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Pflaumenfeuerschwamm an Sauerkirsche?

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JoMa0815
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Pflaumenfeuerschwamm an Sauerkirsche?

Beitrag von JoMa0815 » 26.04.2020, 13:17

Hallo zusammen,

Bei einem Sauerkirschbaum meiner Eltern ist mir eine bräunliche Wucherung aufgefallen. Hoffentlich gut auf den Bildern zu erkennen, sonst kann ich noch bessere Bilder machen. Ich meine mir ist das letztes Jahr schon aufgefallen aber da hab ichs wohl vergessen und verdrängt. :?
Weiß jemand was das ist?

VG
Joseph
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abeja
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Re: Pflaumenfeuerschwamm an Sauerkirsche?

Beitrag von abeja » 26.04.2020, 17:46

Hallo Joseph,
ich glaube, ihr habt da einen seltenen Pilz im Obstgarten, an für sich könnte man dazu gratulieren 8-) .
Ein Feuerschwamm ist das nicht, denn dieser hätte Poren.
Hier jedoch sehe ich Stacheln, korrekt?

Ich tippe (weil noch nie gesehen) auf den Krustenförmigen Stachelbart, Sarcodontia crocea.
Dieser besiedelt zwar hauptsächlich alte, geschwächte (aber noch lebende) Apfelbäume, kommt aber auch an anderen Obstgehölzen (Pyrus, Prunus, Sorbus) und auch an anderen Laubbäumen vor. Man soll diese Pilzart hauptsächlich auf Streuobstwiesen finden, wo Bäume bis ins hohe Alter stehen bleiben dürfen.

Ein interessantes Dokument (da geht es um Schwächeparasiten an Apfelbäumen, darunter einiges zu Sarcodontia):
https://www.zobodat.at/pdf/Mauritiana_1 ... 3-0388.pdf

Verbreitung in Deutschland:
http://www.pilze-deutschland.de/organis ... otl-1953-1
Viele Grüße von abeja

JoMa0815
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Re: Pflaumenfeuerschwamm an Sauerkirsche?

Beitrag von JoMa0815 » 26.04.2020, 21:45

Schon mal danke für die Ausführliche schnelle Antwort :D.
Ah, ja ich denke mal das ist dieser Sarcodontia crocea. Der scheint ja wirklich selten zu sein. Juhu? Wenigstens befällt er laut den Dokument nur alte schwache Bäume :'D Und ich hab mal nachgeschaut, Sauerkirschsträucher werden gar nicht so alt (wusste ich gar nicht). Weil die jetzige war ürsprünglich vor ca. 18 Jahren als Strauch eingepflanzt worden und jetzt ist sie ein gut 4m hoher Baum. Ich hab das Gefühl Kirschen werden gerne höher als sie sollten :lol:
Aber dann ist das ganze ja vielleicht gar nicht so tragisch und man kann sich vielleicht doch noch auf ein paar letzte Ernten freuen. (Jedenfalls hat er noch einige Blüten)
Die Kirschen sollten ja bestimmt noch Essbar sein?
Was ich mir auch überlegt habe: Könnte ich nicht einen 1 Jährigen Ast abschneiden und dann veredeln (lassen)? So könnte man ihn ja quasi verjüngen? Vielleicht aber nicht am selben Ort pflanzen. Oder breitet sich das durch das Myzell dann in den jungen Trieb auch aus?

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abeja
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Re: Pflaumenfeuerschwamm an Sauerkirsche?

Beitrag von abeja » 26.04.2020, 22:18

Hallo,
die Kirschen sind auf jeden Fall essbar.
Wo überall im Baum aber schon Mycel ist, kann ich nicht sagen ... und ob da noch ein Veredlungsversuch sinnvoll ist.
Ich las nur etwas von einem Baum, wo der Pilz erst an einem Ast war, den hat man entfernt, später auch an anderen Ästen. Ob das immer alte Äste waren?
Weil der Pilz so selten ist, wird es wahrscheinlich auch nicht so viele Erfahrungswerte damit geben.
Viele Grüße von abeja

fotoculus
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Re: Pflaumenfeuerschwamm an Sauerkirsche?

Beitrag von fotoculus » 28.04.2020, 20:05

Es kann gut Sarcodontia sein. Der Pilz hat einen starken unverkennbaren Geruch. Wenn er nicht stark(!) riecht dann könnte es Irpex lacteus sein.
https://www.flickr.com/photos/fotoculus/43322804092
hg
Günter

JoMa0815
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Re: Pflaumenfeuerschwamm an Sauerkirsche?

Beitrag von JoMa0815 » 04.05.2020, 21:43

Hmm, ich schau/riech mal die Tage ob ich was merk :'D
Soweit ich Baumpilze vertstanden habe, glaube ich, dass der eh schon überall im Baum verteilt wurde. Außerdem soll er ja nur an alten schwachen Bäumen vorkommen, also wohl nicht so 'schlimm' bzw natürlich.

fotoculus
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Re: Pflaumenfeuerschwamm an Sauerkirsche?

Beitrag von fotoculus » 05.05.2020, 12:13

Ja, der Geruch ist wirklich sehr wichtig. Er ist deutlich und stark süßlich-aromatisch und unverkennbar. Es gibt noch einige weitere Stachelpilze, die in Frage kommen, z.B. Arten der Gattung Steccherinum (und der bereits genannte Irpex). sie haben alle keinen oder nur einen schwachen Geruch. Unterscheiden kann man sie nur mit dem Mikroskop.
hg
Günter

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abeja
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Re: Pflaumenfeuerschwamm an Sauerkirsche?

Beitrag von abeja » 05.05.2020, 21:39

Hallo Joseph,
versuche bitte doch noch einmal ein "richtige" Nahaufnahme zu machen: wie der Rand des Pilze aussieht und die Unterlage (Subikulum), wie lang die Stacheln sind, ob sie platt sind oder rundlich im Querschnitt, konisch zulaufend, ob irgendwo am Pilz nicht nur Stacheln sind, sondern "komische" Formen (irpicoid, d.h. irgendwie labyrinthisch, unregelmäßig, aufreißende Poren usw.)

Für den Geruch sollte man den Pilz quetschen, las ich gerade ... also nicht aus einem halben Meter Abstand daran riechen, dann soll er fruchtig riechen. Das würde ich auch nur annehmen, wenn es einigermaßen feucht ist, nicht nach wochenlanger Trockenheit.

Hallo Günter,
wir suchen ja auch einen Pilz, der parasitär lebt (leben kann, nicht nur saprobiontisch). Ich habe gerade gelesen, Irpex lacteus soll das wohl können . Ich denke aber, der ist insgesamt heller "milchweiß" und nicht so zweifarbig: Subikulum weißlich, Stacheln fast orange. (?) Jedenfalls wird der allg. nicht als Verwechslungsmöglichkeit genannt,

Soweit ich weiß und gerade nur diagonal gelesen habe, sind die Steccherinum-Arten Saprobionten, d.h. kommen nicht am lebenden Baum, d.h. am noch lebenden Ast vor. Kann man die deshalb hier nicht ausschließen?
Viele Grüße von abeja

fotoculus
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Re: Pflaumenfeuerschwamm an Sauerkirsche?

Beitrag von fotoculus » 07.05.2020, 00:12

Hallo abeja,

Irpex lacteus ist ziemlich vielgestaltig und vielfarbig. Der Pilz, den das das Bild in meiner Galerie zeigt, den ich an einem Obstbaum in Ungarn gefunden und sehr intensiv mikroskopisch untersucht habe, ist sehr ähnlich. Der Komplex Steccherinum/Irpex ist recht kompliziert. Die Arten können durchaus an absterbenden oder geschwächten Ästen vorkommen und sind nicht auf Totholz beschränkt. Eine Nahaufnahme wäre sicherlich von Wert, aber, ob die Identifizierung dann gelingt, ist absolut nicht sicher. Ich bin zwar mit einer physikalischen Arbeit sehr beschäftigt,aber ausnahmsweise würde ich den Pilz auch mikroskopisch untersuchen, falls gewünscht.
Sarcodontia setosa riecht schon aus 1 m Entfernung sehr stark. Er hat frisch gelblich-grünliche Farbtöne, die dann hellbräunlich werden. Ich habe die Art etwa 3-4 mal gefunden. Meist erscheint sie an der Schnittfläche abgebrochener Äste. Mit der Suchfunktion bei flickr findest Du meine und viele andere Abbildungen.
hg
Günter

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Re: Pflaumenfeuerschwamm an Sauerkirsche?

Beitrag von abeja » 09.05.2020, 01:32

Hallo Günter,
danke für deinen Kommentar :D und das Angebot (ist aber leider nicht mein Pilz ... möchte ich auch mal gerne finden ;) )
Ich bin ja so eine Makroskopikerin (weiterhin vermutlich), trotzdem (oder gerade deshalb) schaue ich mir solche Dinge gerne auch mal von ganz Nahem an.
Ich las irgendwo, dass Sarcodontia crocea in der typischen Ausformung und am typischen Standort (ist ja nicht immer) kaum zu verwechseln sei und auch oft in Spalten wachsen würde oder großflächig - und da wurde noch nicht einmal der Geruch erwähnt.
Beim Geruch hatte ich z.B. schon mal bei den sehr auffälligen Geruchsnoten von Mycoacia/Phlebia nothofagi (wie Obstschnaps) oder Antrodiella (edit: Antrodia nicht Antrodiella) xantha (wie Zitrusfrucht), die ich über längere Zeit beobachten konnte, bzw. die an dem Standort mehrere Wuchszyklen hatten, dass der Geruch bei alten trockenen Pilzen fast oder ganz weg war.

Auffällig soll bei Sarcodontia eine relativ dicke untere Schicht (Subikulum) sein, vor allem wenn der Pilz "knubbelig" wächst (ist hier - wenn er es ist - nicht besonders knubbelig). Die Stacheln sollen im Querschnitt rundlich sein und konisch zugespitzt und maximal bis 2 cm Länge erreichen - ist hier geschätzt deutlich unter 1 cm, aber vielleicht etwas mehr als 5 mm). Die Konsistenz (im frischen Zustand dann wahrscheinlich) soll etwas wachsartig sein (was Irpex und Steccherinum m.M. nach überhaupt nicht "können".)
Ich kann mir nicht so gut vorstellen, dass man das aus der Nähe für Irpex oder Steccherinum halten könnte, wo doch dort die "Zähne" abgeflacht und abgesehen von St. ochraceum (mit ganz kurzen, ziemlich regelm. Stachelchen) unregelmößig sind (nicht konisch) und auch nicht so lang.
Für Steccherinum bourdotii (einer mit relativ langen Stacheln) werden "flat spines up to 2,5 mm" Länge genannt.
In Fungi of Temperate Europe sind ja wunderbare Detailaufnahmen von all diesen Kandidaten, inkl. relativ knapper Beschreibung, die aber wohl wesentliche Dinge nennt - da hatte ich gerade noch einmal drin gestöbert.
Insofern glaube ich immer noch daran, mit wirklich guten Nahaufnahmen eine bessere Annäherung machen zu können - es sei denn, das Ding ist alt und zerfallen.

EDIT: ich habe mir gerade diesen sehr farbenprächtigen Irpex lacteus in deiner Galerie angeschaut, dieses Bild hier:
https://www.flickr.com/photos/fotoculus ... otostream/
Wenn man da aber so einen Randbereich sieht, so fluffig ausgedehnt, faserig, nicht wachsig und daran direkt angrenzend eine unregelmäßig poroide Fruchtschicht (wo eben noch nichts aufgerissen ist), dann könnte man in diesem Fall schon makroskopisch Sarcodontia ausschließen.
Zuletzt geändert von abeja am 09.05.2020, 20:42, insgesamt 1-mal geändert.
Viele Grüße von abeja

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Re: Pflaumenfeuerschwamm an Sauerkirsche?

Beitrag von fotoculus » 09.05.2020, 11:32

Füge noch einen "Link" bei: https://www.dgfm-ev.de/publikationen/st ... d/download

Ja, natürlich wird eine Nahaufnahme besseren Aufschluss geben. Wahrscheinlich achtest du auch mehr und besser als ich auf die makroskopischen Merkmale, ich setze mich immer sehr schnell ans Mikroskop. Auch wenn ich geschrieben hatte, es könnte sich um S. setosa handeln, würde ich die Art ausschließen. Aber bei den Stecherinum-Arten gibt es einige sehr ähnliche, da sind nur St. bourdotii und ochracea leicht erkennbar, und die kommen hier nicht in Frage.
Viele Grüße
Günter

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