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Dreierwirtel bei Paulownia-Jungpflanze?

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abeja
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Dreierwirtel bei Paulownia-Jungpflanze?

Beitrag von abeja » 07.08.2015, 23:01

Hallo,
irgendwie hatte ich in Erinnerung, es sei ein Unterscheidungsmerkmal für diese Monster-Jungbäume mit riesigen Blättern:
Catalpa: oft 3 Blätter am Knoten
Paulownia: immer (?) nur gegenständig.

Nun habe ich so ein Teil im Wald gefunden (jg. Paulownias hatte ich schon mal von Nahem gesehen, jg. Catalpas aber nur von Weitem).
Da hat dieses Ding nun reichlich Dreierwirtel, ansonsten sah es aber den Paulownias zum Verwechseln ähnlich.
Wegen der Blattform (mit Mehrfachspitzen) - und ich sage jetzt auch wg. des Blattspreitengrundes und weil Bilder von Catalpa die kleinsten sich entwickelnden Blättchen oft dunkler und in Richtung rötlich zeigen - wurde im Baumkundforum der Baum als Paulownia bestimmt.

Wie sieht das denn nun aus mit den Dreierwirteln?
Ist es so, dass morphologisch alle (oder fast alle) Pflanzen mit gegenständiger Blattstellung das in besonders rasanten Wachstumsphasen ausbilden können?
Bilder siehe Link zum Baumkundeforum:
http://www.baumkunde.de/forum/viewtopic ... 683#107683
Viele Grüße von abeja

Manfrid
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Re: Dreierwirtel bei Paulownia-Jungpflanze?

Beitrag von Manfrid » 08.08.2015, 11:11

abeja hat geschrieben: Wie sieht das denn nun aus mit den Dreierwirteln?
Ist es so, dass morphologisch alle (oder fast alle) Pflanzen mit gegenständiger Blattstellung das in besonders rasanten Wachstumsphasen ausbilden können?
Da kann man wohl weitgehend zustimmen. Selbst spiralige (m. o. w. 5-zeilige) Blattstellung ist dann möglich, wie ich ja unter "Aberrationen/Anomalien" für die Esche gezeigt habe. (Bei manchen meist 4-zeiligen Pflanzen ist sogar die (spiralige) 5-Zeiligkeit bei besonders starken Trieben viel gewöhnlicher als die 6-Zeiligkeit (mit alternierenden 3er-Wirteln). Und regulär 6-zeilige Pflanzen mit gelegentlich anderen Blattstellungen gibt es natürlich auch.)
Allerdings wäre das mit den "besonders rasanten Wachstumsphasen" noch etwas zu präzisieren. Relativ selten schafft es eine große, gut ausgebildete Triebknospe selbst nach starkem Rückschnitt der Pflanze und bei entsprechend rasantem Austrieb, noch von der angelegten 4-Zeiligkeit (Kreuz-Gegenständigkeit, Dekussation) zu alternierenden Dreierwirteln umzusteigen. Die beim Austrieb maßgebliche Blattstellung hat ein ziemliches Beharrungsvermögen. Die jeweils älteren Augen lassen die Neuentstehung weiterer Augen am Wachstumsscheitel fast nur in der einmal angenommenen Ordnung zu. Daher findet man dann eben oft doch nur riesige Triebe mit riesigen Blättern in der gewohnten Stellung.
Wenn aber so ein Trieb ausreift und Knospen für den Neuaustrieb bildet, in denen ja die Augen wieder stark einander angenähert stehen und entsprechend leichter "neu kombinierbar" sind, dann zeigt die vergangene Wüchsigkeit ihre Wirkung und es werden vermehrt von vornherein Dreierwirtel angelegt. Im Folgejahr verteilt sich nun die Wuchskraft schon auf sehr viel mehr Triebe und ist beim einzelnen Trieb entsprechend stark abgeschwächt. Das Ungleichgewicht zwischen nicht reduzierter Wurzel und reduziertem Sprosssystem ist weitgehend wieder ausgeglichen. Trotzdem treiben jetzt unter Umständen viel mehr 6-zeilige Triebe (schwach) aus als im ersten Jahr mit ungleich höherer Wüchsigkeit. Da darf man sich nicht irritieren lassen.
Ich wollte eigentlich noch ein Bild von einem entsprechenden Fliedertrieb anhängen. Aber es ist mal wieder irgendwie verschütt gegangen im für mich undurchdringlichen digitalen Jungle. Vielleicht später.

Freundliche Grüße! - Manfrid

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abeja
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Re: Dreierwirtel bei Paulownia-Jungpflanze?

Beitrag von abeja » 08.08.2015, 15:36

Hallo Manfrid,
danke für die Erläuterung!
Viele Grüße von abeja

Manfrid
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Re: Dreierwirtel bei Paulownia-Jungpflanze?

Beitrag von Manfrid » 08.08.2015, 18:41

Hier noch das Bild - wenn es auch nicht viel hergibt. Die Mutterachse (erstes Jahr nach Rückschnitt) war 1,5m lang und durchgehend dekussiert. (Nur der oberste Teil ist auf dem Bild zu sehen.) Obere Seitentriebe (über'm roten Strich, 2. Jahr) 2x3-zählig, untere Seitentriebe (ebenfalls 2. Jahr) dekussiert. Die unteren 6-zeiligen und die oberen 4-zeiligen Triebe sind kümmerlich, z. T. abgestorben oder gar nicht erst ausgetrieben. Die "Unentschiedenheit" hat ihnen offenbar zu schaffen gemacht. Der radikal "auf Stock" gesetzte Busch hatte im ersten Jahr 32 starke Triebe, von denen aber nur 2 schon 6-zeilig waren. Die 6-Zeiligkeit war also an den viel schwächeren Trieben des zweiten Jahres viel häufiger.
Bei Deinen wohl erstjährigen Jungbäumen (Ich halte sie auch für Paulownia.) kommt natürlich vorjährige Wüchsigkeit der Mutterachse nicht in Betracht. Vielleicht Dreikeimblättrigkeit des Samens, die ja auch nicht so selten ist. Oder eben eine frühe Umstimmung der Sprossknospe aufgrund üppiger Wuchsbedingungen des Keimlings oder soetwas. Vielleicht erkennt man ja noch etwas von den ganz frühen Blattstellungsverhältnissen.

Freundliche Grüße! - Manfrid
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