Keine Chance für Nazi-Propaganda und Rassismus in diesem Forum! #noafd #nopegida

Winterannuelle heimische Pflanzenarten?

Wer eine Frage zur Botanik im Allgemeinen hat, kann sie hier stellen!

Moderatoren: akw, Jule

Forumsregeln
Bildanhänge für Themen und neue Beiträge dürfen nicht größer als 800 x 600 sein, ansonsten funktioniert der Upload nicht!
Antworten
Tina
Beiträge: 193
Registriert: 06.09.2013, 18:00

Winterannuelle heimische Pflanzenarten?

Beitrag von Tina » 15.10.2019, 22:53

Hallo,

ich lege in diesem und nächsten Jahr im Garten Flächen mit heimischen Pflanzen an (ein Beet "steht" bereits).
Dafür würde ich gerne wissen, welche meiner angedachten Pflanzen als Samen diapausieren und welche den Winter über bereits an grünen Blättern arbeiten. Ergo: welche dieser Arten ich jetzt aussäen sollte und welche auch bis zum kommenden Spätwinter warten können/sollten, weil sie erst im Frühling keimen.

Gerne nehme ich auch Hinweise an, wo ich diese Frage selber beantworten kann (Link, Buch...).

  • Fingerhut (Digitalis purpurea)
  • Knotige Braunwurz (Scrophularia nodosa)
  • Wald-Ziest (Stachys sylvatica)
  • Mauerlattich (Mycelis muralis)
  • Rote Lichtnelke (Silene dioica)
  • Weiße Lichtnelke (Silene latifolia)
  • Taubenkropf-Leimkraut (Silene vulgaris)
  • Schwalbenwurz (Vincetoxicum hirundinaria)
  • Glockenblume (Campanula sp.)
  • Kleiner Vogelfuß (Ornithopus perpusillus)
  • Gipskraut und/oder Felsennelke (Gypsophila / Petrorhagia sp.)
  • Seifenkraut (Saponaria officinalis)
  • Heidenelke (Dianthus deltoides)
  • Sonnenröschen (Helianthemum nummularium)
  • Wundklee (Anthyllis vulneraria)
  • Skabiosen-Flockenblume (Centaurea scabiosa)
  • Strand-Grasnelke (Armeria maritima)
  • Großblütige Braunelle (Prunella grandiflora)

Grüße,
Tina.

Benutzeravatar
Anagallis
Beiträge: 7194
Registriert: 11.08.2014, 22:59

Re: Winterannuelle heimische Pflanzenarten?

Beitrag von Anagallis » 15.10.2019, 23:32

Generell sollten einheimische Arten an kalte Winter gewöhnt sein und darum keine Probleme mit der Überwinterung der Samen haben. Die kann man alle jetzt schon ausbringen.

Da sind einige Arten bei, die es durchaus schattiger vertragen (Fingerhut, Ziest, Mauerlattich, Braunwurz), die anderen haben es lieber hell. Magerspezialisten wie Ornithopus, (Gypsophila, Petrorhagia), Vincetoxicum, Helianthemum und Vincetoxicum werden sich gegen die wuchsstarken Arten nicht durchsetzen können - die brauchen gegen Konkurrenz geschützte (d.h. unter anderem nährstoffärmere) Ecken oder Pflasterritzen.

Annuelle:

Kleiner Vogelfuß (Ornithopus perpusillus) - winter und/oder sommerannuell, verträgt keinen Kalk
Gypsophila, je nach Art

Zweijährige:

Fingerhut (Digitalis purpurea) - Am besten jetzt einen Teil aussäen und Mitte nächsten Jahres den Rest, um den Zweijahresrhythmus früh zu durchbrechen.

Ausdauernde:

Wald-Ziest (Stachys sylvatica) - Sehr ausbreitungsfreudig, rate ich dringendst von ab. Es gibt jede Menge gartengeeigneterer Lippenblütler, z.B. diverse Galeopsis (aber auf keinen Fall tetrahit - der führt zu Tränen)
Mauerlattich (Mycelis muralis) - Versamt stark und kann eine ziemliche Plage werden. Wenn man sich das schon einkauft, würde ich lieber ein hüsches Hieracium nehmen.
Gipskraut und/oder Felsennelke (Gypsophila / Petrorhagia sp.), Petrorhagia - Kann sehr lästig werden.
Seifenkraut (Saponaria officinalis) - Ebenfalls ausbreitungsfreudig; nicht sehr gut für den Garten geeignet.
... (alle weiteren)

Benutzeravatar
Anagallis
Beiträge: 7194
Registriert: 11.08.2014, 22:59

Re: Winterannuelle heimische Pflanzenarten?

Beitrag von Anagallis » 15.10.2019, 23:43

Noch ein allgemeiner Rat: Wildpflanzen im Garten sind ja schön, aber man sollte bedenken, wie man sie wieder loswird, wenn man mal die Meinung ändert. Bei Allerweltsarten die schnell in jedem Winkel wuchern, sollte man genau überlegen, ob man das haben will. Beispielsweise versuche ich schon länger erfolglos, Wald-Ziest, Gewöhnlichen Hornklee und Einjähriges Berufskraut wieder loszuwerden.

Tina
Beiträge: 193
Registriert: 06.09.2013, 18:00

Re: Winterannuelle heimische Pflanzenarten?

Beitrag von Tina » 16.10.2019, 01:27

Hallo,

vielen herzlichen Dank für deine allgemeinen und speziellen Tipps, die helfen mir sehr weiter.

Zum Verständnis: ich habe zwei sonnenexponierte, eher trockenere Bereiche geplant, die auch mit Sand ausgemagert wurden bzw. werden (ein Beet ist schon m.o.w. fertig; in diesem Frühjahr habe ich nicht gesät, sondern von Bahnhöfen etc. ausgebuddelt und umgepflanzt), und ein "Schattenbiotop" hinten im Garten, wo das ganze Moos wächst und es deutlich feuchter ist. Dementsprechend werde ich auch die hier gelisteten Pflanzen (und weitere) verteilen.
Falls welche auf den Rasen ausbüchsen, werden sie den - teilweise mehrfach - wöchentlichen Mäh-Rhythmus nicht lange überleben, die Verwilderungsgefahr ist also eher gering. Denn unser Garten ist leider fast komplett "steril": klassischer Rasen mit Thuja-Hecke.

Die Beete sind bzw. werden richtige Diversitäts-Hotspots sein. Ein bisschen Gegentrend zur modernen "Garten"wüste und was für's Herz. Flächentechnisch wird das natürlich nicht der erschreckenden Verarmung der Landschaft entgegenwirken, das weiß ich. Aber es ist ein erster Schritt, und ein kleines "Versuchslabor" für Besucher, um die Idee möglicherweise auch in anderen Köpfen anzusäen.

Ich bin auf jeden Fall super gespannt, wie sich die Flächen über die Jahre entwickeln, das prickelt richtig!

Grüße,
Tina.

Antworten