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Saxifraga hirsuta höchstw. Saxifraga × geum Nelkenwurz-Steinbrech

Wer eine Wildpflanze aus Europa bestimmt haben möchte, kann hier eine Bestimmungsanfrage dazu stellen.

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2. Bitte zu jeder Anfrage einen Fundort (Land,Stadt, Umgebung, Habitat etc.) und Funddatum angeben
3. Bitte nicht mehr als 3 Pflanzen pro Thema anfragen (wird sonst unübersichtlich)
4. Herbarium-Anfragen von Schülern und Studenten werden NUR noch mit eigenen Bestimmungsversuchen akzeptiert - Sonst Löschung des Beitrages

TIPP: Je mehr Detailbilder ihr von einer Pflanze zeigt, also zum Beispiel Gesamtaufnahme der Pflanze, Blatt + Blüte von oben und unten, Stängel unten + oben, Früchte oder weiteres, desto größer ist der Bestimmungserfolg und die Artansprache hier im Forum.
Weiterhin viel Spass im Forum :)
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Garibaldi
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Saxifraga hirsuta höchstw. Saxifraga × geum Nelkenwurz-Steinbrech

Beitrag von Garibaldi » 06.12.2018, 22:40

Und dieser Steinbrech ist vermutlich eine verwilderte Gartenpflanze? Aus der Nähe von Innsbruck, Tirol, in der Nähe eines verwildernden Friedhofs, Ende Mai 2017. Möglicherweise Saxifraga hirsuta Rauhaar-Steinbrech?
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Flor_alf
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Re: Saxifraga hirsuta Rauhaar-Steinbrech (?)

Beitrag von Flor_alf » 07.12.2018, 09:11

Das sollte stimmen.
Grüße
Alfred

Garibaldi
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Registriert: 17.05.2014, 12:33

Re: Saxifraga hirsuta Rauhaar-Steinbrech ja!

Beitrag von Garibaldi » 07.12.2018, 11:23

Danke :-) VG Oliver

norbert griebl
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Re: Saxifraga hirsuta Rauhaar-Steinbrech ja!

Beitrag von norbert griebl » 08.12.2018, 09:25

Servus Oliver!

Ich glaube, es handelt sich um den Nelkenwurz-Steinbrech, Saxifraga ×geum, der Naturhybride aus den beiden pyrenäischen Arten Nieren-Steinbrech, Saxifraga hirsuta, und Schatten-Steinbrech, Saxifraga umbrosa. Diese Sippe wird viel häufiger kultiviert als der reine Saxifraga hirsuta, der kaum oder gar nicht gezogen wird. Ich hänge zum Vergleich Fotos vom reinen Saxifraga hirsuta an.
Verwilderungen vom Nelkenwurz-Steinbrech werden mehrfach gemeldet, so aus einem Sandsteinbruch bei Krum in Bayern (Meierott 2008), bei Dornholzhausen in Hessen (Buttler 1998), Neustrelitz in Mecklenburg-Vorpommern (Fukarek & Henker 2005), Herne-Holthausen und am Sommerbad-Teich in Herne, Nordrhein-Westfalen (BBV 2010), Blankenburg in Sachsen-Anhalt (Rothmaler 2002), Thüringen (Zürndorf & al. 2006), Niederösterreich, Christkindl, Kremsursprung bei Michelbach, Spitzgraben bei Vorderstoder, Grünau bei Spital am Pyhrn und Ruine Seisenburg bei Pettenbach in Oberösterreich (Essl 2004), Müllner Hauptstraße, Pezoltgasse und Alexander-Moissi-Straße in der Stadt Salzburg (Gewolf & al. 2008), in einem luftfeuchten Mischwald in der Wasserfallschlucht bei Badgastein im Salzburger Pongau (Stöhr & al. 2007), Wildalpen in der Steiermark (Essl & Rabitsch 2002), Wängle, Höfen und Reutte in Nordtirol (Cerny 2001, Polatschek & Neuner 2013) und Riezlern, Kleines Walsertal und Frastanz in Vorarlberg (Fischer & al. 2008, Amann 2016).

Liebe Grüße
Norbert

Quellen:
AMANN G. (2016): Aktualisierte Rote Liste der Farn- und Blütenpflanzen Vorarlbergs – Bucher-Verlag, 256 S.
BBV-Bochumer Botanischer Verein (2010): Bemerkenswerte Pflanzenvorkommen im Bochum-Herner Raum (Nordrhein-Westfalen) in den Jahren 2007 und 2008 - Jahrb. Bochumer Bot. Ver.2: 128–143.
BUTTLER K.P. (1998): Fundmeldungen Neufunde-Bestätigungen-Verluste – Botanik und Naturschutz in Hessen 10: 169–196.
DÖRR E. & LIPPERT W. (2001): Flora des Allgäus und seiner Umgebung Band 1 – IHW-Verlag Eching, 680 S.
ESSL F. & RABITSCH W. (2002): Neobiota in Österreich. – Wien, Umweltbundesamt; 432 S.
ESSL F. (2004): Verbreitung und vegetationskundlicher Anschluss von Saxifraga ×urbium, S. ×geum und S. cuneifolia in Oberösterreich. Verh.Zool.-Bot. Ges. Hösterreich 141: 13–41.
FUKAREK F. & HENKER H. (2005): Flora von Mecklenburg-Vorpommern – Farn- und Blütenpflanzen. Herausgegeben von Heinz HENKER und Christian BERG, Weißdorn-Verlag Jena, 428 S.
GEWOLF S., SCHRÖCK Ch., KAISER R., STÖHR O., PILSL P. & NOWOTNY G. (2008): Neophytenflora der Stadt Salzburg (Österreich) – Sauteria-Schriftenreihe f. systematische Botanik, Floristik u. Geobotanik 17: 1–596.
HOHLA M. (2015): Zobodat-Herbarbelege – http://www.zobodat.at/belege.php?id=100401453
KAPLAN K. (1995): Saxifragaceae. — In: Weber H.E. (Hrsg.): Illustrierte Flora von Mittel-Europa, Bd. 4/2A: Spermatophyta. Angiospermae. Dicotyledones 2(2) (Begr. G. Hegi). — Verlag Paul Parey, Berlin, Hamburg: 130–229.
JALAS J., SUOMINEN J., LAMPINEN R. & KURTTO A. (1999): Atlas Florae Europaeae 12 – Resedaceae to Platanaceae. Akateeminen Kirjakauppa Helsinki. 250 S.
LIPPERT W. & MEIEROTT L. (2014): Kommentierte Artenliste der Farn- und Blütenpflanzen Bayerns – Bayerische Botanische Gesellschaft, München, 407 S.
MEIEROTT L. (2008): Flora der Haßberge und des Grabfeldes – Neue Flora von Schweifurt. 2 Bände, IHW-Verlag, Eching.
POLATSCHEK A. & NEUNER W. (2013): Flora von Nordtirol, Osttirol und Vorarlberg, Band 7 – Innsbruck: Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum, 821 S.
STACE C.A. (1997): New flora of the British Isles – 2nd. ed.; Cambridge University Press, 1130 S.
STÖHR O., PILSL P., ESSL F., HOHLA M. & SCHRÖCK C. (2007): Beiträge zur Flora von Österreich, II – Linzer biol. Beitr. 39/1: 155–292.
ZÜRNDORF H. J., GÜNTHER K. F., KORSCH H. & WESTHUS W. (2006): Flora von Thüringen – Weißdorn-Verlag Jena, 764 S.
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Je größer ein Mensch ist, umso mehr neigt er dazu, sich vor einer Blume niederzuknien

Garibaldi
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Re: Saxifraga hirsuta Rauhaar-Steinbrech ja!

Beitrag von Garibaldi » 08.12.2018, 11:30

Vielen Dank für die ausführliche Analyse! Den von dir erwähnten Artikel ESSL F. (2004): Verbreitung und vegetationskundlicher Anschluss von Saxifraga ×urbium, S. ×geum und S. cuneifolia in Oberösterreich. Verh.Zool.-Bot. Ges. Hösterreich 141: 13–41. habe ich hier gefunden https://www.zobodat.at/pdf/VZBG_141_0013-0041.pdf. Das ist interessant, die Standortbeschreibung stimmt (schattiger Standort mit ausgeglichener Wasserversorgung) und auch die Beschreibung zur Ausbreitung der Taxa in der Nähe von Besiedlung (bei meiner Pflanze war es ein alter Friedhof). Die Hybride sind (für mich) kaum unterscheidbar, was spricht z.B. gegen das Porzellan-Blümchen S. x urbium? Wobei S. x geum am weitesten verbreitet sein soll lt. dem erwähnten Artikel. Jedenfalls ist der Unterschied zu einem "echten" S. hirsuta (z.B. fehlende Behaarung auf der Blattspreite) für mich erkennbar. Auf dieser Seite hier gibt es Hinweise zur Verbreitung in Belgien http://alienplantsbelgium.be/content/saxifraga-x-geum, hier heißt es dann, die beiden Hybriden seien schwer unterscheidbar und ihrerseits miteinander noch vermischt, wenn ich das richtig verstehe, besitzt S. X geum längere Blattstiele und die Grundfarbe der Blüten ist eher weiß? Das spricht dann tatsächlich für S. x geum. VG Oliver

norbert griebl
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Re: Saxifraga hirsuta Rauhaar-Steinbrech ja!

Beitrag von norbert griebl » 08.12.2018, 14:34

Hallo Oliver!

Saxifraga x urbium unterscheide ich am leichtesten durch den Übergang der Blattspreite in den Blattstiel, der bei S. x urbium fließend ist, während bei S. x geum der Blattspreitengrund abrupt und rechtwinkelig in den Blattstiel mündet.

Saxifraga x urbium-Steckbrief: 10−40 cm hohe Mehrjährige mit blattlosen Blütenstängeln. Blattspreite eiförmig oder elliptisch, mit keiligem Grund in den Blattstiel übergehend, stumpf gezähnt, ledrig, 1−6 cm lang. Blattstiele so lang oder kürzer als die Blattspreiten, auf der gesamten Länge dicht bewimpert. Kronblätter weiß, gelb und rot gefleckt. Blütezeit Juni bis Juli.
Verwechslungsmöglichkeit: Beim sehr ähnlichen Nelkenwurz-Steinbrech, Saxifraga ×geum, ist die Blattspreite der Grundblätter deutlich vom Blattstiel abgesetzt, der Blattstiel ist länger als die Blattspreite.
Ausbreitung: Die gärtnerische Hybride wurde Ende des 17. Jahrhunderts bzw. Anfang des 18. Jahrhunderts als Gartenzierstaude in Kultur genommen und findet sich heute meist als „Saxifraga umbrosa“ im Gartenhandel. Die langlebige Sippe vermehrt sich durch oberirdische Ausläufer, die mit einer sich bewurzelnden Rosette enden. Einige der als S. umbrosa angegebenen subspontanen Vorkommen im Gebiet dürften tatsächlich zu S. ×urbium zu stellen sein.
Aus der Steinbreche-Sektion Robertsoniana werden auch einige andere, im Aussehen ähnliche Vertreter kultiviert, was das richtige Bestimmen von verwilderten Sippen erschwert.
Neben der oben erwähnten hervorragenden Arbeit von Essl ist auch Stace (1997) zu empfehlen: Er bringt einen Schlüssel für die Sippen und Abbildungen derer Grundblätter: STACE C.A. (1997): New flora of the British Isles – 2nd. ed.; Cambridge University Press, 1130 S.
Ich häng mal ein Bild einer kultivierten urbium an.
LG
Norbert
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Saxifraga x urbium   spathularis x umbrosa.JPG
Saxifraga x urbium spathularis x umbrosa.JPG (193.16 KiB) 78 mal betrachtet
Je größer ein Mensch ist, umso mehr neigt er dazu, sich vor einer Blume niederzuknien

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