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Grammatikregeln für Pflanzennamen

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Marlies
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Re: Grammatikregeln für Pflanzennamen

Beitrag von Marlies » 07.06.2020, 22:28

Danke nochmals. Jetzt weiß ich immerhin, warum Arboretum 'Arboretum' heißt. Und 'exceptio probat regulam' hat sich ohne Hilfsmittel erschlossen. Aber zur Ausgangsfrage: Eine eindeutige Zuordnung Endung/Geschlecht gibt es also nicht; das wäre natürlich das gewesen, was ich gern gehört hätte.
Den fakulativen Lateinunterricht in der Schule hielt ich damals für völlig überflüssig. Kurzsichtig, aber nicht mehr zu ändern.

Marlies

jake001
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Re: Grammatikregeln für Pflanzennamen

Beitrag von jake001 » 08.06.2020, 07:43

Adjektive folgen immer dem Fall und Genus des zu beschreibenden Substantives. Aber die Deklinationsart des Stubstantives und Adjektives können unterschiedlich sein. Das eine kann O-Deklination sein, das ansere U-Deklination. Für sich sind die Endungen der Deklinationanen aber ganz klar definiert, z.B. https://learnattack.de/schuelerlexikon/ ... eklination

Gruss.

Marlies
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Re: Grammatikregeln für Pflanzennamen

Beitrag von Marlies » 08.06.2020, 11:54

:o Das ist ja noch schlimmer als Russisch, was ich lernen musste.
Und wie ist es mit dem Plural?
Diese Pflanze gehört zu den Dickblattgewächsen. - Diese Pflanze gehört zu den Crassulaceen.
Diese Pflanze gehört zu den Fetthennen. - Diese Pflanze gehört zu den Sedis???
Das ist jetzt nur ein Herumstochern, aber es fiel mir gerade ein.

Marlies

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Anagallis
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Re: Grammatikregeln für Pflanzennamen

Beitrag von Anagallis » 08.06.2020, 12:17

Es wäre mir neu, daß im Deutschen Fremdworte nach den Regeln der Herkunftssprachesprache dekliniert würden.
Diese Pflanze gehört zu den Dickblattgewächsen. - Diese Pflanze gehört zu den Crassulaceen.
Familiennamen stehen sowieso schon im Plural, also immer noch Crassulaceae, aber die Eindeutschung wird sicherlich auch verstanden.
Diese Pflanze gehört zu den Fetthennen. - Diese Pflanze gehört zu den Sedis???
Wenn Du möchtest, daß Dich jemand versteht, laß' sowas besser bleiben. Ist "Gattung Sedum" nicht gut genug? Die richtige Pluralbildung lautet nach den Gepflogenheiten des Deutschen einfach "Sedums", auch wenn die Lateinliebhaber da wahrscheinlich Schreikrämpfe kriegen.

Berg_und_Tal
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Re: Grammatikregeln für Pflanzennamen

Beitrag von Berg_und_Tal » 08.06.2020, 13:36

Adjektive folgen immer dem Fall und Genus des zu beschreibenden Substantives ...
Ja, ist korrekt.
Diese Pflanze gehört zu den Sedis???
Ich würde in diesem Fall ‚Seda‘ ins Rennen schicken (aber das klingt im Deutschen zugegebenermaßen schon etwas gewöhnungsbedürftig ...)
Ist "Gattung Sedum" nicht gut genug?
Guter Ansatz, der 'Kniff' funktioniert immer.
Und wer ist sich schon auf Anhieb über die korrekte Pluralform immer sicher ...
... einfach "Sedums", auch wenn die Lateinliebhaber da wahrscheinlich Schreikrämpfe kriegen
Sollte kaum jemanden ernsthaft aufregen, wenn auch vermutlich nicht streng korrekt,
und solange - in konsequenter Fortsetzung - aus den 'errata' jetzt nicht 'erratums', 'erratume' oder 'erratümer' werden ...

Bitte nicht zu ernst nehmen. :)

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Anagallis
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Re: Grammatikregeln für Pflanzennamen

Beitrag von Anagallis » 08.06.2020, 14:13

Berg_und_Tal hat geschrieben:
08.06.2020, 13:36
und solange - in konsequenter Fortsetzung - aus den 'errata' jetzt nicht 'erratums', 'erratume' oder 'erratümer' werden ...
Na ja, warum eigentlich nicht ... Man könnte natürlich einfach "Fehlerberichtigungen" sagen, das verstehen dann auch weniger lateinisch Gebildete. Leider sind diese Fehlbeugungen in den Wörterbüchern quasi als Ausnahmen von der deutschen Grammatik aufgenommen worden und darum richtig. So wie dieses alberne "Status" als Plural von "Status". Es ist schon witzig, daß es Leute gibt, die sich über Anglizismen mokieren und darauf bestehen, daß die englische Grammatik nicht in deutschen Sätzen gilt, aber gleichzeitig nicht das geringste Problem haben, der lateinischen Grammatik Gültigkeit im selben Kontext einzuräumen.

jake001
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Re: Grammatikregeln für Pflanzennamen

Beitrag von jake001 » 08.06.2020, 14:21

Folgende Worte sollen niemanden angreifen.
Anagallis hat geschrieben:
08.06.2020, 12:17
Die richtige Pluralbildung lautet nach den Gepflogenheiten des Deutschen einfach "Sedums", auch wenn die Lateinliebhaber da wahrscheinlich Schreikrämpfe kriegen.
Ja. Wenigstens schon mal nicht mit Deppen-Apostroph geschrieben

OT: Naja als Absolvent des Gymnasiums hat man sich schon etwas darauf eingebildet, dass der Plural Nominativ von Koma nun einmal Komata heisst. Inzwischen ist man älter geworden. Aber wenn man nicht hin und wieder mal drauf besteht, machen sich solche Absurditäten wie "einzigste" breit. Das wird doch keiner ernsthaft wollen.

In Latein ist man auch darauf aufmerksam gemacht worden, dass sich "Worte" und "Wörter" grundsätzlich in der Bedeutung unterscheiden.

Das Wort Status wird aber tatsächlich oft verwendet. Gut, dass es U-Deklination ist. Statūs kann man noch vertreten. Statusse macht Ohrenkrebs.
Zuletzt geändert von jake001 am 08.06.2020, 14:22, insgesamt 1-mal geändert.

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Anagallis
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Re: Grammatikregeln für Pflanzennamen

Beitrag von Anagallis » 08.06.2020, 18:50

jake001 hat geschrieben:
08.06.2020, 14:21
Wenigstens schon mal nicht mit Deppen-Apostroph geschrieben
Den gab's übrigens schon im 19. Jahrhundert. Dazu gesellen ("gesell`en") sich heutzutage der Deppenbindestrich ("Deppen-Apostroph", siehe obiges Zitat) und das Deppenleerzeichen ("Deppen Bindestrich"). Das war also sozusagen eine Doppeldeppenkritik.
Aber wenn man nicht hin und wieder mal drauf besteht, machen sich solche Absurditäten wie "einzigste" breit. Das wird doch keiner ernsthaft wollen.
Na und? Das sagen die Leute schon seit ewigen Zeiten, und die Welt ist immer noch nicht zusammengebrochen. Meine Schmerzgrenze fängt erst in etwa bei "einzigstartigsteste" an.
Statusse macht Ohrenkrebs.
Augenkrebs. Richtig ist ja wenn schon dann "Statuse" ohne "ss".

Kraichgauer
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Re: Grammatikregeln für Pflanzennamen

Beitrag von Kraichgauer » 15.06.2020, 11:07

Als Absolvent eines Gymnasiums sollte man übrigens korrekt "Kommata" und nicht Komata schreiben. Oder kommt das daher, dass alle komatös waren?

Gruß, Michael

Andreas Melzer
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Re: Grammatikregeln für Pflanzennamen

Beitrag von Andreas Melzer » 17.06.2020, 21:11

Hallo zusammen,
darf ich noch mal einhaken und die Experten befragen?
Wie würde ein Epitheton in korrektem Latein aussehen, wenn eine Gattung auf feminin besteht und der Artname von einem Johann abgeleitet ist? Hoffentlich nicht johanna. Also johannia, johanniana?
Beste Grüße,
Andreas

Jochen943
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Re: Grammatikregeln für Pflanzennamen

Beitrag von Jochen943 » 17.06.2020, 22:00

Im Genaust habe ich "Joannesia" als Gattungsnamen für eine Euphorbiacea gefunden, nach Joao (latinisiert Joannes).

Jochen

Andreas Melzer
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Re: Grammatikregeln für Pflanzennamen

Beitrag von Andreas Melzer » 18.06.2020, 13:17

Hallo Jochen,
vielen Dank erstmal. Den Joann hätte ich schon mal falsch geschrieben (oder müsste das nicht gar Ioann sein?). Aber wenn der Johann als Epitheton dienen soll? Also also z. B. Euphorbia ioann...? Ich nehme an, einen Männernamen kann man nicht weiblich machen, obwohl die Gattung das möchte. Also Euphorbia ioannii?
Beste Grüße,
Andreas

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Re: Grammatikregeln für Pflanzennamen

Beitrag von Jochen943 » 18.06.2020, 20:22

Ich habe jetzt mal in meine lateinische Grammatik geschaut. Der deutsche Genitiv "des Johannes" ist lateinisch "Joannis". Das deutsche Adjektiv zu Johannes heißt "johanneisch", und das ist lateinisch "joanneus". Klingt aber feminin sehr seltsam. Wie wäre es mit "joannei"?

Jochen

Andreas Melzer
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Re: Grammatikregeln für Pflanzennamen

Beitrag von Andreas Melzer » 19.06.2020, 06:47

Hallo Jochen,
nochmals danke. Also doch mit j, aha. Und es scheint mehrere Möglichkeiten zu geben, aber Vornamen sind nicht wirklich in Gebrauch. Weiss der Kuckuck.
Beste Grüße,
Andreas

Vroni
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Re: Grammatikregeln für Pflanzennamen

Beitrag von Vroni » 19.06.2020, 20:54

Eine interessante Diskussion, da ich mich auch ab und zu mal über wissenschaftlichen Namen wundere. Jedoch nehme ich als Entschuldigung, dass ich nie Latein oder Griechisch hatte und von deren Grammatik keine Ahnung haben muss. ;)

In der Frage zum Johannes frage ich mich, ob es tatsächlich so gehandhabt wird, dass Namen von Leuten, denen eine Pflanze gewidmet wird, verlateinisiert werden. Ergibt das Sinn? Meines Erachtens nicht, denn dann sieht man ja nicht mehr, wer gemeint ist – João heisst doch João, John heisst John und der Johann ist der Johann. Was ist mit all den Namen, zu denen es keine lateinische Version gibt? Würde mir jemand eine Pflanze widmen wollen, was sollte er dann aus Vroni machen (nein, ich heisse nicht Veronika ;))?

Phalaenopsis lueddemanniana wurde zu Ehren des Herrn Lueddemann so benannt, Phalaenopsis bastianii wurde nach dem Sohn eines der Beschreibenden, Bastian, getauft, Phalaenopsis finleyi hat mit einem Herrn Finley zu tun, die Herren Reichenbach, Sander, Parish, Low und all die anderen reihen sich ein in die originalen Namen, denen lediglich eine Endung (im Minimum -ii) angehängt wurde.

Hm, Phalaenospis vronii wär doch bestimmt ein hübsches Geschöpf … :D

LG
Vroni

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