Keine Chance für Nazi-Propaganda und Rassismus in diesem Forum! #noafd #nopegida

Physalis in D

Wer eine Frage zur Botanik im Allgemeinen hat, kann sie hier stellen!

Moderatoren: akw, Jule

Forumsregeln
Bildanhänge für Themen und neue Beiträge dürfen nicht größer als 800 x 600 sein, ansonsten funktioniert der Upload nicht!
Antworten
Benutzeravatar
Anagallis
Beiträge: 5954
Registriert: 11.08.2014, 22:59

Physalis in D

Beitrag von Anagallis » 20.10.2018, 21:54

Wie ist denn das nun mit der Gattung Physalis in Deutschland; aus verschiedenen Quellen habe ich gehört, es gäbe einen ganzen Sack voll Einwanderer, die im Rothmaler nicht drin sind, sich aber mit ein wenig Glück in der Natur finden lassen. Gibt es dazu feldtaugliche Literatur, oder läuft es auf Sammeln und dem Spazialisten Schicken heraus?

jake001
Beiträge: 2691
Registriert: 09.06.2015, 13:53
Wohnort: BW

Re: Physalis in D

Beitrag von jake001 » 21.10.2018, 20:59

Also ich lasse mich gern eines Besseren belehren, aber ich hab noch nie eine Lampionblume "in der Natur" gesehen. Nicht mal Physalis alkekengi die zugegebenermaßen schon mal durch den Zaum der Kleingartenkolonie lugt.

Benutzeravatar
Anagallis
Beiträge: 5954
Registriert: 11.08.2014, 22:59

Re: Physalis in D

Beitrag von Anagallis » 21.10.2018, 22:11

Hauptsächlich in Gartenabfällen im Wald. Sein Zeug da zu entsorgen ist ein echter Volkssport. Letztens eine auf Burg Loewenstein in den Nordvogesen - vielleicht hat da einer eine Frucht nur halb gegessen und die Kerne entsorgt. Jemand hier aus der Gegend hat mal aus Flußschlamm um die fünfzehn Physalis-Arten gezogen.

Benutzeravatar
botanix
Beiträge: 3591
Registriert: 31.05.2007, 20:31
Wohnort: Gießen

Re: Physalis in D

Beitrag von botanix » 21.10.2018, 22:56

Hallo,

na ja, häufig sind die nicht. Richtig wild wachsend habe ich alkekengi erst dieses Jahr in Rheinland-Pfalz gesehen. Sonst mal aus einem Garten heraus wachsend oder als Gartenabfall.
Physalis peruviana findet sich gelegentlich in der zweiten Jahreshälfte als Jungpflanze, wahrscheinlich weil gekaufte oder selbst geerntete Früchte weggeworfen wurden. Die kommen dann gerade noch zur Blüte bevor es Winter wird.
In einer Kleingartenanlage habe ich einmal Physalis philadelphica gefunden.
Interessanter wird es auf Klärschlamm: dort keimen regelmäßig verschiedene Tomatensorten und Physalis peruviana. Bedingt durch das Substrat wachsen die Pflanzen schnell und fruchten sogar. Auch dort fand sich einmal philadelphica.
Also auf Klärschlamm in Kläranlagen, auf Mülldeponien oder in Kompostierungsanlagen, vielleicht auch in Hafenanlagen, könnte ich mir am ehesten andere Physalis vorstellen. Sicher ist vieles zufällig, also nicht in jedem Jahr zu erwarten.
Meierott führt in seiner Flora ein paar Arten auf, auch mit Bestimmungshilfe.

Gruß

Peter
alte Botanikerweisheit: man sieht nur was man kennt

Kraichgauer
Beiträge: 1226
Registriert: 09.10.2016, 11:01

Re: Physalis in D

Beitrag von Kraichgauer » 22.10.2018, 18:03

Das mit den fünfzehn Arten aus dem Flussschlamm hast Du wohl falsch verstanden, 3-4 stimmt eher. Allerdings ist es tatsächlich so, dass die Gattung in der Neuwelt sehr artenreich ist (90 Arten!) und erstaunlich viele Arten adventiv gefunden werden können. (Buttler führt 9 auf.)

Ich kenne alkekengi und franchetii aus Gärten und an Schrebergartenkolonien, manchmal auch im Auwald; beide bilden Kolonien, z.B. bei Leopoldshafen.
P. peruviana (regelmäßig) und P. grisea (sehr selten) tauchen adventiv auf, die letzteren beiden waren zusammen 2013 auf Bachschlamm bei Kleinsteinbach zu sehen.
P. philadelphica wird in letzter Zeit immer mal wieder als Topfpflanze angeboten, da könnte ich mir gut vorstellen, dass sie häufiger als früher verwildert.

In den östlichen USA ist die Gattung schon deutlich artenreicher, dort sind es immerhin rund ein Dutzend, da kommen dann Richtung SW-USA nochmal 10-20 dazu. Alle mit ganz ähnlicher Ökologie.

Die meisten bei uns adventiv vorkommenden Arten sind den verschiedenen USA-Floren zu finden, allerdings gibt es leider den Band für die Flora of North America noch nicht. Im Holmgren sind 13 drin.

Übrigens werden alkekengi und franchetii (beide mit altweltlichem Ursprung) mittlerweile als Gattung Alkekengi abgetrennt, franchetii ist wohl nur eine Variante.

Gruß, Michael

Garibaldi
Beiträge: 1245
Registriert: 17.05.2014, 12:33

Re: Physalis in D

Beitrag von Garibaldi » 23.10.2018, 19:26

Physalis peruviana habe ich dieses und letztes Jahr an der Elbe im Stadtraum Dresden gefunden, mehrere Exemplare an unterschiedlichen Stellen. Es tauchen auch regelmäßig Tomaten-Pflanzen auf (hat jetzt nichts direkt mit dem Thema zu tun), aber ich vermute, dass die Verbreitung ähnlich zustande kommt und auch einen ähnlichen Stellenwert (adventiv?) besitzt, aber ich kann nur von zwei Beobachtungsjahren sprechen.

Jochen943
Beiträge: 693
Registriert: 14.06.2016, 17:53

Re: Physalis in D

Beitrag von Jochen943 » 23.10.2018, 19:48

Falls von Interesse:
Ich habe einen Strauch von Physalis peruviana im August 2018 auf einer Kiesbank im Neckar bei Aistaig-Oberndorf, Krs. Rottweil gefunden. Zusammen mit verschiedenen Tomatenpflanzem, mit runden und länglichen Früchten. Die Kiesbank befand sich kurz hinter einem Stauwehr.

Jochen

Botanica
Beiträge: 4333
Registriert: 27.02.2007, 20:25
Wohnort: Zwischen Köln und Bonn

Re: Physalis in D

Beitrag von Botanica » 25.10.2018, 09:35

Hallo zusammen,

in Bonn habe ich an diesem Wochenende auf einem trocken gefallenen Areal am Rheinufer auf einer Strecke von exakt 200m (gemessen an Rheinkilometern) ca. 5.000 Exemplare verschiedenster Tomatensorten gefunden, fast alle fruchtend !

Dazwischen ca. 200 ! Exemplare Physalis, nur ca. 10% -15% blühend. In Ermangelung spezieller Schlüssel Physalis cf. peruviana.
Ein ausgewiesener Kenner hat dort auch Physalis grisea gefunden, ich konnte die Pflanze leider nicht wieder finden und fotografieren.

Die großen Mengen an Pflanzen hat man mir wie folgt erklärt:

Weiter oberhalb befinden sich Einläufe von Kläranlagen. Die Samen der verzehrten Tomaten werden nicht verdaut sondern kommen über den Fäkalkanal in die Kläranlage. Dort können die Samen aber nicht herausgefiltert werden, sondern werden über den Auslauf in den Rhein ausgetragen.

Gleiches gilt für Physalis, und wenn neue Arten verzehrt werden......

Wahrscheinlich daher auch kein Zufall, dass ich auf dieser Fläche ca. 20 Pflanzen von Salvia hispanica (Chia) finden konnte.


Viele Grüße

Harry
Ich denke, also bin ich

Manfrid
Beiträge: 1530
Registriert: 06.12.2010, 09:55

Re: Physalis in D

Beitrag von Manfrid » 25.10.2018, 11:14

Also ganz objektiv Sch...neophyten.

Garibaldi
Beiträge: 1245
Registriert: 17.05.2014, 12:33

Re: Physalis in D

Beitrag von Garibaldi » 25.10.2018, 14:26

Noch eine aktuelle Beobachtung, hier im Dresdener Stadtgebiet fand ich heute 1 Exemplar Physalis mit reifen Früchten, es mag die besondere Wärme in diesem Jahr sein, dass die Pflanze blühen und sogar fruchten konnte, aber theoretisch können sich die Pflanzen auch ohne "neues Saatgut durch Abwässer" vermehren (bei den vielen fruchtenden Tomaten-Pflanzen nehme ich das auch an), das ist allerdings nur Spekulation.

jake001
Beiträge: 2691
Registriert: 09.06.2015, 13:53
Wohnort: BW

Re: Physalis in D

Beitrag von jake001 » 25.10.2018, 17:13

Manfrid hat geschrieben:
25.10.2018, 11:14
Also ganz objektiv Sch...neophyten.
Ja, ist das jetzt so schlimm? Also ich ess nicht, was an der Elbe wächst.
Und bei der offensichtlich vorhandenen Sporenbelastung in unseren Breiten, was Pathogene von Tomatenpflanzen angeht, gehts wohl kaum mehr schlimmer. Da machen ein paar Hektar mehr Brutfläche für diese wohl nichts mehr aus.
Bei Physalis hab ich noch keinen Pathogenbefall in unseren Breiten festgestellt.

Manfrid
Beiträge: 1530
Registriert: 06.12.2010, 09:55

Re: Physalis in D

Beitrag von Manfrid » 25.10.2018, 21:59

jake001 hat geschrieben:
25.10.2018, 17:13
Ja, ist das jetzt so schlimm?...
Hm, hätt ich wohl doch zur Sicherheit ein Smiley setzen sollen, damit mich keiner beruhigen zu müssen glaubt. Aber danke für die Mühe!

jake001
Beiträge: 2691
Registriert: 09.06.2015, 13:53
Wohnort: BW

Re: Physalis in D

Beitrag von jake001 » 01.11.2018, 17:10

Ich hab aber vor zwei Jahren mal ne Lampionblume eingesammelt die keine gewöhnliche Physalis alkekengi zu sein schien. Kann da jmd was dazu sagen? Es ist die Linke gemeint.
Mehrere Blüten an einem Nodium, deutlich roter als die eher orangen P. a.. Die Kelche nicht so aufgeblasen, eher tropfenförmig.
Gefunden in einem Garten, Kanton SH, ausgereift Anfang November.
P1180598.JPG
P1180598.JPG (160.58 KiB) 191 mal betrachtet

Antworten