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Galeopsis-Vielfalt

Wer eine Wildpflanze aus Europa bestimmt haben möchte, kann hier eine Bestimmungsanfrage dazu stellen.

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1. Bildanhänge für Themen und neue Beiträge dürfen nicht größer als 800 x 600 sein, ansonsten funktioniert der Upload nicht!

2. Bitte zu jeder Anfrage einen Fundort (Land,Stadt, Umgebung, Habitat etc.) und Funddatum angeben
3. Bitte nicht mehr als 3 Pflanzen pro Thema anfragen (wird sonst unübersichtlich)
4. Herbarium-Anfragen von Schülern und Studenten werden NUR noch mit eigenen Bestimmungsversuchen akzeptiert - Sonst Löschung des Beitrages

TIPP: Je mehr Detailbilder ihr von einer Pflanze zeigt, also zum Beispiel Gesamtaufnahme der Pflanze, Blatt + Blüte von oben und unten, Stängel unten + oben, Früchte oder weiteres, desto größer ist der Bestimmungserfolg und die Artansprache hier im Forum.
Weiterhin viel Spass im Forum :)
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gh
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Beitrag von gh » 10.08.2007, 17:58

getraue mich fast nicht in diese Expertendiskussion zu mischen, deswegen meine vorsichtige Frage: Habe ich da bifida gefunden, oder ist das ganz falsch?
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gh
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Beitrag von gh » 10.08.2007, 18:01

Ich getraue mich fast nicht, mich in diese Expertendiskussion zu mischen, nur die vorsichtige Frage: Ist das, was ich da heute gefunden habe (bei Klosterneuburg) bifida oder liege ich ganz falsch?
GH
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Hegau
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Beitrag von Hegau » 10.08.2007, 20:02

Halte ich aufgrund der weichen Behaarung für Galeopsis pubescens.

Gruß Thomas
Zuletzt geändert von Hegau am 10.08.2007, 21:32, insgesamt 1-mal geändert.
Online-Exkursionsflora für den Alpenraum http://www.tkgoetz.homepage.t-online.de ... ahome.html

Bestimmungsschlüssel und Kartierung der Laufkäfer Baden-Württembergs http://www.tkgoetz.homepage.t-online.de/Laufkaefer.html

gh
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Beitrag von gh » 10.08.2007, 20:11

danke, also wenigstens nicht ganz daneben!
GH

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Tetra
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Beitrag von Tetra » 11.08.2007, 19:20

Hallo Leute,
trotz etwas widriger Bedingungen (Sprühregen) ist es mir doch gelungen, zwei halbwegs brauchbare Fotos von weiteren Exemplaren der Galeopsis bifida zu machen.
Es ist jetzt in beiden gezeigten Fällen interessant, dass die Blütenunterlippe nicht einheitlich rosa gefärbt ist, sondern durchaus eine Zeichnung aufweist. die an G. tetrahit erinnert. Die Pflanzen standen nicht weit voneinander entfernt an einem Waldweg (Nordbayern).
Im ersten Fall ist der Blütenstand mit transparenten Drüsenköpfchen ausgestattet, während an den Stängelknoten bordeaux- bis braunrote Köpfchen zu erkennen sind.
Bei der zweiten Pflanze sind die Blütenstandsdrüsen ebenfalls transparent, während der Stängel drüsenfrei war und lediglich mit nach unten weisenden Borstenhaaren besetzt ist.
Die Vielfalt nimmt kein Ende....

Soweit erstmal,
Gruß, Tetra
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gerd
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G_tetrahit

Beitrag von gerd » 11.08.2007, 21:29

Hallo zusammen,

Folgende habe ich tetrahit zugeordnet.
Die schwarzköpfigen Drüsenhaare sind im Blütenstand
und unter dem Blattansatz vorhanden.
Die Lippe ist ...??
Aufnahme vom Spertental/Tirol, Waldrand auf der Alm, 04.08.2007

Gruß
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Es gibt nur ein Elend, und das ist Unwissenheit(Thornton Wilder)

niXda

Beitrag von niXda » 12.08.2007, 14:15

Hallo Gerd,
das ist eindeutig Galeopsis terahit - Stechender Hohlzahn, welcher in der Einfärbung der Blüte besonders variabel ist (von Rot mit gelb bis rein Weiß ist alles möglich)! Man erkennt diese Art immer an den sehr langen Kelchzipfeln, welche lang und hart bzw. stechend sind und an der weit aus dem Kelch ragenden Blüte. Der Mittelzipfel der Unterlippe ist fast Quadratisch! Bei Galeopsis bifida - Kleinblütiger Hohlzahn ist das entsprechen anders: die Kelchzipfel sind deutlich weniger lang und eher weich bzw. nicht stechend und die Blüte ragt kaum aus dem Kelch bzw. gerade mal so weit aus dem Kelch wie dieser (ohne Spitze) lang ist. Dazwischen gibt es dann hier und da Mischformen, dabei spricht man dann vom Galeopsis tetrahit Aggregat.

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Dolgenblütler
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Beitrag von Dolgenblütler » 13.08.2007, 10:12

Diesen Hohlzahn habe ich gestern in Ulm gefunden. Ich hätte ihn als G. tetrahit bestimmt. Auffällig war, dass die Knoten kaum behaart und fast nicht verdickt waren.
Viele Grüße
Thomas
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gerd
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Hohlzähne

Beitrag von gerd » 13.08.2007, 16:11

Hallo zusammen,

habe gestern an 4 verschiedenen Standorten 7 Exemplare tetrahit abgelichtet, die alle im Bereich des ersten Kreises (siehe Bild) dunkelköpfige Drüsenhaare haben. Unter den darunter befindlichen Knoten finden sich keine mehr.
Nun ist mir aufgefallen, daß z.B. Thomas(Dolgenblütler) den Stängel
weiter abwärts ablichtet, weshalb keine dunkelköpfigen Drüsenhaaren
zu sehen sind.
Aus diesem Grunde hätte ich gerne gewußt, wie die Aussage von Gregor
"dunkelköpfige Drüsenhaare an der Stängelverdickung unterhalb der Blattansätze" zu interpretieren ist.
Genügt es diese Drüsenaare an irgendeiner Stelle des Stängels nachzuweisen oder ab welchem Kreis der Ablichtung??
Danke vorab

Gruß
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Sandfloh
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Beitrag von Sandfloh » 13.08.2007, 21:29

tolle Idee, dieses Galeopsis-special!

Bildermäßig kann ich nur den auffälligsten Vertreter Galeopsis speciosa beitragen.
Was mir dabei auffiel ist, dass dieser in großen Gruppen am Fundort in Berchtesgaden auftrat, die meist auch einige Exemplare mit kleineren, roten Blüten mit gelbem Fleck auf der Lippe enthielten.
(wohl Galeopsis tetrahit, habe leider weder Foto nach echte Bestimmung).
Vom Habitus her gingen diese völlig unter, ohne Blüten wären sie nicht aufgefallen, da beide borstig behaarte, verdickte Stängelknoten aufweisen.

Mag völliger Quatsch sein, aber mein erster Gedanke war, dass sich da ein rezessives Merkmal bei den roten Exemplaren "ausgemendelt" hat.
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Hohlzahn

Beitrag von gerd » 13.08.2007, 22:57

Hallo zusammen,

schade, dass niemand auf meine obige Einstellung antworten kann
oder will.
Anhand der folgenden Einstellung soll deutlich werden, was ich meine.
Die für mich eindeutig zu E_tetrahit gehörende Pflanze wuchs alleine
im Uferbereich der Eyach/Nördl.Schwarzwald. Hunderte Meter davor
und dahinter keine Galeopsis.
Auch hier ist es so wie oben beschrieben, weswegen ich den Stängelverlauf von oben nach unten(auf dem Foto von links nach rechts) aufzeige.
Hätte ich den Fotoapparat auf den 2.Knoten oder darunter angesetzt,
wären die schwarzköpfigen Drüsenhaare dahin.
Und manch Einer glaubt, die Beschreibungen sind mangelhaft.
Die Einbuchtung auf der Lippe verdient auch einen Blick.
Aufnahmen vom 12.08.2007, Eyachtal

Gruß

Grüße
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Hohlzahn

Beitrag von gerd » 13.08.2007, 22:58

Noch die Lippe

Gruß
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Blütengröße

Beitrag von Rhincodon_typus » 14.08.2007, 08:51

Ich habe dank schlechter Wetterverhältnisse leider keine Fotos gemacht, aber am Wochenende habe ich am Wegrand am Zeltplatz zwei Hohlzähne direkt nebeneinander gefunden. Ich meine, dass es tetrahit (breiter Mittellappen der Unterlippe, weißliche Blüte, schwarze Drüsenköpfe in der Infloreszenz, verdickter Stängel unter den Internodien) und bifida (ausgerandeter Mittellappen der Unterlippe, rosa Blüte, helle Drüsenköpfe in der Infloreszenz, verdickter Stängel unter den Internodien) waren. Das auffälligste war allerdings die Blütengröße. Die Blüten des vermeintlichen Galeopsis bifida waren deutlich kleiner, als die des vermeintlichen G. tetrahit. Habe ich da nur Glück mit dem deutlichen Größenunterschied gemacht oder kann man die Größe der Blüten als ein ausschlaggebendes Merkmal verwenden?

Blomster
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Beitrag von Blomster » 14.08.2007, 10:40

Hallo Gerd,

das mit den Drüsenköpfen ist weiter oben bereits etwas erläutert und in einem anderen Thread auch schonmal angesprochen worden.
Das Merkmal der Farbe der Drüsenköpfe lässt sich wohl nur sicher auf die Kelche anwenden! Die Stengelbehaarung, einschließlich "Bedrüsung", ist bei der tetrahit/ bifida-Gruppe sehr variabel und kann höchstens als Hinweis dienen, aber nicht als sicheres Bestimmungsmerkmal. Maßgeblich ist schlussendlich die Form der Lippe.

Grüße aus dem Norden,


Björn
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Beitrag von Gregor » 16.08.2007, 11:34

Hallo allerseits,

mir ist erst in diesem Jahr (2007) ein weiteres Unterscheidungsmerkmal zwischen Galeopsis bifida Boenn. und Galeopsis tetrahit L. bekannt geworden, das ich euch nicht vorenthalten will. Da dieses Merkmal aber bisher in keiner der gängigen Floren aufgeführt wird, habe ich bisher nicht darauf geachtet und kann somit momentan auch nichts zur Zuverlässigkeit dieses Merkmals sagen.
Und zwar behaupten Schweizer Botanikerkollegen, dass die Blattoberseite von Galeopsis bifida Boenn. helle Drüsen besitze und dadurch glänzend sei, während die Blattoberseite von Galeopsis tetrahit L. mit dunklen (rötlichen) Drüsen ausgestattet sei! Hinweis: Drüsen ist hier im Sinne von Drüsen im bzw. am Blatt zu verstehen, ähnlich wie bei Hypericum-Blättern, und nicht als Drüsenhaar!
Achtet in eurem Gebiet doch mal auf dieses Merkmal und berichtet dann hier, ob ihr das bestätigen oder ob ihr das widerlegen könnt.
Ich bin schon sehr gespannt auf eure Berichte! Sollte sich dieses Merkmal als zuverlässig erweisen hätten wir neben der Farbe der Drüsenhaarköpfe im Kelchbereich und der Form der Blütenlippe noch ein drittes Unterscheidungsmerkmal hinzugewonnen.

Schöne Grüße aus Kiel

Gregor

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