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Krankheit, Pilzbefall, oder was ist das?

Wer eine Wildpflanze aus Europa bestimmt haben möchte, kann hier eine Bestimmungsanfrage dazu stellen.

Moderatoren: akw, Jule

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2. Bitte zu jeder Anfrage einen Fundort (Land,Stadt, Umgebung, Habitat etc.) und Funddatum angeben
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TIPP: Je mehr Detailbilder ihr von einer Pflanze zeigt, also zum Beispiel Gesamtaufnahme der Pflanze, Blatt + Blüte von oben und unten, Stängel unten + oben, Früchte oder weiteres, desto größer ist der Bestimmungserfolg und die Artansprache hier im Forum.
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Chris
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Krankheit, Pilzbefall, oder was ist das?

Beitrag von Chris » 18.11.2012, 13:17

Hallo aus Lübeck,

am Waldrand fielen mir heute diese schwarzen Flecken auf den Blättern des Bergahorn auf - kann jemand sagen, worum es sich handelt?
Schellbruch Lübeck, Schleswig-Holstein, 18.11.2012.

Gruß Chris
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Jörg on Tour
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Re: Krankheit, Pilzbefall, oder was ist das?

Beitrag von Jörg on Tour » 18.11.2012, 15:00

Hallo Chris,

die Krankheit wird als Teerfleckenkrankheit bezeichnet und tritt meines Wissens nach nur bei Ahornarten auf.

http://de.wikipedia.org/wiki/Teerfleckenkrankheit

laut Wikipedia ist es ein Pilz.

Soweit ich mich erinnern kann, gab es vor einigen Jahren recht groß angelegte Aktionen bei denen das be- und abgefallene Laub aufgesammelt und vernichtet wurde.
Herzliche Grüße
Jörg
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Chris
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Re: Krankheit, Pilzbefall, oder was ist das?

Beitrag von Chris » 18.11.2012, 15:55

Danke, Jörg.
Schönen Sonntagnachmittag noch
Chris

Gregor
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Re: Krankheit, Pilzbefall, oder was ist das?

Beitrag von Gregor » 18.11.2012, 18:49

Hallo Chris,

ja, das ist ein Pilzbefall. Bei dieser Größe der schwärzlichen Flecken handelt es sich um den Ascomyceten (= Schlauchpilz) Rhytisma acerinum (Persoon) Fries 1819 (Basionym: Xyloma acerinum Persoon 1794; Synonyma: Melanosorus acerinus (Persoon) De Notaris [als 'acerinum'] 1847, Melasmia acerina Léveillé 1846, Polystigma acerinum (Persoon) Link 1833, Rhytisma pseudoplatani Müll. Berol. [= Karl Müller] 1913, Xyloma gyrans Wallroth 1833, Xyloma lacrymans Wallroth 1833), Ahorn-Runzelschorf; man spricht im Deutschen auch von der Teerfleckenkrankheit. In der Tat kommt diese Art nur auf Ahornarten vor, vorwiegend auf Acer pseudoplatanus L. 1753, Berg-Ahorn und Acer platanoides L. 1753, Spitz-Ahorn. Wesentlich seltener - gerade mal zweimal in über 40 Jahren - habe ich die Art auch an Acer campestre L. 1753, Feld-Ahorn gesehen.

Eine weitere auf Ahornblättern vorkommende Art, die aber nur schwärzliche Punkte macht, wäre Rhytisma punctatum (Persoon) Fries 1823 (Basionym: Xyloma punctatum Persoon 1800; Synonyma: Diatrype subconfluens Cooke 1885, Melasmia punctata Saccardo & Roumeguère 1882, Sphaeria subconfluens Schweinitz 1832); diese ist hier aber nicht abgebildet.

Selbstverständlich gibt es noch weitere Rhytisma-Arten, z. B. Rhytisma salicinum (Persoon) Fries 1823 (Basionym: Xyloma salicinum Persoon 1794; Synonyma: Melasmia salicina Léveillé 1865, Xyloma leucocreas DC. 1805 [in Lamarck & DC.]), Weiden-Runzelschorf, der - man ahnt es schon - schwärzliche Flecken auf den Blättern der Gattung Salix, Weiden bildet. Vorwiegend kommt diese Art auf Salix aurita L. 1753, Ohr-Weide, Salix caprea L. 1753, Sal-Weide und Salix viminalis L. 1753, Korb-Weide, Hanf-Weide vor.

Oder z. B. Rhytisma andromedae (Persoon) Fries 1819 (Basionym: Xyloma andromedae Persoon 1801; Synonym: Placuntium andromedae (Persoon) Ehrenberg 1818), Rosmarinheiden-Runzelschorf, der - man ahnt es ebenfalls schon - schwärzliche Flecken auf den Blättern von Andromeda polifolia L. 1753, Rosmarinheide bildet.

Die jeweiligen Wirtspflanzen werden durch diese Ascomyceten-Arten aber nicht umgebracht oder so weit geschädigt, dass sie eingehen. Vielmehr scheint sich ein Miteinander der Organismen eingependelt zu haben.

Schöne Grüße aus Kiel

Gregor
Zuletzt geändert von Gregor am 19.11.2012, 01:04, insgesamt 1-mal geändert.
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Jörg on Tour
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Re: Krankheit, Pilzbefall, oder was ist das?

Beitrag von Jörg on Tour » 18.11.2012, 19:02

Gregor hat geschrieben: Die jeweiligen Wirtspflanzen werden durch diese Ascomyceten-Arten aber nicht umgebracht oder so weit geschädigt, dass sie eingehen. Vielmehr scheint sich ein Miteinander der Organismen eingependelt zu haben.

Hallo Gregor,

ich kann mich erinnern, dass (es müsste 2006 gewesen sein) die Krankheit als ziemlich großes Problem gesehen wurde und recht viel Aufwand betrieben wurde um dagegen vorzugehen. Hat sich die Meinung da mittlerweile geändert?
Herzliche Grüße
Jörg
http://www.joerg-vosswinkel.de

Gregor
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Re: Krankheit, Pilzbefall, oder was ist das?

Beitrag von Gregor » 19.11.2012, 00:55

Hallo Gregor,

ich kann mich erinnern, dass (es müsste 2006 gewesen sein) die Krankheit als ziemlich großes Problem gesehen wurde und recht viel Aufwand betrieben wurde um dagegen vorzugehen. Hat sich die Meinung da mittlerweile geändert?
Hallo Jörg,

ich weiß nicht wo Du das her hast und ob Du das nicht möglicherweise mit einer anderen Pilzinfektion verwechselst. Ich zitiere hier mal aus einem Standardwerk der Forstbotanik zu Rhytisma acerinum (Persoon) Fries, dem Ahorn-Runzelschorf: "Wirtschaftliche Schäden entstehen nicht. Durch entfernen der Blattstreu läßt sich ein erneuter Befall leicht vermeiden." (Hervorhebung durch Fettdruck und Unterstreichung in dem Zitat erfolgte durch mich). Zu Rhytisma salicinum (Persoon) Fries heißt es dort: "Biologie und Bedeutung wie Rhytisma acerinum." Förster sehen diese Krankheit nicht als Problem und gehen auch nicht dagegen vor, zumal das viel zu aufwändig und kostenintensiv wäre und die Holzqualität der Bäume durch die Pilzinfektion überhaupt nicht beeinflusst wird. Du kannst ja in Deinem eigenen Link lesen: "Die Krankheit wird durch lokale Pilzinfektionen in den Blättern hervorgerufen." Eben, nur lokale Infektionen - es ist niemals das gesamte Blatt betroffen! Allermeist sind an befallenen Bäumen auch gar nicht sämtliche Blätter betroffen, obwohl der Befall durchaus unterschiedlich stark sein kann. Das gilt für ausgewachsene Bäume. Allenfalls bei Jungwuchs, der in der Kronentraufe der Altbestände steht, habe ich Exemplare gesehen, an denen jedes Blatt Befall zeigte. Das ist aber gerade bei Berg-Ahorn, der sich geradezu wie "Unkraut" - äh, Entschuldigung, Wildkraut wollte ich natürlich sagen - vermehrt überhaupt nicht tragisch. Im Übrigen hängt die Befallsintensität auch von der Witterung ab, so ist der Befall in nasskalten Jahren intensiver als in solchen, die trocken und mit viel Sonnenschein versehen sind.
Du kannst z. B. auch in diesem Link lesen:

http://www.forst.tu-muenchen.de/EXT/LST ... ytis~1.htm

"Der Ahorn-Runzelschorf ist eine Blattkrankheit, die bisweilen wegen des starken Befalls und der dadurch intensiv schwarz gefleckten Blätter gefährlich aussieht, die letztlich jedoch keine große Bedeutung hat." (Hervorhebungen wieder durch mich). Genauso ist es!

Es kann bestenfalls sein, dass man sich bei sehr starkem Befall in Parks oder anderen öffentlichen Anlagen aus rein ästhetischen Gründen entschließt dagegen vorzugehen.

Das ist sehr einfach, wie man ebenfalls in obigem Link nachlesen kann: "Wegen des "klassischen", einjährigen Infektionskreislaufs kann der Krankheit durch sorgfältiges Entfernen des abgefallenen Laubs (und damit des Infektionsmaterials) wirkungsvoll vorgebeugt werden. Daß diese umweltschonende Methode der Prophylaxe erfolgreich ist, läßt sich auch daran erkennen, daß die Teerfleckenkrankheit in Städten, wo das abgefallene Laub im Herbst entfernt wird, seltener und schwächer auftritt als in der freien Natur, wo sich der Pilz an den am Boden liegenden Blättern ungestört entwickeln kann."

Ich kann auch aus eigener Erfahrung sagen, dass ich es in über 40 Jahren noch nie erlebt habe, dass ein Baum an dieser Pilzinfektion eingegangen wäre. Die Infektion erfolgt, wie gesagt, immer nur lokal, sodass immer genügend Blattfläche übrig bleibt, mit der Photosynthese betrieben werden kann.

Ich hoffe damit die Frage ausreichend beantwortet zu haben.

Schöne Grüße aus Kiel

Gregor
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Re: Krankheit, Pilzbefall, oder was ist das?

Beitrag von Jörg on Tour » 19.11.2012, 09:01

Hallo Gregor,

besten Dank für Deine sehr ausführliche Antwort.

Verwechselt habe ich die Pilzinfektion nicht, aber vermutlich hatte ich das damals etwas falsch verstanden bzw. überbewertet.
Herzliche Grüße
Jörg
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