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Portulak

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Gregor
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Portulak

Beitrag von Gregor » 23.07.2007, 15:10

Hallo allerseits,

da ich im anderen Unterforum danach gefragt worden bin folgt hier mal, was mein Gewürzpflanzenbuch zu Portulaca oleracea L., Portulak sagt.

"Portulaca oleracea L. ssp. sativa (Haw.) Čelak., Gemüse-Portulak

Handelsware
Portulak wird in der Regel frisch verwendet.

Herkunft und Anbau
Die Urheimat des Portulak ist heute nicht mehr mit Sicherheit anzugeben. Zu lange ist dieses beliebte Würzgemüse in Kultur und heute ist es in allen Erdteilen beheimatet.

Anpflanzung im Garten
Portulak wird im Mai ausgesät. Das frische Kraut kann schon nach einem Monat geerntet werden.
Winterportulak, auch Kuba-Spinat genannt, wird von August bis September ausgesät. Er wächst schnell und ist für die Spätherbst-, Winter- oder Frühjahrsernte interessant. Im Winter nutzt diese Pflanze selbst kurze Wärrmeperioden zum Weiterwachsen.

Inhaltsstoffe
Portulak-Blätter enthalten eine Reihe wertvoller Vitamine und Mineralstoffe.

Verwendung als Gewürz
Die frischen, vitaminreichen Blätter passen als Gewürz gut zu Suppen, Kräutersoßen und Salaten.
Man kann Portulak-Blätter auch als Gemüse zubereiten oder Rührei, gedünstete Tomaten und Gemüsepaprika damit pikant würzen.

Portulak in der Pflanzenheilkunde
Dieses vitaminreiche Frühjahrsgemüse wird in der Volksheilkunde gerne zusammen mit anderen Kräutern zu "Frühjahrskuren" verwendet.

Es befestigt auch die waggelten zän...
»Der Portulak ist kalt, und gegessen verursacht er Flüssigkeit und Schleim im Menschen, und er taugt dem Menschen nicht zum Essen«, das meinte jedenfalls Hildegard von bingen in ihrer »Physica«. Leonhart Fuchs ist da rund 400 Jahre später etwas anderer Meinung. Zur »natur vnd complexion« des Burtzelkrautes oder der Portulaca schreibt er: »Sie seind auch ein wenig sawr/ als werens gesaltzen/ daher es die alten haben eingemacht wie die Oliven und Capern. Die Walhen brauchens biß auff den heutige tag hefftig im salat«. Wenn ein Kraut gegessen wird, so bedeutet das bekanntlich nicht unbedingt, dass es auch nützlich ist. Deshalb ist es schon recht interessant, was Fuchs zur »krafft und würckung« der Portulaca zu berichten hat. Sieht man von seinen Empfehlungen zur äußerlichen Anwendung und als Mittel gegen »allerley flüß« mal ab, dann erfährt man weiter: »So man Burtzelkraut keüwet/ nimpt es das einügelen der zän/ überige hitz des magens/ vnd der därm/ vnnd stellet den bauchfuß... Es befestigt auch die waggelten zän so amn es keüwet. Bekrefftiget den magen/ so mans mit essig vnd öl wie ein salat bereit ißt.« Krasser können unterschiedliche Meinungen wohl kaum zum ausdruck kommen. Nachdem der Portulak zu den ältesten von Menschen gebrauchten Gemüse-, Würz- und Heilpflanzen gehört, muss man wohl annehmen, dass die Heilige Hildegard persönlich irgendwann mit diesem Kraut ungute Erfahrungen gemacht hat. Aber das ist ihr Problem, würde man im heutigen Jargon sagen.
Zwar ist Portulak als Gemüse oder Salat inzwischen etwas ins Abseits geraten – man neigt heute eher zu Ackersalat, Spinat oder Sauerampfer –, doch es ist noch gar nicht so lange her, da bediente man sich sehr gerne der Portulak-Knospen, um Ersatz für die teuren oder auch nicht erhältlichen Kapern zu bekommen. Inzwischen wird wieder eine Tendenz erkennbar, den Kohlportulak, eine weitere volkstümliche Bezeichnung dieses Portulakgewächses, wieder in Kultur zu nehmen. Es wäre zu begrüßen, wenn es gelänge, den erfrischend und etwas ungewohnt apart schmeckenden Portulak, wenigstens als Würzkraut, wieder häufiger auf den Tisch zu bringen. Man kann ihn selbst auf der Fensterbank oder dem Balkon in der Schale ziehen. Die Heimat des Portulaks ist wahrscheinlich China. Aber selbst wenn es das westliche Asien ist, wie einige Autoren meinen, der Weg zu uns war weit. Heute ist der Portulak ein Kosmopolit und auf der gesamten nördlichen Halbkugel anzutreffen. Er sei dem Menschen gefolgt und »allerwegen auf seiner Spur verwildert«, schreibt Adalbert von Chamisso hierzu 1827 in seiner Pflanzenkunde. In der freien Natur findet man Portulak, hier sei noch einmal Fuchs zitiert: »Statt irer wachsung. Das zam Burtzelkraut wechst in den Gärten dahin mans pflantzen/ vnnd sähen müß. Das wild aber wechst von jhm selb auff den felsen/ in den weingärten vnd feyßten äckern.« Inzwischen kann man es auch auf Schutt, an Mauern, am Wegesrand, zwischen Pflastersteinen und in Städten sogar auf den Bürgersteigen finden. Überall also, wo etwas Erde und Wasser dem Samen eine kleine Chance geben, zu keimen und zu wachsen."

Schöne Grüße aus Kiel

Gregor

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Re: Portulak

Beitrag von Belle » 23.07.2007, 16:48

Gregor hat geschrieben: ... Sie seind auch ein wenig sawr/ als werens gesaltzen/ daher es die alten haben eingemacht wie die Oliven und Capern. Die Walhen brauchens biß auff den heutige tag hefftig im salat ...
Hallo,

genau, es ist leicht sauer und leicht salzig.
Was sind bitte Walhen für Landsleute?
Wie heisst eigentlich dein fabelhaftes Kräuterbuch, Gregor? Das ist ja sehr ergiebig :D !

LG
Belle

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Beitrag von Gregor » 23.07.2007, 17:24

Hallo Belle,

also Walhen, Walen, Welsche oder Walsche ist die alte germanische Bezeichnung für die Kelten. In diesem speziellen Fall ist wohl eine Gruppe italienischsprachiger Kelten gemeint, die im Bergbau kundig waren , d. h. Erzsucher und mineralkundige Italiener. Es gab auch eine Zeit, wo man die italienische Satdt Verona als Welsch-Bern bezeichnete.
Und as Buch heißt "Gewürzpflanzen anbauen, ernten, verwenden" von Helga und H. E. Laux & Alfred Tode (1993). Sonderausgabe für die Apotheke, Thomae, Biberach an der Riss. Es ist aber wohl schon längst vergriffen.

Schöne Grüße aus Kiel

Gregor
Zuletzt geändert von Gregor am 24.07.2007, 11:35, insgesamt 1-mal geändert.

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Ist es das Buch?

Beitrag von Belle » 23.07.2007, 19:03

Hallo Gregor,

danke.
Hat es die ISBN 3-440-06642-8 (Franckh-Kosmos Sonderausgabe Thomae, Pappband mit 132 Farbfotos, 158 Seiten) :?:
Doch deine Sonderausgabe für die Apotheke dürfte ja noch etwas spezieller sein, nehme ich an.

LG
Belle

Edit: Lt. Anbieter ist es die "Apothekerausgabe". Drei, zwei, eins - meins! Ich hab's schon bestellt. Txs again!
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