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Runde 'Knubbel' an Buchen-Stämmen

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Codo
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Runde 'Knubbel' an Buchen-Stämmen

Beitrag von Codo » 22.12.2019, 12:38

Fundort: Deutschland, NRW, Münsterland, Rheine, Buchen-Mischwald nahe der Ems
Fotos: Markus Koschinsky

Liebes Forum,

neulich fielen mir an mehreren alten Rotbuchen (Fagus sylvatica) mehr oder weniger kugelförmige Auswüchse am Stamm auf, ca. 1 - 2 cm im Durchmesser. sie ließen sich relativ leicht von der Rinde abbrechen, sind also offensichtlich nicht mit dem Stammholz verbunden. Beim Aufschneiden und Schleifen zeigt sich, dass sie durchgängig aus Holz sind, und mehr oder weniger konzentrisch von der Mitte aus wachsen. Z. T. ist eine Öffnung / Kanal nach außen hin (also vom Stamm weg) feststellbar, z. T. auch so etwas wie eine Verbindung zwischen Anwachsstelle und Kugelmitte.

Hat jemand eine Ahnung, was das ist und wie diese Strukturen entstehen?

Gruß und Dank,

Markus
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Querschnitt 1: Anwachsstelle unten
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Codo
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Re: Runde 'Knubbel' an Buchen-Stämmen - weitere Bilder

Beitrag von Codo » 22.12.2019, 12:40

Querschnitt 2: Anwachsstelle / -seite: links
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Anwachsstelle an der Rinde:
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Dateianhänge
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Hortus
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Re: Runde 'Knubbel' an Buchen-Stämmen

Beitrag von Hortus » 22.12.2019, 12:52

Evtl. ein Pilzbefall (https://de.wikipedia.org/wiki/Zunderschwamm), der dazu führt:

Bild
Viele Grüße, Hortus

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abeja
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Re: Runde 'Knubbel' an Buchen-Stämmen

Beitrag von abeja » 22.12.2019, 17:49

Hallo,
mit den Zunderschwämmen hat das m.M. nach nichts zu tun.
Man nennt diese runden "Dinger" auch Baumperlen (und es gibt weitere Bezeichnungen) , sie werden teilweise "geerntet" (falls sie sich leicht lösen lassen) und zu Schmuck etc. verarbeitet.
Da hatte der Baum eine Verletzung oder "will" etwas loswerden, auch z.B. tote Astansätze, es soll eine natürliche Abstoßungsreaktion sein.

https://mein-waldgarten.blogspot.com/20 ... chler.html
https://fraubirkenbaum.wordpress.com/20 ... bedeutung/

In einem der oberen Artikel wird erwähnt, dass man das wissenschaftlich als Kallus / Callus bezeichnet. Wobei diese ganz unterschiedlich aussehen können und auch großflächigere Überwallungen damit gemeint sind.
https://www.spektrum.de/lexikon/biologie/kallus/35197
Viele Grüße von abeja

Codo
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Re: Runde 'Knubbel' an Buchen-Stämmen

Beitrag von Codo » 22.12.2019, 17:59

Vielen Dank für den Hinweis, Hortus!

Glaube ich aber in dem Fall nicht. Das hier besteht ja eindeutig aus Holz, ist von der Rinde des Baumes umschlossen, und wächst konzentrisch weiter. Es ist ein lebender, wachsender Teil des Baumes selbst. Die Bäume sahen i. Ü. ansonsten kerngesund aus, bei Pilzbefall, der direkt aus dem Stamm heraus fruktifiziert, ist ja i. d. R. der Baum schon schwer geschädigt oder gar abgestorben, so wie in Deinem Bild mit dem Zunderschwamm.

Ich denke eher, dass der Baum an der Stelle versucht, etwas zu umschließen und damit unschädlich zu machen, aber ich weiß nicht recht, ob es etwas in Richtung Insektenbefall ist (eine Galle als Ausgangspunkt? Aber an der Rinde???), oder oder ein Infektionsherd durch Bakterien oder Viren (also Richtung Baumkrebs oder so etwas), oder was sonst den Baum dazu veranlassen könnte, solche Wucherungen zu erzeugen.

Codo

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Re: Runde 'Knubbel' an Buchen-Stämmen

Beitrag von Codo » 22.12.2019, 18:08

Hallo Abeja, vielen Dank auch für Deine Antwort, da haben wir wohl zur selben Zeit geschrieben!

Interessante Links, in der Tat scheint das Phänomen ja unter verschiedenen Namen bekannt zu sein, und die Erklärung geht in dieselbe Richtung wie ich auch vermutet hatte. Den Begriff Kallus kannte ich bisher aus der Pflanzenvermehrung (Stecklinge) / Veredelung, das Wuchergewebe, mit welchem die Pflanze Verletzungsstellen überdeckt, als Teil der Wundheilung. Wahrscheinlich ist das der Ausgangspunkt der Wucherung auch hier.

Gruß,

Codo

Yogibaer51
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Re: Runde 'Knubbel' an Buchen-Stämmen

Beitrag von Yogibaer51 » 23.12.2019, 11:15

@ Codo, sind diese Knubbel vermehrt auf der Südostseite des Baumes zu finden?
Gruß Yogi

Codo
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Re: Runde 'Knubbel' an Buchen-Stämmen

Beitrag von Codo » 23.12.2019, 15:57

Gute Frage! Ich weiß es nicht... Wenn ich dort wieder vorbeikomme (ist leider etwas ab vom Schuss), achte ich mal drauf.

Wofür könnte die Himmelsrichtung in dem Fall ein Hinweis sein?

Gruß,

Codo

Yogibaer51
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Re: Runde 'Knubbel' an Buchen-Stämmen

Beitrag von Yogibaer51 » 23.12.2019, 17:16

Der höchste Lichteinfall kommt in der Regel aus SSO. Das war der Grund meiner Frage, nun zu meiner Theorie über die Enstehung der Knubbel.
Gehölze sind bekannt dafür mehr oder weniger sogenannte Klebäste auszubilden, diese werden aus schlafenden Augen gebildet. Bei Eichen, insbesondere Stieleichen, ist diese Ausbildung stark vorhanden, bei der Rotbuche weniger. Wird nun beispielsweise ein Baum, der den Stamm einer Buche beschattet, gefällt so bekommt der verbleibende Stamm einen stärkeren Lichteinfall und die, sollten sie vorhanden sein, schlafenden Knospen können austreiben. Zuerst wird ja nur eine Terminalknospe an dem frischen Trieb gebildet die durch irgendeinen Umstand abstirbt. Daher kann der Trieb nicht mehr in die Länge wachsen aber das Dickenwachstum bleibt erhalten. Die Basis der abgestorbenen Knospe wird dann nach und nach überwallt bis nichts mehr davon zu sehen ist (Siehe Bild 1590), so entsteht dann mit der Zeit ein rundliches Gebilde.
Gruß Yogi

Codo
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Re: Runde 'Knubbel' an Buchen-Stämmen

Beitrag von Codo » 23.12.2019, 18:08

Vielen Dank, Yogi, Deine Theorie klingt nicht unplausibel. Würde erklären, warum das Zentrum der Kugel ca. 1 cm vom Stamm entfernt ist. Wobei: würde dieser junge Trieb nicht von Anfang an mit dem Splintholz des Stammes verbunden sein? Hier ist es ja offensichtlich so, dass keine direkte Verbindung zum Splintholz besteht. Die Baumperle sitzt direkt auf der Rinde auf, bzw. insbesondere die Buche hat wohl ein besonders aktives Phellogen (Kork-Kambium, finde ich gerade bei Wikipedia, https://de.wikipedia.org/wiki/Phellogen). Deshalb lassen sich diese auch so leicht abbrechen, ohne Verletzung des Holzes.
Wo sitzen denn die schlafenden Augen normalerweise? Im Phellogen, und bilden erst beim Austreiben eine Verbindung mit dem Xylem / Splintholz? Oder sind sie direkt mit dem Xylem verbunden? Im letzteren Fall, was passiert mit ihnen beim weiteren Dickenwachstum des Stammes, wenn sie nicht austreiben? Werden von der nächsten Xylem-Schicht / Jahresring überwachsen und durch neue schlafende Augen in der dann neuen, äußersten Xylem-Schicht ersetzt?
Oh Mann, wenn man erst mal drüber nachdenkt, stellt man fest, wie wenig man über sowas weiß... :-)

Gruß, Codo

Yogibaer51
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Re: Runde 'Knubbel' an Buchen-Stämmen

Beitrag von Yogibaer51 » 23.12.2019, 19:44

Es gibt bei den Gehölzen proventive Knospen und adventive Knospen. Proventive Knospen sind mit der Markröhre verbunden, die Verbindungen sind die sogenannten Spuren die aber keine Funktion haben. Man nennt sie auch "schlafende Augen". Durch verstärkten Lichteinfall und damit verbundener hormoneller Aufhebung ihrer physiologischen Ruhephase ( Dormanz) können diese dann austreiben. Bei Stieleichen können sie ein ganzes Menschenalter ruhen ehe sie austreiben. Deshalb sollte man diese Eichen beim durchforsten im Wald immer nur soweit freistellen das der Stamm beschattet bleibt. Treibt nun aber doch solch ein Auge aus und der Trieb verholzt spricht man von einen "Klebast", in der Forstterminologie ab einen Durchmesser von 2 cm.. Wenn man den Stamm später radial an der Stelle des Astes durchschneiden würde kann man Anhand der Jahresringe abzählen wann die Knospe ausgetrieben hat oder wenn man Bretter vom Stamm abschneidet ist, wenn es der Teufel will, auf der einen Seite dess Brettes ein Astsiegel zu sehen und auf der anderen nicht.
Adventive Knospen sind aus Kallusgewebe, welches bei Verletzungen ensteht, entstanden. Auch diese können sich zu Klebästen herausbilden.
Gruß Yogi

Codo
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Re: Runde 'Knubbel' an Buchen-Stämmen

Beitrag von Codo » 26.12.2019, 17:04

Hallo Yogi,

ein ziemlich spannendes Thema, finde ich!

Also die schlafenden Augen sind ja demnach mit dem Splintholz des Stammes verbunden, können bei weiterem Dickenwachstum des Stammes weiter mit nach außen wandern(also zwischen Holz und Rinde bleiben), aber auch irgendwann überwachsen werden (dann können sie auch nicht mehr austreiben).

Da bei den Baumperlen, zumindest soweit ich das sehen konnte, keinerlei Verbindung bis ins Splintholz besteht, gehe ich dann doch eher davon aus, dass hier eine Knospung / Verwachsung mit nachfolgender Verholzung in der Rinde oder in Kallusgewebe erfolgt ist, also vermutlich über eine Adventivknospe. Ich weiß nicht, ob so ein Wachstum auch ohne Zwischenschritt der Adventivknospe möglich wäre, z. B. an einem Infektionsherd in der Rinde, z. B. durch Bakterien, Viren, oder Insekteneinstich/-eier.

Werde mir das bei nächster Gelegenheit nochmal genauer ansehen, und dann auch auf die Himmelsrichtung achten.

Bis dahin vielen Dank und viele Grüße!

Codo

Manfrid
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Re: Runde 'Knubbel' an Buchen-Stämmen

Beitrag von Manfrid » 27.12.2019, 12:14

Die horizontalen Rindenfalten am Stamm, die ja auch reguläre Astansätze kennzeichnen, sprechen m. E. schon dafür, dass die Maserknollen an der Stelle eines (ehemaligen) Auges wachsen und nicht "adventiv" im Sinne von üblichen Wundkallus-Knospen - welche sozusagen außer der Reihe entstehen. Ich würde bei den "Knubbeln" also auch eine Art Metamorphose eines regulären, aber "schlafenden" Seitentriebes, dessen Terminalknospe abgestorben ist, vermuten.
Interessant ist allerdings schon die Entstehung der "sogenannten Spuren" ('Yogibaer51') bzw. die Frage
Codo hat geschrieben:
23.12.2019, 18:08
was passiert mit ihnen (den schlafenden Augen) beim weiteren Dickenwachstum des Stammes, wenn sie nicht austreiben? Werden sie von der nächsten Xylem-Schicht / Jahresring überwachsen und durch neue schlafende Augen in der dann neuen, äußersten Xylem-Schicht ersetzt?
Interessiert mich auch schon länger. Ich kenne keine Anzeichen von Ersatz der alten schlafenden Augen durch neue auf der neuesten Xylemschicht. Die alten scheinen einfach mit "hochgetragen" zu werden mit dem sekundären Dickenwachstum des Stammes. Die "Spuren" selbst weisen meines Wissens keine Jahresringe auf - was sie wohl tun müssten, wenn das Auge wie ein Kurztrieb weiterwüchse, um an der Stammoberfläche zu bleiben.
In jedem Falle sind die "Spuren" auch bei regulären Schlafenden Augen so zart, dass das leichte Abbrechen der Maserknollen nicht gegen ihr Vorhandensein und somit auch nicht für eine rein "adventive" Entstehung der Knollen aus dem Phellogen spricht. Die werden schon ihren Ursprung in Schlafenden (also "proventiven") Augen haben.

Manfrid

Codo
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Re: Runde 'Knubbel' an Buchen-Stämmen

Beitrag von Codo » 26.01.2020, 18:46

Liebes Forum,

hier mal ein kleiner Nachtrag zu den Baumperlen / Maserknollen an Buchen. Habe in den letzten Wochen mal vermehrt darauf geachtet, und die Dinger sind tatsächlich recht häufig, habe sie an unterschiedlichen Stellen gefunden. Dabe habe ich folgende Beobachtungen gemacht:

- Ich finde sie vorwiegend an hochstämmigen, eher alten Buchen, mit ansonsten weitgehend kahlen Stämmen (wie halt im Hochwald üblich). Hin und wieder findet sich mal etwas, was Klebäste sein dürften , aber nicht sehr häufig.

- Sie finden sich in allen Himmelsrichtungen an den Stämmen, es hat also wahrscheinlich eher nichts mit dem Lichteinfall zu tun. Auch konnte ich i. d. R. nicht feststellen, dass die betreffenden Bäume freigestellt worden wären, so dass sich die Beleuchtungsverhältnisse geändert hätten.

- Ich habe einige Stellen gefunden, an denen es Maserknollen gibt, aber direkt dabei auch ausgetriebene Augen bzw. kurze Terminaltriebe, sowie Zwischenformen davon.

Für mich klingt das schon alles so, als sei die oben diskutierte Theorie, dass schlafende Augen austreiben, der Terminaltrieb aber abstirbt und sich da herum eben so ein Bubbel bildet.

Hänge Euch nochmal ein Paar Bilder dazu an.

Und vielen Dank nochmals für die spannende und lehrreiche Diskussion!

Viele Grüße,

Codo
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Codo
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Re: Runde 'Knubbel' an Buchen-Stämmen

Beitrag von Codo » 26.01.2020, 18:46

Noch ein paar Bilder...
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