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Welcher Bodendecker

Wer eine Wildpflanze aus Europa bestimmt haben möchte, kann hier eine Bestimmungsanfrage dazu stellen.

Moderatoren: akw, Jule

Forumsregeln
1. Bildanhänge für Themen und neue Beiträge dürfen nicht größer als 800 x 600 sein, ansonsten funktioniert der Upload nicht!

2. Bitte zu jeder Anfrage einen Fundort (Land,Stadt, Umgebung, Habitat etc.) und Funddatum angeben
3. Bitte nicht mehr als 3 Pflanzen pro Thema anfragen (wird sonst unübersichtlich)
4. Herbarium-Anfragen von Schülern und Studenten werden NUR noch mit eigenen Bestimmungsversuchen akzeptiert - Sonst Löschung des Beitrages

TIPP: Je mehr Detailbilder ihr von einer Pflanze zeigt, also zum Beispiel Gesamtaufnahme der Pflanze, Blatt + Blüte von oben und unten, Stängel unten + oben, Früchte oder weiteres, desto größer ist der Bestimmungserfolg und die Artansprache hier im Forum.
Weiterhin viel Spass im Forum :)
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Aras
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Welcher Bodendecker

Beitrag von Aras » 27.08.2020, 22:48

Berlin, Bäkepark, 2020-08-20:

Liebe Pflanzenprofis,
um welche Pflanze handelt es sich hier?
Viele Grüße
Aras
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botanix
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Re: Welcher Bodendecker

Beitrag von botanix » 27.08.2020, 23:34

Hallo,

Vogel-Knöterich, Polygonum aviculare agg.

Gruß
Peter
alte Botanikerweisheit: man sieht nur was man kennt

Aras
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Re: Welcher Bodendecker

Beitrag von Aras » 31.08.2020, 22:30

Danke Peter für die schnelle Antwort.

Ich habe eine Folgefrage dazu:
seit einigen Monaten beschäftige ich mich mit Wildkräutern und habe sie zu schätzen gelernt. Seitdem stehe ich auf Kriegsfuss mit dem Rasen: es schluckt sehr viel wertvolles Wasser, bietet keinen Lebensraum und Nahrung für die Insekten (Bienen, Schmetterlinge, ...), ist für Menschen kulinarisch nicht verwertbar, ist keine Bereicherung für den Boden (wie Luzerne oder Klee) und vieeeeeeeeeeeeeeles mehr.

Daher haben wir letzte Woche, den fast ausgetrockneten Rasenboden neu tief vertikutiert und mit einer neuen Erdschicht aus unserem Kompost bedeckt. Jetzt suchen wir nach Pflanzen, die wir stattdessen anpflanzen können, die genau diese Nachteile nicht haben.
- Was können wir da als Bodendecker nehmen: Vogelknöterich? Gundermann? Klee? Fingerkraut? ???
- Ist es nicht zu spät für dieses Jahr?
- Ich habe neulich viele Samen gesammelt von Graukresse, Nachtkerze, Hornklee, Wicke, Mohn und mehr. Würden sie in diesem Jahr nochmal keimen und blühen oder ist das Thema für dieses Jahr durch?
- Gibt es andere Anregungen für die Gestaltung unseres Gartens, damit er eine Bereicherung für die Natur wird?

Viele Grüße
Aras

Zeit
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Re: Welcher Bodendecker

Beitrag von Zeit » 31.08.2020, 23:03

Alles, was jetzt reife Samen abwirft, kannst du freilich gleich ausbringen. Manche davon werden erst im Frühjahr keimen, andere bilden jetzt schon Pflanzen aus, die dann im nächsten Jahr "richtig loslegen".

Einen Bereich mit ein- und zweijährigen Pflanzen anlegen, die sich dann immer wieder aussamen, ist schon mal eine gute Idee. Wenn du eine schöne Mischung hast, wird auch für viele Wochen etwas für Insekten zu finden sein.

Zusätzlich kannst du Stauden und blühende Gehölze pflanzen, da gibt es viele viele Möglichkeiten und man findet Arten-Empfehlungen online. Schön ist es, wenn wirklich von Frühling bis in den Spätherbst etwas blüht. Außerdem kannst du mit einem "Insektenhotel" den Krabblern Unterschlupf gewähren (oder mit Fledermaus- und Vogelkasten denen, die sich von Krabblern ernähren).

Alles ist besser als ein einförmiger Rasen :)

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Anagallis
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Re: Welcher Bodendecker

Beitrag von Anagallis » 31.08.2020, 23:11

Muß es denn etwas rasenartiges sein? Viele Insekten freuen sich über eine Wildblumenwiese aus heimischem Saatgut. Die meisten Saatmischungen aus Bau-, Super- und sonstigen Märkten sind für diesen Zweck völlig ungeeignet. Ich habe mir eine solche Fläche schon vor Jahren angelegt mit allerlei aus Wiesen gesammelten Samen und bin damit sehr zufrieden.

Außer den hartnäckigsten Unkräutern wird dieses Jahr nichts mehr blühen.

* Gundermann, Weißklee und Fingerkraut sind so ziemlich das letzte, was man sich freiwillig in den Garten setzt, weil sich gerade diese Arten aufs Übelste überall verbreiten.
* Beim Vogelknöterich dürften Erfahrungswerte als "Zierpflanze" fehlen.
* Hornklee im Garten bereue ich bitterlich, weil der überall rumwuchert und meterlange Pfahlwurzeln hat, die kaum zu beseitigen sind.
* Klee und andere Schmetterlingsblütler sind Stickstoffsammler und düngen den Boden. Aus ökologischer Sicht sind aber magere Flächen wertvoller.
* Nachkerzen sind Neophyten die sich schon ohne Hilfe ausbreiten. Muß man nicht unbedingt noch fördern. Blühen hübsch und über einen langen Zeitraum, produzieren aber auch Myriaden Samen.
* Als "Wicke" werden in der Regel Lathyrus odoratus und Lathyrus latifolius bezeichnet, also Platterbsen. Das sind wertvolle Pflanzen für einen insektenfreundlichen Garten. Allerdings sind das Kletterpflanzen; in den Rasen passen die nicht.
* Graukresse: Bei Euch einheimisch und prinzipiell auch im Garten nicht zu beanstanden. Ist aber nicht sehr konkurrenzverträglich.
* Mohn: Einheimische Mohnarten sind einjährig und wachsen auf offenen und gestörten Böden. Gegen Stauden können sie sich nicht behaupten. Gegen die Kultur im Garten spricht nichts.

Unser lokaler Naturschutzverein bietet eine Liste mit (im Südwesten) einheimischen Gartenpflanzen an, die neben einem Augenschmaus auch Nahrung und Lebensraum für vielerlei Tiere bieten. Da findest Du sicher Anregungen:
https://agnus-bruchsal.com/aktuelles/ne ... artenliste

Vielleicht weiß noch eine Kollegin hier eine gute Saatmischung für Wildblumenwiesen?

Marlies
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Re: Welcher Bodendecker

Beitrag von Marlies » 01.09.2020, 13:58

Sehr gut informieren kannst du dich bei der Wildsameninsel von Uta Kietsch https://www.wildsamen-insel.de/. Dort geht es um Regio-Saatgutmischungen, die im und für das Herkunftsgebiet 22 produziert werden. Berlin liegt an dessen Rand.

Zuerst solltet ihr aber überlegen, was ihr eigentlich genau wollt:
Eine Blumenwiese oder einen Blumenrasen? Das ist ein Unterschied, ist alles auf genannter Seite erklärt.
Oder doch ein Wildstaudenbeet, vielleicht mit eingestreuten Ein- und Zweijährigen? Auch dazu sagt die Seite etwas, unter Wildkräuter.

Es gibt noch x andere Ideen, was man machen kann - und wovon man lieber die Finger lassen sollte. Bei Anagallis klang das ja schon an. Du kannst doch dazu ein extra Thema unter Klatsch und Tratsch aufmachen.

Marlies

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Lilgish
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Re: Welcher Bodendecker

Beitrag von Lilgish » 01.09.2020, 17:26

Die Anlage einer Blumenwiese ist immer eine gute Idee. Allerdings war es keine so gute Idee, die Stelle mit Komposterde aufzufüllen. Die ist viel zu nährstoffreich. Du kannst die Fläche mit Sand wieder abmagern. Empfehlenswert ist es auch Klappertopf einzusähen da er an den Graswurzeln parasitiert und die Gräser zumindest im Sommer dadurch reduziert. Das ermöglicht anderen Pflanzen, dort besser keimen zu können.
Das Saatgut davon ist im Handel in vielen Läden online erhältlich.
Flockenblumen, Heilziest, Kartäusernelke, Großes Windröschen, Mageriten und Tausendgüldenkraut sind auch alles sehr anspruchslose Arten die ich auf meinem Trockenrasenstück im Garten habe und mir viel Freude bereiten. Diese Arten brauchen auch im Sommer kaum zusätzliches Wasser.

Du solltest allerdings bedenken, das Du auf so einer Wiese natürlich nicht mehr so herumlaufen kannst wie auf einem normalen Rasen. Am besten nur betreten wenn einmal im Jahr gemäht wird.

Aras
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Re: Welcher Bodendecker

Beitrag von Aras » 01.09.2020, 18:21

Hallo zusammen,

vielen lieben Dank für so viel Unterstützung und gute Tipps. Ich werde mir jetzt Zeit nehmen und allen Hinweisen nachgehen und weiter recherchieren.

Es kam die Frage hoch, was wir uns eigentlich wünschen:
Wir möchten eine "grüne Fläche" bekommen, die nicht zu hoch ist (damit begehbar) und vor allem mit möglichst wenig Wasser und Dünger auskommt. Es können dann inselförmig einige Flächen geben, die höher wachsen. Ich denke der Hauptfokus liegt jedoch bei der Grund-Bedeckung des Bodens.

In diesem Jahr hatten wir in einer Ecke viel Wiesenklee. Das wuchst gut, war nicht zu hoch und vor allem sehr gut von Insekten besucht. Wären Breit- und Spitzwegeriche nicht auch eine gute robuste Art der Begrünung? Zumindest sehe ich sie an sehr vielen trockenen Stellen. Wir hätten kein Problem damit, wenn die eine oder andere Pflanze wuchert, daher auch die Idee mit Gundermann oder Vogelknöterich. Wir würden auch sehr viele Wildkräuter, die sich selbst aussäen, stehen lassen. So z.B. der Löwenzahn, Berufkraut und sogar Gänsefuß. In einem Park hatte ich auch eine wuchernde Fläche von Portulak gesehen. Das was interessant, weil die benachbarte Rasenfläche ausgetrocknet war.

Viele Grüße
Aras

Marlies
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Re: Welcher Bodendecker

Beitrag von Marlies » 02.09.2020, 01:16

Aras hat geschrieben:
01.09.2020, 18:21
Wir würden auch sehr viele Wildkräuter, die sich selbst aussäen, stehen lassen. So z.B. der Löwenzahn, Berufkraut und sogar Gänsefuß.
Prinzipiell machen wir das auch so, aber hüte dich vor den Berufkräutern! Die produzieren Myriaden von Samen. Einjähriges und Kanadisches Berufkraut reiße ich deshalb immer gleich aus, obwohl das Einjährige doch so hübsch ist.
Aras hat geschrieben:
01.09.2020, 18:21
Portulak
Interessante Alternative. Der wächst ja sogar in Pflasterritzen und Rasengittersteinen. Ich weiß nur nicht, ob man darauf intensiv umherlaufen kann.

Marlies

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