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Fleischrote Rosskastanie - ungeeignet als Grenzbaum?

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Doubtfire
Beiträge: 3
Registriert: 14.05.2017, 20:47

Fleischrote Rosskastanie - ungeeignet als Grenzbaum?

Beitrag von Doubtfire » 30.09.2019, 19:26

Hallo liebe Forengemeinde,

ich schreibe heute aus folgendem Grund. In unserem Neubaugebiet hat die Gemeinde entschieden ein Pflanzgebot in die Bebauungsplan mit aufzunehmen. Folgende Bäume sind darin aufgeführt:
  • Feldahorn (Acer camprestre)
  • Spitzahorn (Acer platanoides)
  • Bergahorn (pseudoplatanus)
  • Hainbuche (Carpinus betulus)
  • Roter Hartriegel (Comus sanguinea)
  • Zweigriffliger Weißdorn (Crataegus laevigata)
  • Pfaffenhütchen (Euonymus europaeus)
  • Rotbuche (Fagus sylvatica)
  • Gemeine Esche (Fraxinus excelsior)
  • Gemeiner Liguster (Ligustrum vulgare)
  • Rote Heckenkirsche (Lonicera xylosteum)
  • Vogelkirsche (Prunus avium)
  • Schlehe (Prunus spinosa)
  • Traubeneiche (Quercus petraea)
  • Hundsrose (Rosa canina)
  • Bereifte Rose (Rusa glauca)
  • Weinrose (Rosa rubiginosa)
  • Roter Holunder (Sambucus racemosa)
  • Schwedische Mehlbeere (Sorbus aria)
  • Vogelbeere (Sorbus aucaparia)
  • Sommerlinde (Tilia platyphllos)
  • Flatterulme (Ulmus glabra)
  • Gewöhner Schneeball (Vibumum opulus)
Dem geneigten Leser wird auffallen, dass die Fleischrote Rosskastanie nicht aufgeführt ist. Das hat unsere Gemeinde jedoch nicht davon abgehalten, in unserer Straße auf allen Grundstücken besagten Baum zu pflanzen, der auch mit Grundstückskauf in unser Eigentum übergegangen ist. Sieht man davon ab, dass alle Bäume den Dürresommer 2018 kaum durchgestanden haben und schon viele Äste kaputt zu sein scheinen, halte ich auch die Idee diesen Baum in Straßennähe und unmittelbar an die Grenze der Grundstücke zu setzen für eher schlecht.

Bei Kastanien kommen mir immer Alleen und von Wurzeln zu Buckelpisten umgeformte Gehwege in den Sinn. Und die Kastanie scheint auch ziemlich anfällig für mannigfaltige Baumkrankheiten und Schädlinge zu sein. Ich suche daher auf diesem Weg Argumente, die ich gesammelt unserer Gemeinde vorlegen kann, warum die Fleischrote Rosskastanie eine eher schlechte Wahl als Grenzbaum ist. Vielleicht könnt ihr mir da ein wenig helfen?

Gruß

Marlies
Beiträge: 138
Registriert: 12.08.2019, 22:24

Re: Fleischrote Rosskastanie - ungeeignet als Grenzbaum?

Beitrag von Marlies » 03.10.2019, 15:04

Ein Bekannter von mir stand vor einem ähnlichen Problem. An Folgendes aus unseren Recherchen kann ich mich noch erinnern:

1. Fleischrote Rosskastanien werden in Baumschulen in aller Regel auf Aesculus hippocastanum (Gewöhnliche Rosskastanie) veredelt. Damit dürfte das Buckelpistenproblem relevant sein.
Siehe entsprechend
https://www.pflanzmich.de/produkt/13860 ... gLI0fD_BwE
Anheben von Belägen
2. Bei straßennaher Bebauung: unerwünschte Verschattung und Fassadenbeschädigung durch schabende Zweige
3. Fleischrote R. sollen resistent gegen die Miniermotte sein. Aber was nicht ist, das kann ja noch werden: Das Tier befällt dem Vernehmen nach mittlerweile auch Ahorne.

Gruß von Marlies

Tina
Beiträge: 194
Registriert: 06.09.2013, 18:00

Re: Fleischrote Rosskastanie - ungeeignet als Grenzbaum?

Beitrag von Tina » 09.10.2019, 03:29

Fleischrote R. sollen resistent gegen die Miniermotte sein. Aber was nicht ist, das kann ja noch werden: Das Tier befällt dem Vernehmen nach mittlerweile auch Ahorne.
Nur, wenn sie direkt neben einer Rosskastanie stehen. (Und es ist meines Wissens nach bisher nur der Berg-Ahorn.)

Die nachgewiesenen Nahrungsbäume der Rosskastanien-Miniermotte kann man hier nachlesen:
http://www.lepiforum.de/lepiwiki.pl?Cameraria_Ohridella
Auch die Fleischrote Rosskastanie ist darunter...

In meiner Nachbarstadt wurde vor Jahren eine kleine Allee dieser Hybride gepflanzt, auch mitten im Siedlungsgebiet.
Von Cameraria ohridella wird sie zwar nicht befallen, aber die Blätter werden im Herbst trotzdem vorzeitig braun und sehen alles andere als schön aus. (Woran das liegt, kann ich aus dem fahrenden Auto nicht beurteilen.) Entweder sind die Bäume nicht sonderlich robust, oder ihnen passt der Standort nicht.

Am wertvollsten für die heimische Fauna sollten die heimischen Eichen-Arten sein. Aufgrund der sich verändernden klimatischen Bedingungen dürfte die Traubeneiche im Vorteil sein.
Die gerne gepflanzte Roteiche ist für die heimische Insektenwelt dagegen fast gar nicht nutzbar!, soweit ich weiß.

Grüße,
Tina.

Marlies
Beiträge: 138
Registriert: 12.08.2019, 22:24

Re: Fleischrote Rosskastanie - ungeeignet als Grenzbaum?

Beitrag von Marlies » 09.10.2019, 21:09

Die nachgewiesenen Nahrungsbäume der Rosskastanien-Miniermotte kann man hier nachlesen:
://www.lepiforum.de/lepiwiki.pl?Cameraria_Ohridella
Auch die Fleischrote Rosskastanie ist darunter...
Sieh mal an! Diese Quelle war uns seinerzeit entgangen.
Nun hat unser Fragesteller jede Menge Argumente aber es wird ihm nichts nützen: Die Bäume sind ja schon gesetzt.
Insofern ist es auch müßig, über Bäume mit so breiter, kompakter Krone in EFH-Siedlungen (darum geht es hier offenbar) zu diskutieren. Vielleicht wäre die Blumenesche oder eine Zierkirsche die bessere Wahl gewesen. Aber ich bin kein Stadt- oder Grünflächenplaner...

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