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Galium wirtgenii oder G. verum?

Wer eine Wildpflanze aus Europa bestimmt haben möchte, kann hier eine Bestimmungsanfrage dazu stellen.

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TIPP: Je mehr Detailbilder ihr von einer Pflanze zeigt, also zum Beispiel Gesamtaufnahme der Pflanze, Blatt + Blüte von oben und unten, Stängel unten + oben, Früchte oder weiteres, desto größer ist der Bestimmungserfolg und die Artansprache hier im Forum.
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Vogelsberger
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Galium wirtgenii oder G. verum?

Beitrag von Vogelsberger » 28.05.2015, 22:09

Hallo,
am 25. Mai habe ich eine Pflanzengalle an einem Echten Labkraut (Galium verum agg.) fotografiert .
P102_0718-2015-05-25-NdOhmen-Gallmuecke-Geocrypta-galii-auf-Galium-verum-agg.jpg
P102_0718-2015-05-25-NdOhmen-Gallmuecke-Geocrypta-galii-auf-Galium-verum-agg.jpg (355.87 KiB) 934 mal betrachtet
Die Galle stammt von der Gallmücke Geocrypta galii.
http://www.pflanzengallen.de

Beim Labkraut frage ich mich: Galium verum s.str. oder Galium wirtgenii ?

In oberen Stängelbereich sieht man die Blätter von der Unterseite. Die Blattränder sind umgeschlagen, in der Mitte bleibt ein breiter Streifen frei. Das spricht für Galim wirtgenii.

Standort: eine Hangwiese, die im unteren Bereich in der Nähe eines Grabens teilweise sehr feucht ist, am oberen Rand wechseln sich sehr trockene Bereiche mit Sickerquellen ab.

Viele Grüße
Lothar

kraichgauer

Re: Galium wirtgenii oder G. verum?

Beitrag von kraichgauer » 29.05.2015, 11:45

Also vegetativ wüsste ich nicht, wie man die beiden Arten trennen kann. Da musst Du auf Blüten warten. G. wirtgenii blüht früher, und die Blüten riechen nicht (gutes Merkmal). Gruß, michael

niXda

Re: Galium wirtgenii oder G. verum?

Beitrag von niXda » 29.05.2015, 12:47

kraichgauer hat geschrieben:... G. wirtgenii blüht früher, und die Blüten riechen nicht ...
Das vegetative Merkmal ist das Galium wirtgenii - Wirtgen-Labkraut einen steif aufrechten Stängel bildet, während Galium verum - Echtes Labkraut eher aufsteigende Stängel (d.h. die "kriechen" erst etwas über den Boden bis sie sich nach oben richten) bildet.
Außerdem sind die Internodien bei Galium verum - Echtes Labkraut relativ kurz, +/- so lang wie die Blätter, und die Internodien von Galium wirtgenii - Wirtgen-Labkraut deutlich (immer bis meist..) länger als die Blätter.
Der Geruch von Galium verum - Echtes Labkraut kann allerdings so dezent sein (je nach Tageszeit und/oder Witterung), das ihn kaum jemand (deutlich) wahrnimmt.

kraichgauer

Re: Galium wirtgenii oder G. verum?

Beitrag von kraichgauer » 29.05.2015, 18:02

Na ja, mag ja sein, aber nach dem steif aufrecht und aufsteigend würde ich mich nicht trauen, die beiden Arten vegetativ zu trennen... Ich finde immer, man braucht mehrere Merkmale gleichzeitig (auch die Blütenfarbe). Aber dann klappt's meistens. Gruß, Michael

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botanix
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Re: Galium wirtgenii oder G. verum?

Beitrag von botanix » 30.05.2015, 20:31

Hallo Lothar,

Galium wirtgenii beginnt in der Gießener Umgebung gerade mit der Blüte (Wieseckaue zw. Ursulum und Wieseck, Lahnwiesen, wo es noch artenreiche Wiesen sind...)
Allerdings wies schon Prof. Patzke darauf hin, das es vom Aufblühzeitpunkt und Standort Übergänge zum echten verum gibt.

Gruß

Peter
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Vogelsberger
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Re: Galium wirtgenii oder G. verum?

Beitrag von Vogelsberger » 30.05.2015, 22:30

Hallo,
vielen Dank für die Antworten.

Das Tal befindet sich im nordwestlichen Vogelsberg. Es liegt ca 150 m höher als die genannten Bereiche in Gießen, so dass es 1-2 Grad kälter ist, die umgebenden Höhenzüge noch mal 50 m höher, das Tal fällt nach Nordwesten ab. Hier blüht alles deutlich später als im Gießener Raum, wie man im Frühjahr auch an der Schlehenblüte sieht. Es dauert also noch etwas, bis mit den Blüten zu rechnen ist.

Ein Merkmal wurde noch nicht genannt, das bei Rothmaler : Exkursionsflora von Deutschland. Grundband. 20. Aufl. 2011, auf S. 632, zu finden ist und das auch zu meiner Frage geführt hat:

24: Blätter 0,5 - 1,5 mm breit, glänzend, Rand bis zur Mittelrippe umgerollt.
-> Galium verum (s.str.)

24* Blätter 1 - 2,5 mm breit, matt, Rand nicht bis zur Mittelrippe umgerollt.
-> Galium wirtgenii

Auf dem Foto oben sieht man meiner Meinung nach ganz deutlich, dass der Rand nicht bis zur Mittelrippe umgerollt ist.

In den Beiträgen schon erwähnt wurde die Länge der Blätter.
Sie wird auch bei Häupler: Bildatlas der Farn- und Blütenpflanzen Deutschlands. 1. Aufl. 2000 als bestimmungsrelevantes Merkmal genannt:

2568 Galium verum:
... Blätter linealisch, randl. umgerollt, unterseits weichhaarig, 1 mm breit, glänzend, zu 6-12 im Wirtel, ca so lang wie die Internodien.

2569 Galium wirtgenii:
Ähnl. wie 2568, ... Blätter bis 2 mm breit, kürzer als Internodien, matt.

(Wahrscheinlich wäre es interessant, die Veröffentlichung zu lesen, in der die Art / Unterart erstmals beschrieben wurde.)

Auf einem unscharfen Bild, das ich noch nicht gelöscht hatte, war im HIntergrund in einem kleinen Bereich zu sehen, dass die Blätter kürzer als die Internodien sind.
P102_0715-2015-05-25-NdOhmen-Galium-verum-agg-Ausschnitt.jpg
P102_0715-2015-05-25-NdOhmen-Galium-verum-agg-Ausschnitt.jpg (345.47 KiB) 863 mal betrachtet
(Mir fehlt die Erfahrung in der Bildbearbeitung, tut mir leid.)

Jedenfalls ist das Ergebnis der Diskussion, dass ich demnächst dort wieder vorbeischauen sollte. Ein Kandidat sollte es schon sein.

Ach so:
Als Standortangaben für G. wirtgenii sind zu finden:
bei Rothmaler: Halbtrockenrasen, wechseltrockene Wiesen, Trockengebüschsäume.
Bei Häupler: Trocken- und Halbtrockenrasen, Staudenfluren und Säume trockener Standorte, Feucht- und Nasswiesen (Kalk-Pfeifengraswiesen)
Hier sind also auch feuchte Standorte zu finden.

Der Fundort befindet sich in einem Bereich mit basischem Basalt im Untergrund und lehmigen Böden. ca 150 m talabwärts gibt es eine Pfeifengraswiese, die ich im Hinblick auf Galium noch nicht angesehen habe.

Vielen Dank und viele Grüße
Lothar

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