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Erophila - Eine genauere Betrachtung

Wer eine Wildpflanze aus Europa bestimmt haben möchte, kann hier eine Bestimmungsanfrage dazu stellen.

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1. Bildanhänge für Themen und neue Beiträge dürfen nicht größer als 800 x 600 sein, ansonsten funktioniert der Upload nicht!

2. Bitte zu jeder Anfrage einen Fundort (Land,Stadt, Umgebung, Habitat etc.) und Funddatum angeben
3. Bitte nicht mehr als 3 Pflanzen pro Thema anfragen (wird sonst unübersichtlich)
4. Herbarium-Anfragen von Schülern und Studenten werden NUR noch mit eigenen Bestimmungsversuchen akzeptiert - Sonst Löschung des Beitrages

TIPP: Je mehr Detailbilder ihr von einer Pflanze zeigt, also zum Beispiel Gesamtaufnahme der Pflanze, Blatt + Blüte von oben und unten, Stängel unten + oben, Früchte oder weiteres, desto größer ist der Bestimmungserfolg und die Artansprache hier im Forum.
Weiterhin viel Spass im Forum :)
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Re: Erophila - Eine genauere Betrachtung

Beitrag von Utricularia » 03.04.2010, 19:35

Hallo,

ich bin neu hier in der Planzenwelt...freu mich schon auf die Entdeckungen und auf die Bestimmungen.

Heute war ich in einem ehemaligen Kieswerk unterwegs und habe auf dem Boden an einigen Stellen ein winziges Blümchen entdeckt, ca. 2-3 cm. Meiner Meinung nach ist das ein Hungerblümchen, Erophila verna ssp. praecox, auch als Eifrucht-Hungerblümchen bezeichnet.
Nun möchte ich gerne von anderen noch die Meinung daszu hören und dachte das ich hier dann richtig bin :wink:

LG
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botanix
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Re: Erophila - Eine genauere Betrachtung

Beitrag von botanix » 05.04.2010, 23:16

Hallo,
wenn man der mitteleuropäischen Tradition der Dreiteilung des Erophila verna Aggregates folgt, so kann E. praecox anhand der mehr als doppelt so lang wie breiten Schötchen ausgeschlossen werden (ebenso E. spathulata). Die Pflanze müßte zu E. verna im engeren Sinne gestellt werden. Allerdings stellt man häufiger abweichende Behaarungsverhältnisse fest.
Folgt man der neuerdings von BOMBLE vertretenen Auffassung (siehe vorherige Beiträge)- er orientiert sich an den Forschungsergebnissen von WINGE und FILFILAN & ELKINGTON - ist die Schötchengestalt eher zweitrangig, die Tiefe der Einkerbung der Blütenblätter, sowie die Blattform und Behaarung des Stängels unterhalb der Blüten wichtiger. Erophila (korrekt wäre seit einiger Zeit wieder Draba verna) ist selbstbestäubend, so dass sich reine Linien bilden (die Schötchen sieht man schon in der frisch geöffneten Blüte).
Insgesamt sind weitere Forschungen an dieser Gruppe notwendig, incl. Chromosomenzählungen und evt. molekulargenetischer Untersuchungen.
Eine genaue Bestimmung (nach BOMBLE) anhand Fotos einer Pflanze ist (wie Nicole schon anmerkte) nur nach längerer Einarbeitung und reichem Material möglich. Die Behaarung von Blättern und Blütenstiel ändert sich mit der Entwicklung der Pflanze! Vergleichbare Ergebnisse sind nur bei Beachtung von Bomble's Methodik / Schlüssel zu erreichen.
Dieser thread soll dazu anregen sich näher mit den Hungerblümchen zu befassen, lokale Sippen zu erkennen und natürlich auch hier vorzustellen - in Wort und Bild -

Gruß

Peter
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Re: Erophila - Eine genauere Betrachtung

Beitrag von Utricularia » 06.04.2010, 20:16

Hallo Peter, vielen Dank für deine Antwort. Ich kenne mich in dieser Materie wirklich kaum aus und bin Dankbar über jede Hilfe. Mir wäre es nur wichtig zu wissen ob es diese Art ist, da sie wohl recht selten in größeren Mengen vorkommt und dort einige zu sehen waren. Um evtl ein Schutzgebiet auszuweisen.

Ich habe mir ein Blümchen mitgenommen und hier in einen kleine Behälter gepflanzt. Könnte also noch mehr Bilder bieten.

LG

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Re: Erophila - Eine genauere Betrachtung

Beitrag von botanix » 06.04.2010, 21:10

Hallo,
wie gesagt, Erophila praecox ist das sicher nicht, weil
- diese Schötchen hat, welche 1-2 x länger als breit sind
- die Blätter fast ausschließlich einfache Haare haben (neben wenigen Gabelhaaren)
Auf dem Foto sieht man deutlich längere Schötchen und auf den Blättern reichlich Sternhaare (Haare mit 3-4 Ästen), was für Erophila verna im engeren Sinne spricht.
Soweit das 3er Gliederungskonzept nach O.E. Schulz, Rothmaler, u.a.m.
Mit der von BOMBLE aufgegriffenen Gliederung ist mir eine Bestimmung im Moment noch nicht möglich, nach Fotos auch sehr schwer.

Gruß

Peter
alte Botanikerweisheit: man sieht nur was man kennt

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Re: Erophila - Eine genauere Betrachtung

Beitrag von Utricularia » 06.04.2010, 21:50

Ok, vielen Dank für die "Aufklärung" Peter :wink:

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Re: Erophila - Eine genauere Betrachtung

Beitrag von Dolgenblütler » 09.04.2010, 17:22

Nachdem ich in den letzten Tagen einige Erophila verna gefunden habe, habe ich versucht aus der englischen Literatur und dem Rothmaler einen neuen Bestimmungsschlüssel zu erstellen:
http://www.blumeninschwaben.de/Zweikeim ... ophila.htm
Als erstes Beispiel ein Pflänzchen, welches ich heute am Straßenrand in Niederstotzingen gefunden habe:
- Kronblätter waren nicht ganz bis zur Mitte eingeschnitten
- Kelchblätter kahl
- Stängel und Blütenstiele vollständig kahl
- Schötchen 2,5 mal so lang wie breit
- Blätter auf der Fläche kahl, an der Rändern mit langen Wimpern
- Blattstiel konnte ich nicht wirklich erkennen.
Viele Grüße
Thomas
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Re: Erophila - Eine genauere Betrachtung

Beitrag von Dolgenblütler » 09.04.2010, 17:54

2. Beispiel:
Eine ziemlich große Pflanze von einem Felsen im Eselsburger Tal:
- Kronblätter etwas über die Hälfte eingeschnitten
- Kelchblätter mit vielen wimpernartigen einfachen Haaren
- Stängel im unteren Teil mit Sternhaaren, im oberen Teil kahl
- Blütenstiele vollständig kahl
- Schötchen 1,95 mal so lang wie breit
- Blätter oberseits und unterseits dicht mit Stern- bzw. Gabelhaaren besetzt
- Auch bei dieser Pflanze kann ich keinen wirklichen Blattstiel beobachten
Viele Grüße
Thomas
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Re: Erophila - Eine genauere Betrachtung

Beitrag von Dolgenblütler » 10.04.2010, 08:49

Erophila Nr 3 aus dem Trockenrasen des Eselsburger Tals:
- Kronblätter etwas über die Hälfte eingeschnitten
- Kelchblätter kahl
- Stängel vollständig kahl
- Blütenstiele vollständig kahl
- Schötchen 2,2 mal so lang wie breit
- Blätter mit einfachen Haaren, auch auf der Fläche
- kein wirklicher Blattstiel zu beobachten
Viele Grüße
Thomas
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Re: Erophila - Eine genauere Betrachtung

Beitrag von Dolgenblütler » 10.04.2010, 09:17

Erophila Nr 4 aus dem Trockenrasen des Eselsburger Tals:
- Kronblätter etwas weniger als die Hälfte eingeschnitten
- Kelchblätter mit wenigen geraden Haaren
- Stängel unten zerstreut mit Gabelhaaren, oben kahl
- Blütenstiele vollständig kahl
- Schötchen 2,6 mal so lang wie breit
- Einige Blätter dicht sternhaarig, andere vollig kahl!!!
- Blattstiel bei einigen Blättern erkennbar
Viele Grüße
Thomas
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Re: Erophila - Eine genauere Betrachtung

Beitrag von Dolgenblütler » 10.04.2010, 09:24

Erophila Nr 5 aus dem Trockenrasen des Eselsburger Tals:
- Kronblätter etwas weniger als die Hälfte eingeschnitten
- Kelchblätter kahl
- Stängel unten zerstreut mit Gabelhaaren, oben kahl
- Blütenstiele vollständig kahl
- Schötchen 2,2 mal so lang wie breit
- Einige Blätter dicht sternhaarig, andere mit wenigen einfachen Haaren oder Gabelhaarenl!!!
- Blattstiel nicht erkennbar
Viele Grüße
Thomas
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Gregor
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Re: Erophila - Eine genauere Betrachtung

Beitrag von Gregor » 30.11.2011, 16:42

Hallo allerseits,

ich möchte die "Erophila-Diskussion" neu anheizen. Neuerdings müsste man wohl von der Draba subgen. Erophila-Diskussion sprechen. Langsam tut sich auch in Deutschland in diese Richtung etwas:

http://www.botanik-bochum.de/html/publ/ ... ophila.pdf

Viel Spaß beim Lesen und Vergleichen! Das nächste Frühjahr kommt ja mit Sicherheit.

Soweit erst einmal.

Schöne Grüße aus Kiel

Gregor
Names have the same value on the marketplace of botany
as coins have in public affairs, which are daily accepted
as certain values by others, without metallurgical examination.

Linnaeus, Critica Botanica, 1736 p. 204

sigi
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Re: Erophila - Eine genauere Betrachtung - Fortsetzung

Beitrag von sigi » 14.03.2013, 18:49

Hallo,
Auch nach der Neubearbeitung der Gattung Draba durch K.P.Buttler (Rothmaler 2011) bleibt es bei der Dreiteilung des Aggregats der Hungerblümchen, Draba mit gespaltenen Kronenblättern, nämlich: verna, praecox und spathulata. Irgendwelche andere Sippen oder Unterarten werden weder beschrieben noch überhaupt erwähnt. Auch in der Florenliste von Deutschland, August 2012, tauchen keine weiteren Namen von Hungerblümchen auf. Zwei Bastarde werden genannt, und zwar verna mit praecox und spathula -das Vorkommen ist gemäß der Liste nur auf Bayern beschränkt.
Verna findet man schon jetzt überall. Typisch für die Art sind die Stern/Gabelhaare, die mal mehr oder weniger dicht auf den Blattoberseiten stehen.
Praecox ist recht selten und kommt wohl nur im Kalk vor, wie z.B. in Mainfranken. Bei allen wenigen Exemplaren, die ich dort fand, gab es auf der Blattoberseite ausschließlich(!) einfache lange Haare. Das Verhältnis der Schötchenlänge zur Breite betrug 2:1.
Meine Frage: Was gibt es Neues an der "Draba-Erophila-Front???
Beste Grüße!
Sigi
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Anagallis
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Re: Erophila - Eine genauere Betrachtung

Beitrag von Anagallis » 02.04.2018, 18:46

Hat sich zu diesem Thema eigentlich mittlerweile etwas getan? Im Rothmaler (vorletzte Ausgabe) müssen noch Haare gezählt werden. STACE macht das für die Britischen Inseln über Behaarung und relative Länge des Blattstiels sowie die Länge, auf der die Kronblätter geteilt sind (E. majuscula/verna/glabrescens und schreibt: "This account is based upon the work of S.A. Filfilan and T.T. Elkington, which largely confirmed the earlier conclusions of O. Winge." (Und meint, daß die Charakteristika aus den "traditionellen" Schlüsseln Käse, weil in Zuchtversuchen schlecht nachvollziehbar sind.)

Kraichgauer
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Re: Erophila - Eine genauere Betrachtung

Beitrag von Kraichgauer » 11.06.2018, 21:18

Die Entwicklung geht leider in zwei verschiedene Richtungen. Bomble hat mehrere lokale Kleinarten aus dem Aachener Raum beschrieben. Ob das sinnvoll ist, sei zumindest mal mit Fragezeichen versehen.
Die restlichen Botaniker, die ich kenne, verzweifeln an Erophila eher und haben festgestellt, dass man in einer einzigen Population oft sämtliche beschriebenen Typen und noch ein paar mehr finden kann, wenn man nur lange genug sucht. Daher macht fast niemand mehr was damit.
Das wird durch die englischen oben zitierten Ergebnisse bestätigt.

Ich vermute auch, man jagt hier einem Phantom hinterher.

Gruß, Michael

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