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Salix triandra (?) mit Rostpilz Melampsora spec. - Art eventuell eindeutig?

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abeja
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Salix triandra (?) mit Rostpilz Melampsora spec. - Art eventuell eindeutig?

Beitrag von abeja » 10.10.2021, 18:27

Hallo,
Ende September habe ich an einer Weide einen Rostpilz gefunden.
Rostpilze auf Weide sind nicht eindeutig makrosk. bis zur Art bestimmbar, vor allem auch weil sie einen Wirtswechsel durchmachen.
@Jule: dein Buch habe ich in der Zwischenzeit. ;)
Auf deiner Webseite steht aber auch, dass bei der Mandel-Weide (Salix triandra) die Sache am ehesten eindeutig sein könnte, da käme nur Melampsora amygdalinae vor und eventuell noch Melampsora ribesii-viminalis.

Jetzt ist natürlich zuerst die Frage, ob es eine eindeutige Mandel-Weide ist, Salix triandra ?
Bei Weiden bin ich unsicher ...
Kleiner Strauch, verzweigt von ganz unten, nur ein paar sehr ausladende Äste, Bachufer auf kalkhaltigem Boden (aber im Siedlungsbereich, Sackgasse).
Ich bin da immer nur vorbeigekommen, wenn weder Blüten noch Früchte sichtbar waren.
Auffällig sind die langen rel. grob gesägten Blätter, glänzend dunkelgrün auf der Oberseite, unterseits bläulicher, keine Behaarung sichtbar, sehr prominente Nebenblätter, viel Rotanteil an Stängeln etc.
An den Zweigen habe ich nicht gekratzt.

Der Rostpilz macht gelbe Flecken (sichtbar besonders auf der Oberseite) und sowohl auf der Oberseite als auch auf der Unterseite sind Uredien (? nehme ich an), wo sich gerade die Epidermis geöffnet hatte, an manchen Stellen ist das Häutchen noch intakt. ("Ultranah-Aufnahmen")

Ist es irgendwie ungewöhnlich, dass die Uredien bei Melampsora auf beiden Seiten sind?
Wenn bei Melampsora amygdalinae auch besonders Zweige und Früchte befallen werden sollen: da war nichts, nur diese Pünktchen auf den Blättern.
Kann man den Fund irgendwie eingrenzen?
Salix triandra_09-2021.jpg
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Salix_Nebenblätter_09-2021.jpg
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Viele Grüße von abeja

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bryotom
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Re: Salix triandra (?) mit Rostpilz Melampsora spec. - Art eventuell eindeutig?

Beitrag von bryotom » 12.10.2021, 20:59

Hallo Abeja, die Blattform, die knorpelig gezähnten Blattränder und die deutlich gestielten Nekrarien am Spreitengrund sprechen m.E. für Salix triandra. Zum Pilzchen können evtl. berufenere Spezies etwas Genaues sagen. Beste Grüße Thomas

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abeja
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Re: Salix triandra (?) mit Rostpilz Melampsora spec. - Art eventuell eindeutig?

Beitrag von abeja » 12.10.2021, 22:12

Hallo Thomas,
danke für die Infos zur Weide (wegen des Rostpilzes schreibe ich eine PN an Jule), das mit den stiftförmigen Nektarien steht gar nicht überall - und ich hatte auch gar nicht darauf geachtet.
Das scheint damit sicher S. triandra zu sein.
Aus https://core.ac.uk/download/pdf/14527167.pdf (Zander "Untersuchungen zur Identifizierung ausgewählter Vertreter der Gattung Salix L. im NO-deutschen Tiefland, unter besonderer Berücksichtigung des Salix-repens-Komplexes)
Salix triandra L. Mandel-Weide Strauch breit ausladend, 2-4 (7) m hoch; Äste krumm, alte Exemplare oft auseinanderbrechend; Rinde älterer Äste sich in Fetzen schuppig ablösend, junge Rinde zimtbraun; junge Triebe gelbgrün bis bräunlich, kahl oder schnell verkahlend
Blätter lanzettlich, nur jung unterseits schwach behaart, 3-5 (7) mal so lang wie breit; Blattgrund halbkreisförmig zusammengezogen, vorn zugespitzt; größte Blattbreite in der Mitte oder kurz unter der Mitte, Blattrand fein drüsig gezähnt; an der Blattbasis zwei, mehr (ssp. triandra) oder weniger (ssp. discolor) stiftförmige Petiolardrüsen; Blattoberseite glänzend, grün; Blattunterseite nur wenig heller als Oberseite und schwach glänzend, Blattstiel ca. 10 % der Spreitenlänge (ssp. triandra); Unterseite mit bleichem Wachsüberzug, blau-grau, matt, Blattstiel ca. 20 % der Spreitenlänge (ssp. discolor); Nebenblätter nierenförmig, meist vorhanden, Blütezeit Anfang April - Mitte Mai, zusammen mit der Blattentfaltung; Kätzchen zylindrisch schlank, meist aufrecht stehend, 4-8 cm lang, 0,5-1 cm im Durchmesser, insbesondere die weiblichen sehr schmal; Kätzchenstiel 2-5 cm lang; Staubfäden 3, frei, bis zur Mitte locker behaart; Fruchtknoten spindelförmig, kahl und deutlich gestielt;
Narbenäste dick, seitwärts gebogen; Tragblätter einfarbig, hellgrün, am Grund kurz kraus behaart, zur Spitze verkahlend; männliche Blüten mit 2 Nektarien, weibliche mit einem Nektarium, Standorte an Flußufern auf den Anschlickungen, an krautreichen Bachufern und an Altwässern
Verbreitung (ssp. triandra); an sandigen, kiesigen Uferbänken, mehr in lufttrockenen Gegenden (ssp. discolor); Salicetum-triandrae-Charakterart
Häufigkeit in fast ganz Europa bis nach Asien, fehlt im Norden und äußersten Südwesten Europas; insbesondere in den Flußniederungen des Tieflandes häufig, der Mittel- und Vorgebirge zerstreut; bei S. triandra ist im Gebiet von zwei geographischen Rassen auszugehen, welche in der Regel als Unterarten angegeben werden; ssp. triandra mehr im atlantisch geprägten Klima und ssp. discolor mehr im kontinentalen Klima und im Vorgebirge
Vom Bild mit den Nebenblättern hatte ich etwas abgeschnitten, da sieht man es deutlich:
Stiftförmige Nektarien.jpg
Stiftförmige Nektarien.jpg (81.64 KiB) 64 mal betrachtet
Viele Grüße von abeja

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