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Frage: Nacheiszeitliche Wiederbesiedelung mitteleuropäischer Wälder..

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ElCocodrilo
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Frage: Nacheiszeitliche Wiederbesiedelung mitteleuropäischer Wälder..

Beitrag von ElCocodrilo » 31.01.2020, 21:24

Hallo Liebe Kollegen

Erst vor kurzen hab ich wieder die Bereicherung diverser Sender-Mediatheken machen dürfen (soll keine Werbung sein).
Zufällig bin ich dabei auf diesen Beitrag gestolpert, vlt. kennt es jemand oder mag es sich anschauen..

https://www.arte.tv/de/videos/091180-00 ... e-waelder/

Im Beitrag ab Minute 21:40 wird visuell die Wiederbesiedlung der Wälder im Großraum Deutschland vom Rhoental aus durch Eichen nach der letzten großen Eiszeit 12.000 BC visualisiert und dessen anschließende Fragmentierung durch die Ausbreitung des Menschen als Siedler und dessen fortschreitende devastierung in den Bereichen heutiger Großstädte gezeigt. In den vom Menschen künstlich geschaffenen Inseln konnten sich Buchen effizienter ausbreiten und wurden anschließend zur dominanten Baumart. Der Waldanteil schwand durch die exzessive Holznutzung bis zum 18Jhd, wo dann erstmals wieder großflächig aufgeforstet wurde.

Ich weiß zwar, das man vor/nacheiszeitliche Vegetation anhand Pollenablagerungen in Mooren zB. teils rekonstruieren kann,
aber ein Fachbücher oder größere Wissenschaftliche Arbeiten dazu wie Paper sind mir als Laien keine Bekannt, welche das was im Film gezeigt wird, so genau zeigen.

Hat zu dieser Thematik jemand mehr Wissen und kann mir facheinschlägige Literatur, Papers zukommen lassen?

Das Problem in solchen Sendungen ist immer, es sieht zwar visuell sehr schön alles aus und ist wunderbar gemacht, doch man
weis im Endeffekt nie, auf welche wissenschaftliche Quellen bezogen wurden.

Würde mich brennend interessieren was es dazu gibt
Wäre sehr dankbar

AndreasG.
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Re: Frage: Nacheiszeitliche Wiederbesiedelung mitteleuropäischer Wälder..

Beitrag von AndreasG. » 04.02.2020, 17:25

Also ich weiß nicht recht, Sätze wie: "Bäume wachsen schneller, wenn das Konzert der Vögel und Insekten anschwillt." sind wissenschaftlich vermutlich nicht fundiert. Und die optischen Effekte am Anfang lassen vermuten, dass da ein paar zugekiffte Spezial-Effekt-Leute einen Kurs für Filmbearbeitungssoftware absolviert und anschließend ausprobieren haben, was damit alles machbar ist. Die ersten paar Minuten habe ich durchgehalten, aber seriös sieht so ein Film nicht aus.
"Bäume ändern nachts ihren Durchmesser...." Hä?

https://de.wikipedia.org/wiki/Geschicht ... _Baumarten

Hier der passende Wikipedia-Artikel. Dort finden sich ganz unten weitere Links und Literaturangaben.

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ElCocodrilo
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Re: Frage: Nacheiszeitliche Wiederbesiedelung mitteleuropäischer Wälder..

Beitrag von ElCocodrilo » 14.02.2020, 13:58

Hey Andreas!

Komisch das du den Film so interpretierst, bei mir wars gerade umgekehrt, ich habe die farbigen Animation super toll gefunden. Über den wissenschaftlich-fundierten Wert lässt sich natürlich streiten. Und Bäume ändern tatsächlich ihren Durchmesser, z.B. Tag/Nacht, bzw. starken Temperaturschwankungen, sogar die Mondphasen haben darauf Einfluss. Liegt an den Gefäßen die sich in Zuge von Druckänderungen (Saugspannung) dehnen und zusammenziehen. De facto spielt sich diese Änderung zwar nur im Millimeterbereich ab, aber sie ist tatsächlich mess-, bzw. hörbar (durch das Abreißen und Kollabieren der "Wasserfäden" in den Leitungsbahnen, siehe UAE - ultrasonic acoustic emissions)

Die wohl beste Zusammenfassung über das Thema fand ich in
Klötzli et al. Vegetation Europas: Das Offenland in vegetationskundlich-ökologischen Überblick (2010) - hier ein Auszug, ich erlaube mir mal
es hier zu posten und hoffe das verstoßt nicht gegen Copyrights etc.

8000 V. Chr.
In den gut 4000 Jahren seit dem durchschnittlichen Ende der Eiszeit im südlichen Europa, entsprach das Klima ungefähr
den heutigen Bedingungen, und die Bewaldung hatte sich fast überall durchgesetzt, allerdings sehr langsam unter
Ausschaltung von Steppe und Tundra. Das randlich gelegene Slowenien zeigte sich bis 9000 mehr oder weniger uniform,
erst ab 8800 v.Chr. wurden die landschaftlichen Unterschiede deutlicher (Andric/Willis 1999).

7000 V.Chr.
Ein Übergang zu den Britischen Inseln war nicht mehr möglich: Die spätere Schelffläche war überflutet und wurde durch den neuen Lauf des Golfstromes erwärmt. Westeuropas Klima wurde deutlich ausgeglichener. Bereits im Spätglazial um 9000 war die Ostsee über Mittelschweden in die Nordsee durchgebrochen. Nach dem allmählichen Rückzug der nordeuropäischen Gletschermassen hatte sich der Spiegel der Ostsee wieder allmählich gehoben. Birke und auch Föhre hatten sich nun schon überall ausgebreitet, und andere Arten rückten nach, zum Beispiel Hasel (unter ozeanischen Bedingungen), dies möglicherweise mit menschlicher Beihilfe. Denn die damaligen mesolithischen Rentierjägerkulturen verlangten ein Nomadenleben und den Vorstoss in die neuen eisfrei gewordenen Gebiete (in denen der Haselstrauch noch nicht vorkam). Im Südosten Europas einschliesslich von Gebieten südlich der Alpen hatte die Fichte ihre Refugien. Und diese begann sich - vor allem in den Gebirgen - nach Norden auszubreiten. Sie drang in die Ostalpen vor und gelangte bis in den Thüringerwald, den Harz und das Erzgebirge. Auch die Eiche siedelte sich unter Verdrängung der Birke in den Trockengebieten an, meist zusammen mit der Föhre. In den Randalpen wurde die Bergulme teilweise herrschend, dies zusammen mit den Linden, Ahornen und der Esche; parallel dazu erschien auch die Schwarzerle, auch außerhalb der feuchteren Standorte (vgl. Edellaubholwälder im Tessin, Ellenberg/Klötzli 1972).


6000 v. Chr.
Um diese Zeit fehlt noch die Tanne, die ihr Refugium in den Westalpen hatte, ferner die Buche - eiszeitliches Vorkommen am Alpensüdrand - und die Hagebuche (Karpaten). Der Mensch war weitgehend sesshaft geworden, vor allem in ufernahen Siedlungensplätzen.

5000 und 4000 v. Chr.
Ausgehend von den Gebieten im «Fruchtbaren Halbmond » (s.Tab. E.2) hatte der Ackerbau Mitteleuropa erreicht. Die Tanne stiess in die Bergulmen-Bestände vor. Offenere Wälder bzw. WaldSteppen-Ökotone bildeten sich in den trockeneren Beckenlandschaften. Vor allem auf Löss hatten Grasländer gegenüber Wäldern einen gewissen Konkurrenzvorteil (vgl.WALTER 1964/1968: «GrasGehölz-Antagonismus», s.Teil 2.1, «Steppen und übriges trockenes Grasland»). Teilweise waren allmähliche Übergänge zu verzeichnen, teilweise auch ein Mosaik von kleinen Blössen in lichteren
Wäldern , teilweise Waldinseln im Grasland. Im Übrigen stiess der Ackerbau treibende Mensch in die offeneren Becken (zum Beispiel Ungarn, Böhmen, Thüringen, usw.) vor und verhinderte den sich anbahnenden Baumwuchs, so dass sich in diesen Gebieten Schwarzerde - als typischer Steppenboden - bilden konnte (was in Ansätzen bis Südschonen/Schweden nachweisbar ist). Natürliche Talmoore trugen in der Regel keine Bäume oder Baumgruppen.

In den Gebirgen des Vorderen Orients schuf sich der Mensch - in Ko-Evolution\ - kultivierbare Gräser, unser heutiges Getreide (s. unter Südeuropa). Und mit dem Aufbau der Ackerbaukulturen, der sogenannten « Neolithisierung» - der grössten Revolution der Menschheit\ - «der erste
Spatenstich» - entstand gleichzeitig die Ackerbegleit- und die Ruderal-Flora (s.Teil 4.2, «Ruderalund Segetalvegetation»). Dieser Kulturwandel, vom Jäger und Sammler zum Ackerbauer, wurde von Anatolien, Griechenland über die Donau mit Wanderbewegungen und Handel nordwestwärts
nach Mittel- und Nordwesteuropa getragen.

In Mitteleuropa wurden namentlich die Unterhänge Unterhänge von Lösshügeln kultiviert unter Entfernung offener Eichenhaine mit Föhre, Feldulme und Gebüschen, die mit wenig Mühe zu roden ware. Angepflanzt wurde zumeist Einkorn Emmer, Linse, Erbse sowie Lein. Wälder wurden beweidet.
Etwa 100 Personen pro Lokalität brauchten etwa 30 ha offenes Land , also eine Fläche von etwa 2 km Durchmesser. Witterungsbedingte Katastrophenjahre führten zu sprunghafter Ausdehnung des Kultur andes in den trockenere Gebieten. Schon damals war Mitteleuropa für Dauerkulturen prädestiniert und erlaubte somit eine recht stabile Kulturlandschaft mit günstigem Wasserhaushalt. Bis in die Schwarzerdengebiete waren die Böden reich an Montmorillonit, lllit und Vermiculit, also alles günstige nährstoffbindende Tonmineralien und somit geeignet für den Erhalt an Nährstoffreservoiren bei Dauerkulturen. Insbesondere waren die Übergangsgebiete mit dem Wald-/Wald-Steppenökoton mit ihrer Vielfalt an Nutzungsmöglichkeiten von Menschen bevorzugt besiedelt worden, also ähnliche Vegetationsmosaike wie in den ältesten Ackerbaugebieten im Vorderen Orient in ursprünglichen ökotonalen Lagen.

Siedlungen wurden aus Sicherheitsgründen oberhalb von Prallhängen eingerichtet. Diese Nutzbarmachung von gewässernahen
Gebieten führte über die Erosion zur Bildung von Auenlehm, also zur Umgestaltung der Sedimentationsverhältnisse in den
Flüssen. Gleichzeitig wurde durch Eingriffe in den Wasserhaushalt, auch durch Entwaldungen, das Wachstum bzw. die
Ausweitung der Moore beeinflusst, ja in sehr ozeanischen Gebieten unter Bildung von Deckenmooren (zum Beispiel Britische
Inseln) sogar gefördert. Der wachsende Bevölkerungsdruck führte schliesslich auch zur Besiedlung extremerer Lagen mit
allen Folgen für Nährstoff- und Wasserhaushalt der neukultivierten Landschaften. In der nun angehenden Kupferzeit wurde
die Kultivierung der Tallagen erleichtert, dies durch niedere Wasserstände. Gleichzeitig wurden Gebiete auf diluvialen
nährstoffarmen Sanden verbessert in Kultur genommen (so zum Beispiel die Gebiete um Lüneburg und Brandenburg).
Derart wurden lichtere Eichen-Föhren-Wälder in derselben Periode in Heiden überführt. Hühnengräber auf lichteren Stellen
und die Bildung der Heidepodsole mit Ortstein sind Zeugen jener Zeit.

3000 v. Chr.
In dieser Zeit hatte die Kombination von Ackerbau und Viehzucht bereits Südskandinavien erreicht. Diese Kultur der Bandkeramiker zeigt von der Kupferzeit abweichende Bewirtschaftungsweisen. In Süddeutschland hielten bereits Weizen und Gerste Einzug. In Gebieten an der Atlantikund Mittelmeerküste entwickelten sich die Trichterbecher-Kulturen. Diese Frühformen zeigten sichvor allem auf der sandigen Geest Nordwesteuropas, wo Eichen-Birken- und Föhrenwälder gerodet wurden. Im Gegensatz dazu wurden die Lössgebiete mit Eichen-Linden-Ulmen-Wäldern eher von der Rösser-Michelsberger-Kultur geprägt. Unter diesen Bedingungen hat sich erstmals die Buche im Norden stärker ausgebreitet

2000v.Chr.
Nach ungefähr 3000 Jahren Ackerbau kam es in Nordwesteuropa (einschliesslich des engeren Mitteleuropas) zu tiefgreifenden landschaftlichen Veränderungen. Geest und Lössgebiete hatten bereits fast alle Urwälder eingebüsst. Es kam zur Nutzung gebirgiger Gebiete, auch des Alpenraums.
Ackerbau wurde in den Alpen bis auf 800 m Höhe betrieben. Es zeigten sich erste Ansätzezur Alpwirtschaft. Hochlagen oberhalb 1800 m bis um 2300 m wurden beweidet unter Bildung von subalpinen Matten und sekundären Alpenrosenfluren. Kupfer als Nutzmetall fand eine weitere
markante Verbreitung. Mit verbesserten Werkzeugen konnten die Rodungsgebiete wesentlich vergrössert und auch die Siedlungsräume besser gesichert werden. In der nun folgenden Bronzezeit stiess die beackerte Fläche unter Verwendung verbesserter Getreidesorten (mit zum Beispiel festen Spelzen) in kältere Gebiete vor (zum Beispiel Schwäbische, Fränkische Alb) . Meist wurde Dinkel in neueren Sorten (mit Lagerungsvorteilen)
in niederschlagsreichen, lehmigen Gebieten mit spätem Frühlingsbeginn im gesamten Alpenvorland angebaut. Es entwickelte sich eine einheitliche Agrarwirtschaft von den Alpen bis Südskandinavien

Ungefähr 1000 v. Ch
Dieser Zeitraum ist identisch mit der jüngeren Bronzezeit, das heisst auch mit der Unrnenfelder- und Lausitzerkultur sowie
dem ersten Teil der Hallstattkultur. Auch in dieser Zeit lagen die Seespiegel tief, und es kam zu weiterer Akkumulation
von Auenlehm. Dieser stammte größtenteils aus den Flussniederungen von den Moorrändern. Hochwaessersichere Inseln in
den Tallagen wurden von Siedlungsgebieten eingeommen, dies mit grösseren Gehöften am Rande von Feuchtgebiete.
Diese grasreiche FLäche dienten als Pferdeweiden. In Benachbarten Wäldern oder einzeln stehenden Edellaubhölzern (z.B. Esche)
wurde Laubheu für den Winter gewonnen. Hirse (Panicum miliaceum) und Saubohne (Vicia faba) wurden neu als Futter- oder Nahrungspflanzen
angebaut. Im Alpenvorland wurden auch Linsewicke und Kolbenhirse eingführt. (im Mittelmeerraum
entwickelten sich gleichzeitig mehrere Hochkulturen, s. Tab. E.2).

Ungefähr 800 v. Chr.
Ein kulturbestimmender Fortschriftt fällt in diese Zeit: Eisen wurde gewonne aus Erzen der östlichen Zentralalpen, aus den
Mittelgebirgen und aus dem Rasen-Eisen-Erz der Moore. Meist wurde versucht das Eisen mit Holzkohle an Ort und Stelle zu
verhüten. Stellenweise entwickelten sich Abraumhalden mit oft schwermetallreichen Material (Blei, Kadmium). Eisen wurde
jetzt auch für Pflüge eingesetzt. Im Bereich der Kelten entwickelte sich der Wendepflug, allerdingsm it sehr langer
Umstellungszeit bezüglich der ursprünglichen Pflugschar. Sie wurden in sogenannten Langstreifenäckern eingsetzt, wobei
so auch die Wölb- und Hochäacker enstanden. Gedüngt wurde mit Mergle sowie mit Mist aus der intesivierten Viehhaltung, und
neue Kulturpflanzen konnten so eingsetzt werden, darunter Färberweid für das Färben von Gewebe, vor allem aus Wolle.
Fleisch wurdfe mit Salz konserviert. Über die Alpenpässe konnten die Kontakte mit den blühenden Kulturen der Römer und Griechen
aufrechterhalten werden. Mit der nächsten zweiten Phase der vorrömischen Eisenzeit, der Latene-Zeit, wurde die kultivier-bare Fläche, auch auf steinigen Standorten bzw. Silikatgebieten, ausgedehnt (Hunsrück, Eifel) . An neuen Kulturpflanzen wurden Roggen und Hafer (ursprünglich «Urgräser») eingesetzt. Als Verteidigungsbauten in den Siedlungsräumen wurden Viereckschanzen, die sogenannten 0ppida, eingerichtet.

Ab Beginn unserer Zeitrechnung
Um die Zeitenwende war Europa schon ziemlich dicht besiedelt. Aber immer noch war der
Kontinent im Rahmen Mitteleuropas mit 70 bis 75 Prozent Wald bestanden. Als Altsiedlungsgebiete
galten damals das Alpenvorland vom Jura-Nordfuss bis Nordösterreich, Südwestdeutschland
mit Oberrheingebiet, die Mittelgebirge nordöstlich von Westfalen, das Harz-Vorland und auch die
östlichen Gebiete von Thüringen und Sachsen. Jungsiedlungsgebiete entstanden erst nach den
Rodungsperioden während der Karolingerzeit, also etwa ums Jahr 1000. (Länder nordöstlich und
östlich der Elbe wurden erst um 1400 in Bewirtschaftung genommen) . Ab dem Frühmitte/alter wurden die dazumal noch bestehenden Wildnisse erschlossen, also in erster Linie die Mittelgebirgslagen wie zum Beispiel Schwarzwald, Bayerischer Wald, Erzgebirge.
Damit verbunden war die Entdeckung von Erzlagerstätten (Blei, Silber, Zink und Kupfer). In diesen Einsamkeiten spielten auch die Klöster eine Pionierrolle. Im späteren Mittelalter wurden viele steilere Hänge mit neuen Hangpflügen beackert und viele
Moore kultiviert. Die Kerngebiete blieben meist noch erhalten, aber in Nordwesteuropa entstanden
die Fehnkulturen. Namentlich in den Niederlanden wurden weite Gebiete trockengelegt. ( Bis ins
18. Jahrhundert und später wurde auch Brandenburg erreicht). In derselben Zeit entwickelte sich die
Deutsche Moorkultur, die bis ins 19.Jahrhundert gepflegt wurde : Sand wurde dann auf alte Moorschichten aufgetragen.
Parallel dazu entstand auch die Rimpausche Moordammkultur. Die Flächen wurden gedüngt und vor allem ab dem 19.Jahrhundert zunehmend drainiert. Eine Parklandschaft in Form eines Wald-/Offenlandmosaiks war vielerorts die vorherrschende Landschaft. Die restlichen
Eichenwälder wurden zur Schweinemast beigezogen . Es entstanden Hudewälder und Harden. Deshalb wurden ab dem 12.
bis 15.Jahrhundert Holzverordnungen erlassen in Nürnburg wurde 1368 künstlich mit Föhren aufgeforstet.
Intensiviert wurde der Wiederaufbau des Waldes ab dem 18 .Jahrhundert (Fichtenanbau nach der« Pressler'schen Reinertragslehre» entstand
erst im 19 .Jahrhundert). Gleichzeitig entwickelten sich neue Offenlandtypen, und neue Kulturpflanzen wurden eingeführt.
Auch die Klöster sorgten in ihren Gärten für den Anbau von neuen Nutz- und Ornamentalpflanzen,
aus denen viele Neophyten in die Landschaft kamen . Oft bildeten fixierte scharfe Grenzen
zwischen Wald- und Offenlandgebieten, verstärkt durch Feuer. Bis vor 200 Jahren waren Wald und Weide die wichtigsten Nutzungsformen.


Weitere interessante Artikel/Bücher:
Magri et al. 2006
Küster,H 1998: Geschichte des Waldes
Pott, R 1993: Farbatlas Waldgesellschaften
Ellenberg, H 1996: Vegetation Mitteleuropas

Über weitere Diskussion/Anregungen zum Thema würde ich mich freuen
Zuletzt geändert von ElCocodrilo am 15.02.2020, 19:42, insgesamt 1-mal geändert.

Yogibaer51
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Re: Frage: Nacheiszeitliche Wiederbesiedelung mitteleuropäischer Wälder..

Beitrag von Yogibaer51 » 14.02.2020, 15:50

Im letzten Kapitel sind einige Fehler enthalten, zum Beispiel hat Maximilian Robert Preßler von 1815 - 1886 gelebt. Wie kann er dann schon im 1. Jahrhundert n.CH. ein Buch verfasst haben? Ebenso sind bei der Urbarmachung der Moore und der Trockenlegung in den Niederlanden einige Unstimmigkeiten vorhanden.
Bitte bearbeite den Beitrag noch einmal.
Gruß Yogi

AndreasG.
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Re: Frage: Nacheiszeitliche Wiederbesiedelung mitteleuropäischer Wälder..

Beitrag von AndreasG. » 14.02.2020, 17:04

Naja, wie dicht Mitteleuropa in der Stein- und frühen Bronzezeit wirklich besiedelt war, ist mir nicht ganz klar. Ein erster Einfluß des Menschen auf seine Umwelt ist aber sicher unumstritten. Die eingewanderten Ackerbauern und die bereits ansässigen Jäger und Sammler haben wohl längere Zeit nebeneinander her gelebt. Nachgewiesen sind seit der Einwanderung der Ackerbauern auch militärische Konflikte mit kriegstypischen Verletzungen an den Knochen, die man bei Ausgrabungen gefunden hat. Ob es dabei um Land ging oder um andere Dinge, ist aber schwierig zu entscheiden. Für die Klärung solcher Fragen kannst'e ja mal im Geschichsforum vorbeischauen.
https://www.geschichtsforum.de/
Vielleicht findet sich dort auch eine Hochrechnung über die Besiedelungsdichte in jener Zeit. Es wird aber sicher auch Gegenden gegeben haben, die dünn oder gar nicht besiedelt waren, anderswo in den Regionen, wo man zur Metallgewinnung viel Brennholz brauchte, hatten Bäume vermutlich keine lange Lebensdauer.
Die Gebiete östlich der Elbe waren um 1000 bereits besiedelt, und zwar von slawischen Völkern, Sorben (gibt es heute noch ein paar) und Wenden (die haben es nicht geschafft). Nach einigem militärischen Hickhack (übrigens schon ab 1100) übernahmen aber die Deutschen.
Um 1400 war die Ostkolonisation praktisch abgeschlossen. Bei uns (Vogtland) gibt es sehr viele Dörfer, deren Namen auf -grün enden. Die sind zu der Zeit gegründet wurden und gelten als Hinweis auf intensive Rodungen. Weil im Mittelalter und später vor Beginn des industriellen Kohleabbaus Holz der einzige Brennstoff und zudem begehrter Baustoff war, bei enormen Bedarf, gab es zu der Zeit bedeutend weniger Wald als heute. Sieht man auch auf alten Bildern; häufig gibt es da nur eine Art Restwald zu sehen. Erst als die ersten Fürsten anfingen, ihre Wälder unter Schutz zu stellen und der Holzeinschlag reglementiert wurde, konnte der sich wieder erholen. Die Nutzung des Waldes war ein häufiges Streitthema zwischen Besitzern und Anwohnern, der Förster häufig der bestgehasste Mann in der Gegend.

Den Film habe ich mir wirklich nicht zu Ende anschauen können. Mich regt so ein esoterisches Geschwätz auf und ich kann das einfach nicht mehr ernst nehmen. Zu erwähnen wäre noch (falls das nicht schon geschehen ist), dass es z.B. zur Völkerwanderungszeit recht kalt in Europa war, im Mittelalter dagegen wärmer als heute (naja, das wird sich wohl bald ändern). Das dürfte einen nachhaltigen Einfluß auf die Vegetation gehabt haben.

Ganz früher gab es zudem große Herden mit Pflanzenfressern, nach dem Aussterben der Mammuts vor allem Auerochsen und Wisente.
Abhängig von der Größe dieser Herden sollte ein mehr oder weniger großer Einfluß auf die Vegetation vorhanden sein. Es gibt sogar Behautungen, dass zumindest Teile Mitteleuropas eher savannenartig aussahen als wirklich dicht bewaldet waren.

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ElCocodrilo
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Re: Frage: Nacheiszeitliche Wiederbesiedelung mitteleuropäischer Wälder..

Beitrag von ElCocodrilo » 14.02.2020, 19:56

Yogibaer51 hat geschrieben:
14.02.2020, 15:50
Im letzten Kapitel sind einige Fehler enthalten, zum Beispiel hat Maximilian Robert Preßler von 1815 - 1886 gelebt. Wie kann er dann schon im 1. Jahrhundert n.CH. ein Buch verfasst haben? Ebenso sind bei der Urbarmachung der Moore und der Trockenlegung in den Niederlanden einige Unstimmigkeiten vorhanden.
Bitte bearbeite den Beitrag noch einmal.
Gruß Yogi
danke euch zwei für die Beiträge

@Yogi - Bei zwei Jahreszahlen sind die 1ser verschwunden, hab ich ausgebessert. Bei den Mooren und Trockenlegung, Niederlangen konnte ich auf die schnelle keine Fehler finden. Sollte 1:1 übernommen sein. was meinst du genau?

@Andreas - Spannender Punkt das mit den Megaherbivoren auf jeden Fall

lg

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