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Anatomie - Morphologie: wo sind die Grenzen?

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Alex H
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Anatomie - Morphologie: wo sind die Grenzen?

Beitrag von Alex H » 08.09.2018, 15:02

Hallo,

ich interessiere mich sehr für die Morphologie der Pflanzen. Die Pflanzenanatomie - die Lehre vom "inneren Bau" der Pflanzen, von den Zellen - interessiert mich derzeit nicht so brennend. Wie ich das verstehe beschäftigt sich die Morphologie nicht nur mit der Gestalt der Pflanzen, sondern auch mit der Gestaltung bzw. dem Aufbau beispielsweise der Blüten, was ich sehr interessant finde. Derzeit versuche ich mir diverse morphologische Dauerpräparate für das Stereo-Mikroskop anzufertigen, bei denen eben diese Teile (Stempel, Bestäubungsmechanismen usw.) sichtbar gemacht werden. Aber eben "als Ganzes" und nicht in Form dünner Schnitte wie es in der Pflanzenanatomie der Fall wäre.

Aber wo genau sind denn die Grenzen zwischen Anatomie und Morphologie in der Botanik? Lässt sich eine solche überhaupt ziehen?

Grüße
Alex

Manfrid
Beiträge: 1530
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Re: Anatomie - Morphologie: wo sind die Grenzen?

Beitrag von Manfrid » 11.09.2018, 09:44

Hallo Alex,

Anatomie ist erstmal mehr die Feststellung und Beschreibung der Teile eines Organismus', Morphologie sucht nach einer gewissen Logik des Aufbaus. Der Begriff der Morphologie ist wesentlich von Goethe geprägt worden als "Lehre von der Gestalt, der Bildung und Umbildung der organischen Körper". Er ist eng mit dem Begriff der Metamorphose verbunden. Da geht es um Erkenntnis des ideellen Roten Fadens, der sich durch die äußerliche Verschiedenheit hindurch verfolgen lässt (bei Goethe der "Typus", spezialisiert in "Urpflanze", "Urtier" etc.) Dieses Durchgängige erhält sich nach Goethe durch Kompensationen der jeweiligen Eigentümlichkeiten eines Organs oder Organismus'. Z. B. macht Goethe in seinem Gedicht zur Metamorphose der Tiere auf ein Entweder-Oder zwischen Ausbildung des oberen Gebisses und Hörnern/Geweihen aufmerksam; gut zu illustrieren z. B. am Vergleich von Reh und Wasserreh. Letzteres (Bock) hat große obere Eckzähne, aber kein Geweih, ersteres hat normalerweise gar keine Eckzähne. Eine andere gewöhnlich gut verfolgbare Kompensation besteht bei vielen Pflanzen zwischen Blattstiellänge und Internodienlänge: untere Laubblätter bei Rosetten- und Halbrosettenpflanzen sind eher lang gestielt, die oberen an der statt dessen hochgeschossenen Sprossachse sind stiellos. Zu beachten ist bei Goethe auch noch eine Unterscheidung von Morphologie im engeren und im weiteren Sinne. Während erstere sich der Wortbedeutung entsprechend mit der Formbildung für sich beschäftigt, ist die letztere "Verknüpfung durch die Kraft des Geistes" von allen biologischen Teildisziplinen, also vor allem auch Verknüpfung der Gestaltbildung mit der Physiologie inklusive der Vererbungsvorgänge und somit der Stammesentwicklung/Artenbildung. Gelegentlich benutzt Goethe daher auch den Terminus "Physiologie" im erweiterten Sinne genauso wie "Morphologie" im erweiterten Sinne für die Bemühungen um logische Verknüpfung von allem jeweils in Betracht Kommendem.
Die Dokumentation von Blüten und ihrem Aufbau wäre demzufolge eher Anatomie, wenn auch mehr im Großen als bei der Untersuchung von Zellen und Geweben. Allerdings wird unter "Anatomie" in Lehrbüchern zumeist das Letztere abgehandelt und unter "Morphologie" eben die makroskopische Anatomie. Der eigentliche Begriff der Morphologie ist da meist noch recht verschwommen.

Manfrid

Alex H
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Re: Anatomie - Morphologie: wo sind die Grenzen?

Beitrag von Alex H » 11.09.2018, 11:09

Hallo Manfrid,

vielen Dank für deine Erläuterung.

Grüße
Alex

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