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weiße Blütendolden im lichten Mischwald

Wer eine Wildpflanze aus Europa bestimmt haben möchte, kann hier eine Bestimmungsanfrage dazu stellen.

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2. Bitte zu jeder Anfrage einen Fundort (Land,Stadt, Umgebung, Habitat etc.) und Funddatum angeben
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TIPP: Je mehr Detailbilder ihr von einer Pflanze zeigt, also zum Beispiel Gesamtaufnahme der Pflanze, Blatt + Blüte von oben und unten, Stängel unten + oben, Früchte oder weiteres, desto größer ist der Bestimmungserfolg und die Artansprache hier im Forum.
Weiterhin viel Spass im Forum :)
Renardo55
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weiße Blütendolden im lichten Mischwald

Beitrag von Renardo55 » 15.07.2020, 13:58

Hallo Experten,

vorgestern habe ich bei Neustadt an der Weinstraße (Rheinland-Pfalz) eine 120 bis über 200 cm hohe Pflanze mit weißen Blütendolden entdeckt, die Blüten verströmten einen recht intensiven süßlichen Duft.
Fundort war ein Wegrand im lichten Mischwald (vorwiegend Kiefern, auch Eichen) auf etwa 400 Höhenmetern mit kalkarmem, sandigem Boden.

Um welche Pflanze handelt es sich hier?

Für Eure Mühe vielen Dank im Voraus!

Liebe Grüße

Renardo
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Blütenstände
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Anagallis
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Re: weiße Blütendolden im lichten Mischwald

Beitrag von Anagallis » 15.07.2020, 14:09

Es sind genaugenommen keine Dolden, sondern Schrimrispen. (Die Äste gehen nicht alle von einem Punkt aus.) Die Pflanze gehört zur Artengruppe Valeriana officinalis agg..

Manfrid
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Re: weiße Blütendolden im lichten Mischwald

Beitrag von Manfrid » 15.07.2020, 20:27

Anagallis hat geschrieben:
15.07.2020, 14:09
Es sind genaugenommen keine Dolden, sondern Schrimrispen.
Und noch genauer genommen sind es auch keine Schirmrispen, sondern (Schirm-)Thyrsen: Jede Seitenachsen-Generation endet darin nach einem zweiblättrigen Knoten entweder blind oder (bei Seitenachsen höheren Grades) in einem Blütchen und wird dann von zwei Tochterachsen (dichasial) fortgesetzt. Endlich sogar mal ein ziemlich eindeutiger Thyrsus.

Manfrid

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Anagallis
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Re: weiße Blütendolden im lichten Mischwald

Beitrag von Anagallis » 15.07.2020, 21:48

Den Unterschied werde ich nie begreifen.

Marlies
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Re: weiße Blütendolden im lichten Mischwald

Beitrag von Marlies » 16.07.2020, 13:51

Manfrid hat geschrieben:
15.07.2020, 20:27
Jede Seitenachsen-Generation endet darin nach einem zweiblättrigen Knoten entweder blind oder (bei Seitenachsen höheren Grades) in einem Blütchen und wird dann von zwei Tochterachsen (dichasial) fortgesetzt.
Du meine Güte!
Jeder der Äste eines solchen Schirm-Thyrsus sähe dann also ... wie aus? Beispielsweise so?
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Marlies

Manfrid
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Re: weiße Blütendolden im lichten Mischwald

Beitrag von Manfrid » 16.07.2020, 20:36

Ja.

Marlies
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Re: weiße Blütendolden im lichten Mischwald

Beitrag von Marlies » 16.07.2020, 21:53

:)

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Re: weiße Blütendolden im lichten Mischwald

Beitrag von Anagallis » 16.07.2020, 22:45

Also die Theorie in Ehren, aber für 'nen Thyrsus haben die Blütenstände auf dem Bild 'ne ganz schön ausgeprägte Hauptachse.

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Re: weiße Blütendolden im lichten Mischwald

Beitrag von Manfrid » 17.07.2020, 09:29

Ein Thyrsus hat "'ne ganz schön ausgeprägte Hauptachse". Nur seine Seitentriebe (Cymen) nicht. Was Marlies dargestellt hatte, war so eine Cyme. Allerdings hat ein normal kräftiges Exemplar von Valeriana auch keine Endblüte an der Hauptachse, was ebenfalls typisch für einen Thyrsus ist. Aber bis zu diesem Punkt des fehlenden Endes ist die Hauptachse "ganz schön ausgeprägt" - wie auch bei Lamiaceae und anderen Gruppen mit klassischen Thyrsen. Bei "richtigen" Rispen (also nicht unbedingt bei den andernorts diskutierten Schirmrispen) dominieren die (relativen) Hauptachsen und ihre Endblüten oder -Blütengruppen (Köpfchen, Ährchen etc.) auch in den Verzweigungen höheren Grades.
Allerdings wirst Du beim Baldrian auch - im unteren Bereich des Gesamtblütenstandes - Seitentriebe mit mehr als einem Vorblattknoten finden können, die also den Bau der Hauptachse in kleinerem Maßstab m. o. w. wiederholen. Das sind dann Bereicherungstriebe (Parakladien). Sie gehören nicht mehr zum eigentlichen Haupt-Thyrsus. Der ganze Blütenstand wäre dann ein Doppelthyrsus.

Manfrid

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Re: weiße Blütendolden im lichten Mischwald

Beitrag von Anagallis » 17.07.2020, 11:43

Aha, dann ist ein Thyrsus also doch bloß ein Sonderfall einer Rispe. Dann bin ich ja beruhigt und muß doch nix neues lernen.

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Re: weiße Blütendolden im lichten Mischwald

Beitrag von Manfrid » 17.07.2020, 20:14

Manfrid hat geschrieben:
17.07.2020, 09:29
Bei "richtigen" Rispen (also nicht unbedingt bei den andernorts diskutierten Schirmrispen) dominieren die (relativen) Hauptachsen und ihre Endblüten oder -Blütengruppen (Köpfchen, Ährchen etc.) auch in den Verzweigungen höheren Grades.
Wie willst Du da den Thyrsus als "Sonderfall" integrieren?
Rein begrifflich sind Thyrsus und Rispe Gegensätze. Allerdings, wie andernorts z. B. an Campanula gezeigt, lassen sich an konkreten Blütenständen bei genauerer Analyse meist (ich glaube sogar: immer) auch Spuren dessen finden, was der jeweils vordergründigen Zuordnung widerspricht.

Manfrid

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Re: weiße Blütendolden im lichten Mischwald

Beitrag von Anagallis » 17.07.2020, 23:27

"Hauptachse mit reich verzweigten Seitenästen" tut's für mich als praktische Definition und trifft auf beides zu. Alle weitere Theorie ist untauglich für die praktische Arbeit.

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Re: weiße Blütendolden im lichten Mischwald

Beitrag von Manfrid » 18.07.2020, 09:26

Kommt drauf an, was man unter "praktischer Arbeit" versteht. Für das Verfolgen morphologischer Zusammenhänge ist Deine "praktische Definition" ein bisschen grob.

Manfrid

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Re: weiße Blütendolden im lichten Mischwald

Beitrag von Marlies » 18.07.2020, 17:18

Bei "untauglich für die praktische Arbeit" fällt mir eher die extreme Artensplitterei ein, ehrlich gesagt.
*Ende der Abschweifung*
Marlies

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Re: weiße Blütendolden im lichten Mischwald

Beitrag von Anagallis » 18.07.2020, 19:27

Das schließt sich ja nicht gegenseitig aus.

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