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Myosotis dubia vs. discolor

Wer eine Wildpflanze aus Europa bestimmt haben möchte, kann hier eine Bestimmungsanfrage dazu stellen.

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TIPP: Je mehr Detailbilder ihr von einer Pflanze zeigt, also zum Beispiel Gesamtaufnahme der Pflanze, Blatt + Blüte von oben und unten, Stängel unten + oben, Früchte oder weiteres, desto größer ist der Bestimmungserfolg und die Artansprache hier im Forum.
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Svampskogen
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Myosotis dubia vs. discolor

Beitrag von Svampskogen » 05.02.2021, 11:49

Hallo zusammen

Kennt hier im Forum jemand Myosotis dubia, eine M. discolor nahe stehende Art, die besonders aus Frankreich bekannt ist? Auf diesen Namen bin ich in der Flora Gallica gestossen. Und auf dieser Webseite habe ich interessanterweise auch Bilder von M. dubia aus Deutschland gefunden: http://www.guenther-blaich.de/pflseite. ... mbor&lan=x
Ich habe mal alte Bilder (Mai 2017) von M. discolor aus Südwestschweden (aus Schweden ist M. dubia nicht bekannt) angeschaut, um die Unterschiede der beiden Taxa ein bisschen zu studieren. Leider sind die Fotos aber sehr schlecht und für eine exakte Bestimmung wohl nicht gerade geeignet... aber ein Versuch ist's dennoch wert! Ich denke, die meisten auf den Fotos erkennbaren Merkmale sprechen wohl für die klassische M. discolor. Sicher bin ich mir aber keineswegs (aber wie gesagt, sind die Fotos wohl nicht gut genug für eine sichere Bestimmung).

Für M. discolor sprechen wohl folgende Merkmale (sofern ich alles richtig verstehe in der Flora Gallica):
-die beiden obersten Stängelblätter zumindest teilweise +/- gegenständig
-die beiden endständigen Blütenäste +/- gleich lang und mindestens die Hälfte der Gesamthöhe der Pflanze einnehmend

Für M. dubia spricht jedoch das Merkmal, dass die Blütenstiele einen 1-2 mm langen Blütenstiel haben (bei M. discolor "subsessile", also fast sitzend)

Beste Grüsse
Jonas
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Kraichgauer
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Re: Myosotis dubia vs. discolor

Beitrag von Kraichgauer » 05.02.2021, 12:45

Nein, das sind ganz normale discolor.

Der Entdecker von M. dubia in Deutschland ist Markus Sonnberger, der sie in der Rödermark erstmals gefunden und identifiziert hat. Leider ist der Titel des entsprechenden Artikels etwas kryptisch:
Sonnberger, M. (2019): Berichte zu ausgewählten Exkursionen der BAS-Regionalgruppe Kurpfalz 2018 sowie Kartierhinweise. – Die Pflanzenpresse 40: 13 ff.

In der Zwischenzeit haben viele Leute nach weiterer dubia hier im Südwesten gesucht und bisher keine (!) gefunden, auch in den Herbarien nicht. Das Vorkommen in der Rödermark bleibt bisher das einzige. Das will aber nichts heißen, die Art ist sehr leicht zu übersehen.

Die Unterscheidungsmerkmale (und die sind im Gelände gut zu erkennen) heißen:
10 – 30 cm. Wie M. discolor, aber: BlüStand proportional noch kleiner. BlüKrone stets trichterförmig, kleiner. Vielblättriger (oft > 8 StgBl). HochBl unterhalb des BlüStands fehlend. Die sichere Trennung geht über die Zytologie, M. dubia ist diploid (2n = 36) (M. discolor ist tetraploid!).

Anbei zwei Vergleichsphotos.

Gruß Michael
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Svampskogen
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Re: Myosotis dubia vs. discolor

Beitrag von Svampskogen » 05.02.2021, 19:12

Hallo Michael

Vielen Dank für diese interessante Antwort und gleich auch noch die Bestimmung meines Myosotis. Ich war mir eben nicht ganz sicher, ob die Fundmeldung von M. dubia aus Deutschland auch wirklich verifiziert ist! Demnach müsste M. dubia dann ja eigentlich in der nächsten Auflage des Rothmalers auch auftauchen.
Deine Merkmalsbeschreibung habe ich mir übrigens gleich noch in die Flora Gallica kopiert!

Beste Grüsse
Jonas

Kraichgauer
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Re: Myosotis dubia vs. discolor

Beitrag von Kraichgauer » 05.02.2021, 21:33

Ob die es noch in den neuen Rothmaler schafft, glaube ich eher nicht, da dessen Manuskripte meist schon längere Zeit auf Halde liegen... Aber jetzt soll er ja im April oder Mai endlich erscheinen.

Übrigens sind es mehrere Vorkommen in der Rödermark, aber in direkter Nachbarschaft von wenigen km.

Gruß Michael

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