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Cotoneaster dammeri

Wer eine Wildpflanze aus Europa bestimmt haben möchte, kann hier eine Bestimmungsanfrage dazu stellen.

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TIPP: Je mehr Detailbilder ihr von einer Pflanze zeigt, also zum Beispiel Gesamtaufnahme der Pflanze, Blatt + Blüte von oben und unten, Stängel unten + oben, Früchte oder weiteres, desto größer ist der Bestimmungserfolg und die Artansprache hier im Forum.
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Wolfstrapp
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Cotoneaster dammeri

Beitrag von Wolfstrapp » 08.06.2008, 16:01

In der Wehringer Heide fand ich auf einem grasfreien Abhang zu einem Gewässer dieses Pflänzchen. Ich würde es der Gattung Cotoneaster zuordnen, habe aber in der Literatur Bayerns und Baden-Württembergs nichts Passendes gefunden. In der "Flora Helvetica" stieß ich nun auf Cotoneaster dammeri. Bild und Beschreibung (kriechender und wurzelnder, höchstsens 20 cm hoher, immergrüner bodendeckender Strauch.....) könnten passen. Weiter heißt es dort: Oft angepflanzt und gelegentlich verwildert. Ist es wirklich Cotoneaster dammeri, könnte es in der Wehringer Heide eine heimisch Rarität sein oder ist es nur eventuell durch Vögel zufällig dorthin gelangt?
Herzliche Grüße
Wolstrapp
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niXda

Re: Cotoneaster dammeri

Beitrag von niXda » 09.06.2008, 11:18

Ursprünglich bzw. urwüchsig (also indigen) sind bei uns nur Cotoneaster integerrimus - Gewöhnliche Zwergmispel und Cotoneaster tomentosus - Filz-Zwergmispel, alle anderen Arten kommen aus Asien bzw. Ost-Asien.
Ob es sich bei dieser hier um Cotoneaster dammeri - Teppich-Zwergmispel handelt könnte gut sein..sicher weiß Gregor genaueres.

Gregor
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Re: Cotoneaster dammeri

Beitrag von Gregor » 09.06.2008, 14:41

Hallo Wolfstrapp,

könntest du uns auch noch verraten wie lang die Blätter durchschnittlich in mm sind? Man kann hier zugegebenermaßen zunächst auch an Cotoneaster dammeri C. K. Schneider, Teppich-Zwergmispel denken. Sind die Blätter denn 10-30 mm lang und haben eine Stachelspitze? (Auf deinen Fotos erkenne ich leider keine Stachelspitzen an den Blättern). Und es gibt noch etwas, was mich stört: Bei Cotoneaster dammeri C. K. Schneider sollten die Blüten überwiegend zu zweit, also in Paaren, auftreten. Auf deinen Fotos scheinen jedoch überwiegend Einzelblüten aufzutreten. Außerdem sollten die jungen Zweige von C. dammeri rötlich bzw. rotbraun gefärbt sein (oder war dein Standort im Schatten? Du sprichst ja aber von einem offenen Grashang - das klingt für mich eigentlich nicht nach einem schattigen Standort. Aus diesen Gründen (fehlende Stachelspitzen und Einzelblüten) ist hier meines Erachtens auch Cotoneaster microphyllus Wallr. ex Lindl., Kleinblättrige Zwergmispel in Betracht zu ziehen. In diesem Fall handelt es sich um einen immergrünen, dicht verzweigten, ausgedehnte Teppiche bildenden Spalierstrauch aus dem Himalaya, der häufig als Bodendecker gepflanzt wird (und natürlich kann Vogelverbreitung der Früchte stattfinden). Wenn es sich um diese letztgenannte Sippe handelt sollten die Blätter 5-8(-10) mm lang, verkehrt-eiförmig bis elliptisch, glänzend, vorne oft stumpf bis ausgerandet sein.
Freilich ist es nicht völlig ausgeschlossen, dass du ungewollt einen untypische Ausschnitt der Pflanze fotografiert hast. Eine Größenangabe zur Länge der Blätter deinerseits wäre hier also sehr sinnvoll. Denn bloßes Schätzen ist recht schwierig, wenn nicht gar unmöglich (ich weiß nicht wie stark du vergrößert hast). Ein etwas umfangreicheres Habitusbild als Gesamtübersicht zusätzlich wäre auch nicht gänzlich zu verachten.
Soweit erst einmal.

Schöne Grüße aus Niebüll

Gregor
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Linnaeus, Critica Botanica, 1736 p. 204

Wolfstrapp
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Re: Cotoneaster dammeri

Beitrag von Wolfstrapp » 09.06.2008, 21:22

Vielen Dank an Euch beide! Gerade von der Heide nach Hause gekommen, las ich Eure Nachrichten. Da gabs nur eins, noch einmal ins Auto und die Hausaufga-ben machen. Aber es hat sich gelohnt, ich glaube jetzt sind alle Unklarheiten beseitigt.
1. Die Blätter sind 10-30 mm lang, manchmal sogar länger. (Nach Flora Helvetica erlaubt.)
2. Sie haben eine Stachelspitze.
3. Die jungen Zweige sind rötlich bzw. rotbraun gefärbt.
4. Es sind zwar überwiegend Einzelblüten, doch stehen sie auch zu zweit und sogar zu dritt. (Nach Flora Helvetica erlaubt)
5. Die Pflanze kriecht extrem niedrig, sie wird kaum über 5 cm hoch.
6. Die Griffel habe ich auch gezählt. Es sind nicht immer exakt 5, eher 3-5. Doch sind sie bei der Größe auch sehr schwer zu zählen.
7. Durch die umliegenden Büsche und Bäume ist der Standort gut beschattet. Die Pflanze geht auch ins Gras, wo sie dann Schatten findet.
Ich glaube, es spricht alles dafür, dass es tatsächlich Cotoneaster dammeri ist.
Ich habe eine Menge Fotos zu allen Punkten gemacht, kann aber nur drei anhängen. Sollte Interesse bestehen, stelle ich sie selbstverständlich per Mail zur Verfügung.
Noch einmal ein Dankeschön und freundliche Grüße aus Bayern
Wolfstrapp
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Cotoneaster-dammeri03__Zwergmispel-Teppich-.JPG
Hier sieht man die fünf Griffel.
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Cotoneaster-dammeri02__Zwergmispel-Teppich-.JPG
Die rötliche Färbung ist gut, die Stachelspitze bei genauem Hinschauen zu sehen.
Cotoneaster-dammeri02__Zwergmispel-Teppich-.JPG (89.33 KiB) 417 mal betrachtet
Cotoneaster-dammeri01__Zwergmispel-Teppich-.JPG
Hier der Standort
Cotoneaster-dammeri01__Zwergmispel-Teppich-.JPG (105.34 KiB) 418 mal betrachtet

Gregor
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Re: Cotoneaster dammeri

Beitrag von Gregor » 10.06.2008, 15:40

Hallo Wolfstrapp,

nach deinen jetzigen Maßangaben und den neuen Fotos würde ich sagen es handelt sich eindeutig um Cotoneaster dammeri C. K. Schneider, Teppich-Zwergmispel! Die Blattlänge, die vorhandenen Stachelspitzen der Blätter und die meist 5 Griffel sprechen eindeutig dafür. Nach der Flora der Gehölze von Roloff & Bärtels aus dem Jahre 2006 soll es noch einen Unterschied zwischen den beiden Sippen geben: danach soll Cotoneaster dammeri C. K. Schneider, die Teppich-Zwergmispel rötliche Staubbeutel besitzen, während Cotoneaster microphyllus Wallr. ex Lindl., die Kleinblättrige Zwergmispel purpurne Staubbeutel aufweisen soll, allerdings auch nur 2 Griffel pro Blüte haben soll.
Cotoneaster dammeri C. K. Schneider, die Teppich-Zwergmispel ist in Mittel-China (Provinzen Gansu, Guizhou, Hubei, Sichuan, Zixang und Yunnan zwischen ca. 1300-4100 m) heimisch, bei uns aber noch stets ein Gartenflüchtling (Vogelverbreitung ist selbstverständlich auch hier möglich).

Schöne Grüße aus Niebüll

Gregor
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