeltes Saatgut von Kornblume und Co. ist, auch mit diesen.
Im Rahmen Eures Projektes solltet ihr Euch mit den lokalen Stellen verständigen (Landschaftsbehörde, Naturschutzverbände usw.), wobei ich aus eigener Erfahrung weiß, dass viele sich der Dimension des Problemes nicht bewusst sind. Z. T. propagieren höhere Naturschutzbehörden die Rettung der Fauna mit Kornblume und weiteren Wildarten. Das ist aus meiner Sicht naiv bis weltfremd. Bis ausreichend regio-Saatgut produziert ist, sind Feldhamster, Grauammer und weitere ausgestorben. Wir müssen schleunigst für eine Aufwertung der "Normallandschaft" sorgen, sonst sieht es bald zappenduster aus. Insofern ist Euer Projekt sehr positiv zu sehen. Regio-Saatgut ist teuer (etwa 1300-1500€/ha). Der Einsatz lohnt nur, wenn es sich um eine dauerhafte Lösung handelt sonst wird das Geld versenkt und in 5 Jahren steht da wieder Mais. In 10 Jahren weiß kein Mensch mehr, ob die Kornblume auf dem Acker aus einer Samentüte stammt oder die einheimische ist. Ist alles sehr komplex und für ein Forum zu umfänglich.
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Manfrid
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Re: Eine Bitte an alle Pflanzen- und Naturfreunde

Beitrag von Manfrid » 07.06.2016, 23:54

scheuchzeria hat geschrieben:Hallo,
leider ist die Bienenweide extrem kritisch zu sehen. Es sind eine Menge Wildarten drin, die in einigen Bundesländern sogar auf der Roten Liste geführt werden. Einige Arten haben klare natürliche Arealgrenzen bzw. Verbreitung. Es ist de facto eine unkontrollierte Florenverfälschung, wenn im Außenbereich die Wildarten unbekannter Herkunft (ohne Zertifikat) ausgesät werden.
...
Bis ausreichend regio-Saatgut produziert ist, sind Feldhamster, Grauammer und weitere ausgestorben.
...
In 10 Jahren weiß kein Mensch mehr, ob die Kornblume auf dem Acker aus einer Samentüte stammt oder die einheimische ist.
Also, da muss ich mir doch mal ein wenig Luft machen.
Im Gartenmarkt kann ich mir allerlei kaufen, was draußen rar ist. Sagen wir mal: Cypripedium calceolus, den Frauenschuh. Nun könnte es ja einem Bienchen einfallen, mit Pollen von meinem gekauften Frauenschuh im Garten zu einem der raren Artgenossen im Wald zu fliegen und dessen regionale Rassereinheit zu verfälschen, weil der Dehner-Frauenschuh nicht aus der Region stammt. Oder der Dehner-Frauenschuh samt sich gleich selber aus und mischt sich unter den autochthonen. Gleiches Problem wie bei der entstehenden Unsicherheit, "ob die Kornblume auf dem Acker aus der Samentüte stammt oder die einheimische ist". Aber für wen ist diese "Florenverfälschung" eigentlich ein Problem? Für die Natur nicht. Wenn sich die "verfälschten" Nachkommen ausbreiten, geht es ihnen gut. Vielleicht, weil die "Verfälschung" eine durch die Seltenheit und Habitatfragmentierung zuvor hervorgerufene Inzuchtdepression wieder aufgehoben hat. Darüber sollten wir doch wohl bei "Wildarten..., die in einigen Bundesländern sogar auf der Roten Liste geführt werden", nicht gerade jammern. Umso weniger, wenn wir selber der Überzeugung sind: "Bis ausreichend regio-Saatgut produziert ist, sind Feldhamster, Grauammer und weitere ausgestorben." - Ein Problem besteht in Wirklichkeit höchstens für Wissenschaftler, die die Ursachen für irgendeine Besonderheit einer regionalen Rasse erforschen wollen. Sie können bei entsprechender Unsicherheit über die Herkunft des untersuchten Materiales nicht mehr davon ausgehen, dass sich diese Besonderheit unter den speziellen örtlichen Gegebenheiten herausgebildet hat und also mit ihnen in Zusammenhang steht. Sie könnte stattdessen vererbt sein von Vorfahren, die sie anderswo, unter ganz anderen Bedingungen, ausgebildet haben. Aber mit dieser Unsicherheit hat man in der Erforschung der Ursachen irgendeiner Besonderheit immer zu kämpfen. Letztere kann sich immer auch anders als durch Anpassung an die örtlichen Gegebenheiten herausgebildet und dann erhalten haben, weil sie selektiv neutral ist. Also wird man sinnvollerweise evolutive Gesetzmäßigkeiten nicht gerade an Objekten studieren, die wegen der Feinheit ihrer Unterschiede und der Unsicherheit von deren Entstehung dazu ungeeignet sind.
Fazit: Die Bezeichnung von Anpflanzungen oder Ansaaten wie den erwähnten als "Florenverfälschung" ist in jeder Hinsicht kontraproduktiv, demagogisch. "Alles sehr komplex und für ein Forum zu umfänglich" gefällt mir als Begründung für solchen Fundamentalismus nicht. Wenigstens eine gewisse Logik sollte doch gewahrt bleiben. Wie soll einer nach all der Betonung der Wichtigkeit von autochthonem Saatgut noch einen Satz wie diesen verstehen: "Also: bitte, bitte, bitte die Bienen nur mit Kulturarten retten, wenn man das Saatgut nicht vor der Tür geerntet hat."? Da geht ja nun wohl alles durcheinander und die Bemühung um rhetorischen Transport von Emotionen hat über die Logik triumphiert.
Mei! Diesen Fundamentalismus gibt es ja nicht bloß unter Botanikern. Da wettern manche Reptilienfreunde gegen das Aussetzen überzähliger gezüchteter Europäischer Sumpfschildkröten in Gegenden, von denen man nicht genau weiß, ob die spezielle Rasse auch gerade dort hingehört; also dieselbe ist, die dort ausgestorben war! Die ausgesetzten könnten sich ja dort wohlfühlen und vermehren und würden dann die dortige Fauna "verfälschen"... Wollen wir doch froh sein, wenn überhaupt wieder ein entsprechendes Faunenelement dort vorhanden ist, wo es sonst ganz und gar fehlt, und wo es sich unter den gegenwärtigen Verhältnissen (Straßenverkehr etc.) auch schwerlich "auf natürlichem Wege", ohne unser Nachhelfen, wieder einfinden könnte!

Nichts für ungut!

Manfrid

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Re: Eine Bitte an alle Pflanzen- und Naturfreunde

Beitrag von Sandfloh » 21.06.2016, 05:18

Hallo Manfrid,
Manfrid hat geschrieben: Nichts für ungut!
Sorry, DOCH ! :x

Ist völlig OK, wenn du eine andere Meinung als scheuchzeria (oder ich) hast, diskutieren kann man immer.

Aber wenn ich einen Beitrag lese, in dem die Meinung des anderen als "demagogisch" und "fundamentalistisch" bezeichnet wird, kriege ich einen ganz dicken HALS !
Das schließt für mich jede Diskussion mit dir aus, da du die Meinung anderer nicht akzeptierst, und deswegen werde ich mir das auch ersparen.

Trotzdem

Gruß Matthias

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Re: Eine Bitte an alle Pflanzen- und Naturfreunde

Beitrag von Manfrid » 21.06.2016, 22:47

Ich glaube doch, gezeigt zu haben, dass ich naturschützerische Meinungen durchaus diskutabel finde - soweit sie begründet sind. Sie dürfen ruhig anders sein, als meine eigenen. Aber wer sich bei der "Begründung" seiner Forderungen derartig selbst widerspricht und dann die Diskussion als zu "komplex" für unser Forum abbricht, dem geht es eben doch mehr um Wichtigtuerei als um die Gediegenheit seiner Meinung. Da 'scheuchzeria' keine Hemmungen hat, fremde Naturschutzbemühungen "naiv bis weltfremd" zu nennen - ungeachtet der von ihm selbst aufgeführten Tatsachen, die gerade für diese fremden Bemühungen sprechen - wird er es wohl auch vertragen, wenn ich mein Urteil über seine Art offen ausspreche.

Gruß! - Manfrid

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Re: Eine Bitte an alle Pflanzen- und Naturfreunde

Beitrag von Sandfloh » 25.06.2016, 05:27

Hallo Manfrid,

OK, "naiv und weltfremd" finde ich genauso wenig sachlich wie "demagogisch und Fundamentalismus".

Die Anfrage hier kam ursprünglich von IMKERN, von daher kann ich verstehehn, dass scheuchzeria irgendwann keinen Sinn mehr gesehen hat, die Diskussion im Detail zu führen. Die möchten einfach ihren Bienen Futterpflanzen bieten, was ich auch vollkommen verstehe.

Und der Punkt, der der Botaniker dazu sagt IST aber: Lieber mit FREMDEN Pflanzen, von denen man WEIß, dass sie fremd sind und der Bienenweide dienen, als mit Arten, die auch natürlich vorkommen KÖNNTEN.

Und ich will auch versuchen, dir klarzumachen wieso:

Um eine wildwachsende Pflanzenart "schützen" zu können, muß man in erster Linie ihren Lebensraum schützen, in dem sie natürlich und spontan vorkommt.
Wenn aber durch solche Ansaaten der Eindruck (fälschlicherweise) erweckt wird, dass eine Art gar nicht selten ist, dann steht man irgenwann da und muß sich eingestehen, der Zeitpunkt, diese Art zu erhalten ist verpasst worden.

Und bei den Ansaaten geht es nicht nur um "regionale Sippen", sondern es werden Arten und Unterarten eingesäht, die es hierzulande nie gab, die sich aber im schlimmsten Fall sogar mit der einheimischen Sippe kreuzen ! Etwas, was sich vielleicht über tausende Jahre Evolution auseinanderentwickelt hatte, wird durch den Menschen wieder vermischt, das ist definitiv nicht mein Verständnis von NATUR.
Den Saatgutproduzenten ist das Wurscht, die wollen Geld verdienen.

Und auch "gut" gemeinte Ansalbungen von seltenen Arten in Lebenräumen , in denen die vielleicht überdauern können, sind kritisch zu sehen.
Was soll ich damit anfangen, in einem Gebiet, in dem seit 100 Jahren keine Pulsatilla vulgaris mehr nachgewiesen wurde, auf einmal auf (immer paarweise auftretende) Pulsatillas zu stoßen ? Ist das der Zustand der Natur oder ein Garten ??????

Gruß Matthias

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Re: Eine Bitte an alle Pflanzen- und Naturfreunde

Beitrag von Manfrid » 25.06.2016, 12:32

Hallo Matthias,

Du hast recht: Durch gezielte Ansaaten kann fälschlicherweise der Eindruck erweckt werden, dass der so wichtige Biotopschutz nicht mehr nötig sei. Man sät Centaurea cyanus, Agrostemma u. s. w. und beruhigt sich damit über die Praxis, nebendran auf den Feldern, wo die "natürlich und spontan" vorkommen würden, alles wegzuspritzen.
Dieses etwas drastische Beispiel habe ich bewusst gewählt. Der Acker ist natürlich nur bedingt "Natur". Bei der leider eingerissenen prinzipiellen Unterscheidung von "natürlich" und "künstlich" müsste man nun konsequenterweise sagen, Kornblumen, Kornraden etc. sollte man lieber ganz weglassen, denn die gab es auch früher hier nur (oder zumindest ganz überwiegend) auf "künstlich" geschaffenen Biotopen. Aber da könnte man auch nicht stehenbleiben. Die erwähnten Pulsatillen, eine Menge Orchideen u. s. w. brauchen ebenso die "künstlichen" Biotope (Weideflächen). So geht es weiter...
Letztlich führt unsere "Selbstkritik" - die in Wirklichkeit recht eitel ist - dass alles das, was wir als Menschen tun, "unnatürlich" sei, ins Absurde. Sie ist vom Prinzip her ganz die selbe Augenwischerei wie oftmals die Anlage von "Ersatzflächen" für unseren sonstigen Raubbau. Sie zieht die äußerliche Praxis der Ersatzflächenschaffung notwendig nach sich. Sie lenkt von der Notwendigkeit eines überhaupt vernünftigeren, nachhaltigeren Wirtschaftens ab. Schließlich sind wir es doch auch, die über problematische Folgen unseres Vorgehens ins Grübeln kommen und die es anders haben und anders machen wollen. Es ist nicht irgendeine anonyme "Natur", der wir die Verantwortung aufbürden könnten, es nun besser zu machen. Die Natur geht ihren Gang, und die Frage ist immer nur, ob wir mit den Folgen dessen leben können und wollen, was wir verzapft haben.
Gewiss ist die Neophyten- und Neozoenfrage und Problematik des Ansalbens nicht trivial, sondern durchaus differenzierend anzugehen. Aber die Beschäftigung damit steht doch auf einer viel besseren, bewussteren Grundlage, wenn man sich eben nicht bequem ausklinkt aus dem, was "natürlich" ist. Man muss dann - um das Reizwort doch nochmal zu gebrauchen - nicht mehr so "fundamentalistisch" argumentieren. Die Polarisierung zwischen "Natur" und "Garten" ist eine begriffliche. In der äußeren Wirklichkeit sind die Dinge nie scharf zu trennen. Kenner wissen, wie stark selbst äquatoriale Regenwälder in vorkolonialer Zeit schon "Gartencharakter" hatten - nicht zuletzt durch gezielte Ansalbungen.
Wenn die "Natur" um uns wieder mehr ein Garten und weniger ein Schlachtfeld würde, wäre schon viel gewonnen.

Freundliche Grüße! - Manfrid

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Re: Eine Bitte an alle Pflanzen- und Naturfreunde

Beitrag von Manfrid » 29.06.2016, 11:13

Hallo Matthias,

beim nochmaligen Durchlesen von 'scheuchzeria's Beiträgen ist mir klargeworden, dass er unter "Kulturarten" speziell diejenigen versteht, die ohne Kulturmaßnahmen keine stabilen Populationen bilden und sich (mutmaßlich) auch nicht mit lokalen "Wildarten" kreuzen können. Mein Vorwurf grober Widersprüchlichkeit bei einem Satz wie diesem: "Also bitte, bitte, bitte..." war also unberechtigt, und ich nehme ihn zurück.
Die Bemühung, Bienen, Feldhamster, Grauammern etc. mit Kulturarten über Wasser zu halten, sofern nicht genügend Regiosaatgut bereitgestellt werden kann, ist aber in jedem Falle eine deutlich gärtnerische, respektive tier-gärtnerische Bemühung. Ich wäre, wie gesagt, der Letzte, der prinzipiell etwas dagegenhätte. Ich will nur, dass man sich dessen bewusst ist. Auch die als noch besser angesehene Versorgung mit regionalen Arten wäre keinesfalls ohne "gärtnerisches" Engagement sowohl bei der Ansiedlung wie bei der Erhaltung machbar.
Ich will wirklich nicht behaupten, dass die von Dir kritisierte paarweise Anpflanzung von Pulsatilla vulgaris oder ähnliche gärtnerische Aktivitäten unproblematisch wären. Will man den Vorwurf des "Unnatürlichen" erheben, bedarf es aber eben doch einer besseren Begründung als der: "Das ist definitiv nicht mein Verständnis von NATUR." Mit markigen Worten allein kann man vielleicht eine starke Fraktion von Gleichgesinnten um sich scharen, aber sicher kein gegenseitiges Verständnis herbeiführen. Jeder kann natürlich sein Verständnis von irgendetwas definieren, wie er will. Aber das Problem eines Kampfes der verschiedensten Partialinteressen, zwischen denen "die Natur" aufgerieben wird, ist damit nicht zu beseitigen. Dieser Kampf hört auch gewiss nicht auf durch Einhaltung bloßer Etikette; durch das Vermeiden von "unsachlichen" Worten wie "demagogisch", "weltfremd" etc., etc. Die Frage ist immer nur, ob man seine Vorwürfe begründet erhebt.
Du meinst, den Saatgutproduzenten (man hört fast ein gruseliges "Monsanto" mit), die Saatgutmischungen anbieten, ist anderes, als ihr damit zu verdienendes Geld, "Wurscht". Und mit Imkern, die vorrangig an Futter für ihre Bienen denken, ließe sich auch nicht sinnvoll "im Detail" über die Sache diskutieren. - So geht's eben nicht. Die so Behandelten werden dabei doch das Gefühl niemals loswerden können, dass die "Naturschützer" ihre gärtnerischen Ambitionen einfach über andere stellen und sich dabei bequem auf "die Natur" berufen wie der Pfaffe seine Forderungen auf den lieben Gott gründet. Ob ich geldgierig bin, um mir eine Finca in der "Natur" auf Mallorca kaufen zu können, oder ob ich Trockenrasen, die meiner persönlichen Definition von "Natur" genügen, für meine Passion vor der Haustür haben will und dafür passende Verordnungen durchdrücke und Fördergelder locker mache, ist, objektiv betrachtet, kein allzu gravierender Unterschied.
Also: Meinethalben gern drastische Worte! Aber Verständigung und keine elitäre Herablassung gegen die pragmatisch "Befangenen", die "Egoisten"!

Gruß! - Manfrid

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Re: Eine Bitte an alle Pflanzen- und Naturfreunde

Beitrag von Sandfloh » 30.06.2016, 06:42

Hallo Manfrid,
Manfrid hat geschrieben: beim nochmaligen Durchlesen von 'scheuchzeria's Beiträgen ist mir klargeworden, dass er unter "Kulturarten" speziell diejenigen versteht, die ohne Kulturmaßnahmen keine stabilen Populationen bilden und sich (mutmaßlich) auch nicht mit lokalen "Wildarten" kreuzen können. Mein Vorwurf grober Widersprüchlichkeit bei einem Satz wie diesem: "Also bitte, bitte, bitte..." war also unberechtigt, und ich nehme ihn zurück.
Freut mich.
Ich habe auch in dem Beitrag vorher von dir festgestellt, dass deine (wohl bewusst überspitzte) Definition von "natürlich" und künstlich" extrem ist. Es geht einfach um Lebensräume und wie sie enststanden sind, und selbstverständlich kann man da menschliches Wirken nicht ausschließen. Man muss sich nur fragen: Die Nutzung der Natur durch den Menschen hat sich in den letzten 100 Jahren extrem verändert, Lebensräume, die der Mensch zwar erst geschaffen hat, die aber Wildpflanzen spontan als Lebensraum besiedelt haben, verschwinden deswegen und damit auch die Wildpflanzen. Wie will man damit umgehen ? Man kann diese Lebensräume entweder erhalten, indem man sie "künstlich" beeinflußt, in der Art und Weise, wie der Mensch es lange getan hat, ODER man muß sich damit abfinden, dass diese Lebensräume verschwinden werden und die auf sie angewiesenen Arten (Stichwort extensive Bewirtschaftung !).
Manfrid hat geschrieben:Die Bemühung, Bienen, Feldhamster, Grauammern etc. mit Kulturarten über Wasser zu halten, sofern nicht genügend Regiosaatgut bereitgestellt werden kann, ist aber in jedem Falle eine deutlich gärtnerische, respektive tier-gärtnerische Bemühung. Ich wäre, wie gesagt, der Letzte, der prinzipiell etwas dagegenhätte. Ich will nur, dass man sich dessen bewusst ist. Auch die als noch besser angesehene Versorgung mit regionalen Arten wäre keinesfalls ohne "gärtnerisches" Engagement sowohl bei der Ansiedlung wie bei der Erhaltung machbar.
Das ist der Punkt, den ich meine. Was tut man, um zu erhalten, was durch die veränderte Nutzung der Natur durch den Menschen sonst verschwinden würde......


Manfrid hat geschrieben:Ich will wirklich nicht behaupten, dass die von Dir kritisierte paarweise Anpflanzung von Pulsatilla vulgaris oder ähnliche gärtnerische Aktivitäten unproblematisch wären. Will man den Vorwurf des "Unnatürlichen" erheben, bedarf es aber eben doch einer besseren Begründung als der: "Das ist definitiv nicht mein Verständnis von NATUR." Mit markigen Worten allein kann man vielleicht eine starke Fraktion von Gleichgesinnten um sich scharen, aber sicher kein gegenseitiges Verständnis herbeiführen. Jeder kann natürlich sein Verständnis von irgendetwas definieren, wie er will. Aber das Problem eines Kampfes der verschiedensten Partialinteressen, zwischen denen "die Natur" aufgerieben wird, ist damit nicht zu beseitigen. Dieser Kampf hört auch gewiss nicht auf durch Einhaltung bloßer Etikette; durch das Vermeiden von "unsachlichen" Worten wie "demagogisch", "weltfremd" etc., etc. Die Frage ist immer nur, ob man seine Vorwürfe begründet erhebt.
OK, ich will dir erklären, warum mich gerade dieses Beispiel aufregt:
Ich habe mich eine Zeit lang ehrenamtlich engagiert und bei einem botanischen Kartierungsprojekt mitgearbeitet. Da durchforstet man die Landschaft und notiert ALLES, was man findet. Und Pulsatilla vulgaris zu finden wäre da ein tolles Highlight, man macht sich kurz Hoffnung, HEJ! die gibt es hier ja doch noch ! Aber als ich das 2. "Pärchen" gefunden hatte, war mit klar was los war. Ich konnte das nicht als "indigen und spontan" notieren, sondern eben als synanthrop (von Menschen angepflanzt). Und damit für eine Verbreitungskarte (was das Ziel der Arbeit ist) völlig wertlos, eine solche Angabe verfälscht nur das aktuelle Bild der natürlichen Verbreitung der Art, DENN: Auch Jahre später gibt es dort nur genau diese 4 Pflanzen, keinerlei Etablierungstendenz. DAS ist aber das , was man bei so einem Projekt herausfinden möchte: Geht die Art zurück, ist sie stabil oder breitet sich gar aus. Und dann sind solche Anpflanzungen einfach nur ein großes Ärgernis, weil sie einen Behindern, die reale Situation einer Art zu erkennen. Meine Wortwahl war einfach nur ein Ausdruck dieses Frusts, und jegliche andere Spekulationen über meine Motivation, warum ich hier was und wie schreibe, möchte ich mir BITTE in aller Höflichkeit aber ganz bestimmt verbitten !!,


Manfrid hat geschrieben: Du meinst, den Saatgutproduzenten (man hört fast ein gruseliges "Monsanto" mit), die Saatgutmischungen anbieten, ist anderes, als ihr damit zu verdienendes Geld, "Wurscht". Und mit Imkern, die vorrangig an Futter für ihre Bienen denken, ließe sich auch nicht sinnvoll "im Detail" über die Sache diskutieren. - So geht's eben nicht. Die so Behandelten werden dabei doch das Gefühl niemals loswerden können, dass die "Naturschützer" ihre gärtnerischen Ambitionen einfach über andere stellen und sich dabei bequem auf "die Natur" berufen wie der Pfaffe seine Forderungen auf den lieben Gott gründet. Ob ich geldgierig bin, um mir eine Finca in der "Natur" auf Mallorca kaufen zu können, oder ob ich Trockenrasen, die meiner persönlichen Definition von "Natur" genügen, für meine Passion vor der Haustür haben will und dafür passende Verordnungen durchdrücke und Fördergelder locker mache, ist, objektiv betrachtet, kein allzu gravierender Unterschied.
Also: Meinethalben gern drastische Worte! Aber Verständigung und keine elitäre Herablassung gegen die pragmatisch "Befangenen", die "Egoisten"!

Gruß! - Manfrid
Zuletzt geändert von Sandfloh am 01.07.2016, 03:31, insgesamt 1-mal geändert.

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Re: Eine Bitte an alle Pflanzen- und Naturfreunde

Beitrag von Sandfloh » 30.06.2016, 07:15

Hallo Manfrid
Manfrid hat geschrieben: beim nochmaligen Durchlesen von 'scheuchzeria's Beiträgen ist mir klargeworden, dass er unter "Kulturarten" speziell diejenigen versteht, die ohne Kulturmaßnahmen keine stabilen Populationen bilden und sich (mutmaßlich) auch nicht mit lokalen "Wildarten" kreuzen können. Mein Vorwurf grober Widersprüchlichkeit bei einem Satz wie diesem: "Also bitte, bitte, bitte..." war also unberechtigt, und ich nehme ihn zurück.
Das fand ich gut und machte mir Hoffnung aber:
Manfrid hat geschrieben:Mit markigen Worten allein kann man vielleicht eine starke Fraktion von Gleichgesinnten um sich scharen, aber sicher kein gegenseitiges Verständnis herbeiführen.

Du meinst, den Saatgutproduzenten (man hört fast ein gruseliges "Monsanto" mit), die Saatgutmischungen anbieten, ist anderes, als ihr damit zu verdienendes Geld, "Wurscht". Und mit Imkern, die vorrangig an Futter für ihre Bienen denken, ließe sich auch nicht sinnvoll "im Detail" über die Sache diskutieren. - So geht's eben nicht.

...Wie der Pfaffe seine Forderungen auf den lieben Gott gründet.

....keine elitäre Herablassung gegen die pragmatisch "Befangenen", die "Egoisten"!

Gruß! - Manfrid
Deine Interpretation meiner (von dir vermuteten ) Motivation geht mir gegen den Strich und ich mach das nicht mehr mit. Du legst mir Sachen in den Mund, die ich so nie geschrieben und gemeint habe. Ich ziehe mich deshalb auf den Punkt zurück, den ich zuerst vertreten habe und bei dem ich hätte bleiben sollen: Ich möchte auf diese Art und Weise nicht diskutieren ! Sorry ! ENDE !

Gruß Matthias

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Re: Eine Bitte an alle Pflanzen- und Naturfreunde

Beitrag von Manfrid » 30.06.2016, 08:46

Sandfloh hat geschrieben:Sorry ! ENDE !
No problem. Ich könnte jetzt im Wesentlichen auch nichts erwidern, ohne mich zu wiederholen.

Gruß! - Manfrid

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