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Aberrationen/Anomalien

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Sandfloh
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Re: Aberrationen/Anomalien

Beitrag von Sandfloh » 24.05.2012, 01:30

Hallo,

mal wieder etwas aus dem Kapitel "Doppelkopf": Doppelblüte an Ranunculus sardous (!), Darmstadt, Ruderalfläche vor Neubau:
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Gruß Matthias

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abeja
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Re: Aberrationen/Anomalien

Beitrag von abeja » 03.06.2012, 19:06

Hallo,
eine Verbänderung an einer Glockenblume (Campanula medium, siehe Frage bei Gartenpflanzen)
http://forum.pflanzenbestimmung.de/view ... 13&t=18553

Fundort: Basel, Kleingarten, Ende Mai 2012
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Viele Grüße von abeja

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abeja
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Re: Aberrationen/Anomalien

Beitrag von abeja » 03.06.2012, 19:11

Und noch eine Anomalie:
Tamus communis, gemeine Schmerwurz, männliche Blüte 7-teilig (Blütenzipfel und Anzahl der Staubgefäße)

Fundort: Hochrhein, Grenzach-Wyhlen, Waldrand ca. 350 m, Ende Mai 2012
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Tamus communis_männliche Blüte_7-teilig_05-2012.jpg
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Viele Grüße von abeja

Gregor Dietrich
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Re: Aberrationen/Anomalien

Beitrag von Gregor Dietrich » 23.06.2012, 05:48

Zur zweifarbigen Rosskastanie S. 1 ganz unten: Das ist keine Mutation, sondern die Unterlage hat neben dem Edelreis durchgetrieben. Rote Rosskastanien werden durch Veredelung vermehrt. Auch Anemone ranunculoides auf S. 2 ist keine Muation, in der Gattung Anemone s. latiss. ist die Fixierung der Blütenblattzahlen nicht weit fortgeschritten. Zwar können wir bei A. ranunculoides von "meist 5" sprechen, aber schon bei A. nemorosa von "meist 5-7", ...

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Ursula
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Re: Aberrationen/Anomalien

Beitrag von Ursula » 13.10.2012, 18:48

Hallo

Hier ein Sedum dasphyllum mit der doppelten Anzahl Blütenblätter.
Gefunden habe ich diese Blüte Anfang August 2012 zwischen Herbriggen und Randa (Mattertal im Wallis, CH).

Bild

Manfrid
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Re: Aberrationen/Anomalien

Beitrag von Manfrid » 26.12.2012, 21:01

Hallo,

weil gerade unter "Aethusa" von Verbänderungen die Rede war: hier mal zwei Bilder von einer solchen an der Japanischen Sicheltanne (Cryptomeria japonica), die mir eine Bekannte vor einiger Zeit schickte. Verbänderungen sind ja nicht so selten - in jedem Sukkulenten-Sortiment werden sie angeboten oder an den Hahnenkamm-Celosien (Celosia argentata var. cristata) und auch draußen, an "geköpften" und dann sehr stark neu austreibenden Obstbäumen, Eschen etc. findet man sie recht häufig. Aber diese hier ist schon eindrucksvoll.

Verbänderungen verweisen wie so manche andere Abnormitäten auf den doch sehr engen Zusammenhang zwischen erblichen ("genetischen") und Ernährungsfaktoren: Sie treten bei "überüppiger" Ernährung der Pflanzen/Triebe bevorzugt auf, können durch Auslese aber auch m. o. w. erblich gemacht werden.

MfG. - Manfrid
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Manfrid
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Re: Aberrationen/Anomalien

Beitrag von Manfrid » 26.12.2012, 21:07

... Und um noch eine wichtige "Gattung" von Abnormitäten nicht fehlen zu lassen: ein peripher durchgewachsener Blütenkopf der Ringelblume (Calendula officinalis), wie ihn schon Hildegard von Bingen erwähnt hat. Auch von der Bekannten fotografiert.
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Manfrid
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Re: Aberrationen/Anomalien

Beitrag von Manfrid » 26.12.2012, 21:17

... Und weil es wohl dazu passt: ein Alpenveilchen mit Tochterrosette anstelle einer Blüte - 5 kleine Laubblätter statt des Kelches. Auch ein Fund einer Bekannten.

MfG - Manfrid
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Manfrid
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Re: Aberrationen/Anomalien

Beitrag von Manfrid » 26.12.2012, 21:42

... Aber nun auch noch etwas Eigenes: Schöne "Zwangsdrehung" (Biastrepsis) von einer Weigelie (war im Vorjahr stark zurückgeschnitten worden und hat entsprechend stark ausgetrieben. Alle sieben gefundenen zwangsgedrehten Triebe waren basale (aus Knospenschuppen-Achseln stammende) Nebentriebe von normal gewachsenen Haupttrieben.) Zwangsdrehungen treten, wenn überhaupt, gewöhnlich an wirtelig belaubten Arten auf - wo also normalerweise 2 oder mehr Blätter an einem Knoten sitzen. Wenn solche Knoten sich alle spiralig miteinander verbinden (gewissermaßen polymerisieren), hemmen sie die Sprossstreckung und es kommt zu der charakteristischen Verwindung. Bei nicht-holzigen Pflanzen, wie etwa Karden (Dipsacus) oder Baldrian (Valeriana) wirkt die Hemmung sehr stark und es kommt zu dick aufgetriebenen, gallen-ähnlichen Stängelgebilden. (Die haben schon Goethe zu seinen Überlegungen zur "Spiraltendenz" der Pflanze inspiriert.) Geht ein zunächst normal gewachsener Trieb zur Zwangsdrehung über, so findet man oft ein zusätzliches Blatt zwischen zwei Knoten, über das beide eine Verbindung zueinander herstellen. Sind die Knoten zunächst zweizählig (mit 2 Blättern), so werden sie dadurch sozusagen 2 1/2-zählig. Durch weitere Verstärkung kann die Zwangsdrehung wieder aufgelöst werden und man findet dann gelegentlich unter dem gedrehten Sprossabschnitt 2-zählige, darüber 3-zählige Knoten. Aber auch "Rückschritte" zur ursprünglichen 2-zähligen Form kommen vor. Bei der vorliegenden Weigelie setzte sich die Zwangsdrehung im Folgejahr durch die Endknospe in den Blütenstand fort, während Seitentriebe normal wuchsen.

MfG - Manfrid
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Manfrid
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Re: Aberrationen/Anomalien

Beitrag von Manfrid » 07.01.2013, 20:19

Zum Ausgleich für die vielen Blüten mit vermehrten Organen: eine Campanula patula mit überwiegend 4-zähligen, einigen wenigen 5-zähligen und auch 3-zähligen Blüten. Früchte und Knospen verrieten, dass die Pflanze von Anfang an so geblüht hatte und auch so fortfahren wollte. Waldweg auf der Ostalb, August (?) 2011.

Gruß - Manfrid
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Carex
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Re: Aberrationen/Anomalien

Beitrag von Carex » 14.04.2013, 21:06

Was hier nach Kauliflorie aussieht, ist eine Verbänderung bei Forsythia x intermedia:
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Grüße,
David
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abeja
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Re: Aberrationen/Anomalien

Beitrag von abeja » 04.05.2013, 18:22

Hallo,
3- oder 5- blättrige Pflanzen von Paris quadrifolia gibt es ja schon in diesem Thread, wie ich gesehen habe.

Ich habe jetzt im feuchten Laub-Mischwald Hochrhein auf ca. 450 m (MTB 8412/1) sehr viele Pflanzen gesehen, davon wiederum ausgesprochen viele 5-blättrig und eine 6-blättrig.
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Paris quadrifolia_5_u_6_Blätter_05-2013.jpg
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Viele Grüße von abeja

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Re: Aberrationen/Anomalien

Beitrag von aelbler » 30.08.2013, 21:26

Hallo,

auf der Alb Nahe Harthausen habe ich dieses Breitblättrige Laserkraut Laserpitium latifolium mit einer teilweisen Dreifachdolde gefunden.
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Laserpitium latifolium Dreifachdolde 3_1.JPG
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Manfrid
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Re: Aberrationen/Anomalien

Beitrag von Manfrid » 07.12.2013, 12:28

Ja, das passiert gelegentlich bei den Apiaceen, dass nochmal eine ganze Dolde anstelle eines Döldchens in der Dolde erscheint. Und umgekehrt - oft im Zusammenhang mit der ersteren "Unentschiedenheit" - passiert es auch, dass ein ganzes Döldchen schon zu einer großen Einzelblüte zusammengefasst erscheint (siehe Bilder). Allerlei Zwischenformen machen es recht evident, dass zwischen Einzelblüte und Döldchen, Döldchen und Dolde morphologisch eine Art Zusammenfassungs- bzw. Auseinanderlegungsbeziehung besteht.

Man könnte auch noch weiter gehen und schon die Dolde als ein mehrere Seitentriebe zusammenfassendes Gebilde auffassen. Das Entspringen mehrerer (auch noch mit Vorblättern ausgestatteter) Seitentriebe an einem Knoten, wie es bei vielen Apiaceen im oberen Bereich des Sprosses normal ist, ist dann sozusagen eine "Vordolden-" oder "Überdolden"-Bildung. Und wenn diese Zone schon recht stark in Richtung Dolde geht (z. B. teilweiser Verlust der Vorblätter bei den Seitentrieben), dann mischt sich da auch schon mal ein extragroßes Döldchen mit ein, wie bei dem Heracleum im dritten Bild (nach links herabhängend).

Ich finde solche "Schlampereien" bezüglich der Einhaltung klar definierbarer Organkategorien doch ganz anregend.

Viele Grüße! - Manfrid
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Manfrid
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Re: Aberrationen/Anomalien

Beitrag von Manfrid » 08.12.2013, 09:56

Und weil's dazu passt noch drei Mischgebilde verschiedenen Grades zwischen seitlichem Blütenstand (Parakladium) und Einzelblüte aus dem Übergangsbereich zwischen Bereicherungszone und Endtraube der Steppenmalve (Sidalcea). Dergleichen findet sich recht häufig, wenn man einmal darauf achtet. Ich könnte noch entsprechende Bilder zeigen vom Odermennig, Raps, Eisenhut und anderem, aber so sehr ästhetisch sind die Sachen halt nicht.

Einen schönen 2. Advent! - Manfrid
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