Keine Chance für Nazi-Propaganda und Rassismus in diesem Forum! #noafd #nopegida

Rizin - Warum nicht giftig für den Wunderbaum selbst?

Wer eine Frage zur Botanik im Allgemeinen hat, kann sie hier stellen!

Moderatoren: akw, Jule

Forumsregeln
Bildanhänge für Themen und neue Beiträge dürfen nicht größer als 800 x 600 sein, ansonsten funktioniert der Upload nicht!
Antworten
tdbvoigt
Beiträge: 2
Registriert: 22.05.2018, 17:35

Rizin - Warum nicht giftig für den Wunderbaum selbst?

Beitrag von tdbvoigt » 22.05.2018, 17:45

Liebe Botanik-Freunde!

Ich habe eine zugegebenermaßen ungewöhnliche Frage:

Rizin, das Gift des Wunderbaums, ist ja ein Proteingift. Es wird irgendwie vom Wunderbaum hergestellt, aber scheint für ihn selbst nicht tödlich zu sein.
Ich habe gelesen, das Gift greift nach Einschleusen in die Zelle (was wohl mehr oder weniger rezeptorvermittelt geschieht) die eukaryotische Proteinbiosynthese an den Ribosomen an und legt diese mehr oder weniger lahm. Klar, das ist tödlich. Aber warum nicht für den Wunderbaum selbst?

Keine Sorge, ich habe nicht vor einen Regenschrim-Anschlag zu begehen, ist reines Interesse. Bzw. es ist Interesse für ein Bio-Romanprojekt.

Die weiterführende Frage wäre dann noch, ob das Gift für eine "ganz normale dahergelaufene Pflanze" (z.B. Wegrauke) auch giftig wäre? Oder wäre die Wegrauke aus dem gleichen Grund immun wie der Wunderbaum?

Eieiei, ich weiß, komische Fragen... :-)

Bin für jede Information oder weiterführenden Link dankbar!

Liebe Grüße,

Thomas Voigt.

jake001
Beiträge: 2691
Registriert: 09.06.2015, 13:53
Wohnort: BW

Re: Rizin - Warum nicht giftig für den Wunderbaum selbst?

Beitrag von jake001 » 22.05.2018, 19:36

Ich kann jetzt nur spekulieren, aber oft ist ein Gift für einen Organismus nicht toxisch, weil der Mechanismus an dem angegriffen wird, abgeändert ist.
Heisst: wenn Rhizinus selbst eine 28S rRNA hätte, die an der Stelle 4324 kein Adenin besitzt, dann würde diese glycosidische Spaltung ins Leere laufen und keinen Angriffspunkt finden. Lt. wiki ist A4324 aber auch für die Bindung von Elongationsfaktoren essentiell. Das sich für diese Prozesse auch quasi simultan ein effektives work-around in der Evolution ergeben hat, wäre erst einmal nach Ockhams Razor abzulehnen (wenn auch nicht ausgeschlossen).
Einfacher wäre da, wenn die A-Kette durch ein anderes Protein erkannt wird, selbst gespalten und inaktiviert wird. Das wäre durch eine artspezifische Erkennungssequenz und anschließendes Modifizieren machbar. Vorstellbar wäre eine Ubiquitinierungssequenz, Ubiquitinierung der Proteinkette, Abbau im Proteasom.

Vlt willst du dich ja zu weiteren populären pflanzlichen Giftstoffen informieren:
[...]Als dritte Gruppe lassen sich die strenggenommen nicht proteinogenen Aminosäuren fassen, die der Organismus nicht von den kanonischen Aminosäuren unterscheiden kann und die er so anstelle dieser in Proteine unspezifisch einbaut. [...] So ist Azetidin-2-carbonsäure ein toxischer Bestandteil des Maiglöckchens, wobei sich das Maiglöckchen selber mit einer hochspezifischen Prolyl-tRNA-Synthetase vor dem unkontrollierten Einbau dieser Aminosäure in ihre Proteine schützt.
Und wenn mal nichts im Fernsehen läuft, schau dir mal an, wie Glyphosat wirkt und wieso bei CP4 EPSPS eben nicht. Damit kannst du sicher einen Abend sinnvoll verbringen.

Ich weiß gleich gar nicht, ob es analoge Entwicklungen zu hok/sok (https://en.wikipedia.org/wiki/Hok/sok_system) auch bei höheren Organismen gibt. Bei Bakterien ist es auf jeden Fall im Labor nutzbar.
https://onlinelibrary.wiley.com/doi/pdf ... .201710636

tdbvoigt
Beiträge: 2
Registriert: 22.05.2018, 17:35

Re: Rizin - Warum nicht giftig für den Wunderbaum selbst?

Beitrag von tdbvoigt » 23.05.2018, 09:41

Hallo Jake,

vielen lieben Dank!
Einfacher wäre da, wenn die A-Kette durch ein anderes Protein erkannt wird, selbst gespalten und inaktiviert wird.
Um da weiterzudenken, wäre es hilfreich, überhaupt zu wissen, wo Rhizinus innerhalb der Zelle das Rizin überhaupt speichert? Womöglich ist es auch gut weggesperrt und der Membrandurchtritt wird innerhalb von Rhizinus geblockt, während das Gift in allen anderen eukaryotischen Zellen frei Bahn hat?

Nicht proteinogene Aminosäuren, Glyphosat, hok/sok - Wenn man sich das alles so anguckt, fragt man sich, warum man eigentlich noch lebt? :-)

jake001
Beiträge: 2691
Registriert: 09.06.2015, 13:53
Wohnort: BW

Re: Rizin - Warum nicht giftig für den Wunderbaum selbst?

Beitrag von jake001 » 23.05.2018, 18:45

Trial and error.
Sind ja auch schon einige draufgegangen durch (S)-Azetidin-2-carbonsäure.
Ich würde die Leute jetzt nicht unbedingt für den Darwin-Award nominieren, es gibt dümmere Arten, sein Erbgut aus der menschlichen Population zu entfernen, aber du weißt, wo ich (argumentativ) hin will.

jake001
Beiträge: 2691
Registriert: 09.06.2015, 13:53
Wohnort: BW

Re: Rizin - Warum nicht giftig für den Wunderbaum selbst?

Beitrag von jake001 » 23.05.2018, 18:51

Im Rhizinus ist es grundsätzlich erst einmal inaktiv:
https://www.sciencedirect.com/topics/ph ... ence/ricin
he resulting proricin is N-glycosylated in the lumen, and protein disulfide isomerases catalyze disulfide bond formation as the proricin chain folds into two globular protein domains. Proricin undergoes further oligosaccharide modifications within the Golgi complex before it is transported within vesicles to the protein bodies (Hiraiwa et al., 1997). The toxins are stored in the protein bodies until their ultimate destruction by hydrolysis, typically only a few days after germination of the mature (Lord, 1985).
Es muss erst hydrolysiert werden ... und das geht eben nicht, so lange keine Hydrolase vorhanden ist oder diese nicht an das Protein kommt (zB, wenn die Proteine als Protein bodies quasi wasserfrei vorliegen).

Aber alles spekulativ, weil ich mir jetzt wirklich nicht die Zeit nehmen will, mich da einzulesen.

jake001
Beiträge: 2691
Registriert: 09.06.2015, 13:53
Wohnort: BW

Re: Rizin - Warum nicht giftig für den Wunderbaum selbst?

Beitrag von jake001 » 23.05.2018, 18:53

Ah, aber zum Thema Inaktivierung in protein bodies empfehle ich Abhandlungen zu bt toxin, welches auch inaktiv vorliegt, bis es durch Enzyme im Magen von Insekten gespalten wird. Dazu sollte es sogar plakative deutsche Artikel geben.

Antworten