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Dactylorhiza maculata

Wer eine Wildpflanze aus Europa bestimmt haben möchte, kann hier eine Bestimmungsanfrage dazu stellen.

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2. Bitte zu jeder Anfrage einen Fundort (Land,Stadt, Umgebung, Habitat etc.) und Funddatum angeben
3. Bitte nicht mehr als 3 Pflanzen pro Thema anfragen (wird sonst unübersichtlich)
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TIPP: Je mehr Detailbilder ihr von einer Pflanze zeigt, also zum Beispiel Gesamtaufnahme der Pflanze, Blatt + Blüte von oben und unten, Stängel unten + oben, Früchte oder weiteres, desto größer ist der Bestimmungserfolg und die Artansprache hier im Forum.
Weiterhin viel Spass im Forum :)
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Dolgenblütler
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Dactylorhiza maculata

Beitrag von Dolgenblütler » 28.07.2007, 14:52

Von der Blüte her tippe ich hier auf Dactylorhiza, obwohl man keine Tragblätter erkennen kann. Es könnte D. maculata oder fuchsii sein, weil der Mittellappen der Blüte mal kürzer und mal länger als die Seitenlappen sind. Gibt es auch eine Hybride zwischen diesen beiden Arten?
Gefunden auf dem Fellhorn
Herzliche Grüße
Thomas
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Gregor
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Beitrag von Gregor » 28.07.2007, 15:22

Hallo,

ja es gibt auch eine Hybride zwischen diesen beiden Arten: Dactylorhiza x transiens (Druce) Soó, Geflecktes Bastard-Knabenkraut (Elter: D. fuchsii (Druce) Soó ssp. fuchsii x D. maculata (L.) Soó ssp. maculata).
Aber ich würde hier doch eher auf Dactylorhiza fuchsii (Druce) Soó ssp. fuchsii, Gewöhnliches Fuchs´ Knabenkraut tippen.

Schöne Grüße aus Kiel

Gregor

Karl Heyde
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Beitrag von Karl Heyde » 28.07.2007, 17:27

Hallo Thomas,

Dactylorhiza ist richtig erkannt. Bei der Infloreszensaufnahme sind auch die für Dactylorhiza typischen Tragblätter zu sehen, wenn auch bei dieser Pflanze relativ klein ausgebildet.
Wie Gregor bin auch ich der Meinung, dass in dieser Pflanze auf jeden Fall Dactylorhiza fuchsii steckt. Bei mir im Mitteldeutschen Raum haben sich aber Pflanzen mit dieser fast rechteckigen Lippenform mit den sehr langen Seitenlappen fast immer als Hybriden erwiesen. Nachfolgendes Bild zeigt einen Ausschnitt der Variabilität von Dactylorhiza fuchsii und ihren Hybriden in Sachsen-Anhalt. Allerdings können die Formen in den ALpen auch anders sein, zumal dort auch weitere Dactylorhiza-Arten vorkommen. Oft ist es bei dieser Orchideengattung schwierig, eine Einzelpflanze zu bestimmen. Wenn möglich sollte man sich einen Überblick über die Variationsbreite der Population verschaffen.

Gruß Karl
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s.munzinger
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Beitrag von s.munzinger » 28.07.2007, 20:01

Hallo,

ein möglicher Partner für das D. fuchsii könnte meiner Meinung nach zum Beispiel auch D. lapponica gewesen sein. Zumindest hat wäre dies eine mögliche Erklärung für die intensiv gefärbte Blütenstandsachse.
Mit Northeimer Grüßen
Stefan Munzinger

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botanix
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Beitrag von botanix » 28.07.2007, 21:22

Hallo zusammen,

also, wenn man eure Beiträge so liest, könnte man meinen, es gibt bald keine reinen Arten mehr. Selbst die Laien sehen schon in jeder Orchidee eine Hybride. Ganz so schlimm ist es in weiten Teilen Deutschlands und der Nachbarländer wohl doch nicht. In vielen Fällen wird die natürliche Variationsbreite nicht beachtet. Ausreißer gibt es fast in jeder größeren Population (nur mal als optisch sehr auffallendes Beispiel: Blütenfarben von weiß bis rotviolett - hyperchrom, kaum sichtbare bis kräftige Schleifenzeichnung). Insofern sind Einzelpflanzen wie diese, ohne Kenntnis der Gesamtpopulation, nur mit Vorbehalt einzuordnen. Dactylorhiza ist schwierig - aber überall nur Hybriden ?

Gruß botanix
alte Botanikerweisheit: man sieht nur was man kennt

Gregor
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Beitrag von Gregor » 28.07.2007, 21:29

Hallo allerseits,

also ich halte das immer noch für innerhalb der ganz normalen Varitionsbreite von normaler Dactylorhiza fuchsii (Druce) Soó ssp. fuchsii, Gewöhnliches Fuchs´ Knabenkraut und muss dafür auchn keine Hybride als Erklärung heranziehen.

Schöne Grüße aus Kiel

Gregor

Sebastian Sczepanski
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Beitrag von Sebastian Sczepanski » 28.07.2007, 22:10

Hallo,

entweder ist das eine Hybride D. fuchsii x D. majalis/traunsteineri/lapponica oder eine sehr dunkle reine D. fuchsii. Das kann man nicht genau sagen anhand von Bildmaterial. Wenn es eine Hybride ist, dann hätten dort aber mehr Dactylorhiza sein sollen.
Hybridisierung und Polyploidisierung sind halt die treibenden Kräfte in der Evolution der Gattung Dactylorhiza. Tut mir leid, ist halt leider so.

viele Grüße
Sebastian

Karl Heyde
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Beitrag von Karl Heyde » 28.07.2007, 22:22

Hallo allerseits,

wenn ich den Eindruck erweckt habe, dass es nur noch um Hybriden bei Dactylorhiza geht, so tut mir dies leid. Aber die neue Systematik, basierend auf molekulargenetischen Untersuchungen von Hedren und anderen stellt die meisten Allotetraploiden Sippen als Subspezies zu D. majalis. Also D. majalis ssp. traunsteineri usw.
Und selbst die "reine" ssp. majalis ist multiplen Ursprungs, das heißt an verschiedenen Orten und zu verschiedenen Zeiten durch Hybridisierung und Introgression aus D. incarnata und D. fuchsii-Urgenom entstanden.
Wir stecken bei der Gattung Dactylorhiza mitten in einem Evolotionsprozess.
Hinzu kommt, dass D. majalis und D. incarnata bis vor 200 Jahren in den von Flachmoorren durchzogenen Talmulden des Tieflandes häufig im selben Biotop nebeneinader vorkamen. Was dabei entsteht ist heute noch im Nationalpark Müritz oder in den Peenewiesen zu sehen. Es gibt vielfältige Hybridpopulationen mit verschiedensten Formenklastern, wobei in einem Bereich fast reine majalis-Merkmale dominieren, im anderen Bereich fast reine incarnata-Merkmale, woandersdie verücktesten Neukombinationen, die dann an D. majalis ssp. ruthei oder ssp. russowii erinnern.
Im Raum nördlich von Leipzig, insbesondere in der Dübener Heide sind die Überbleibsel und spezifische Introgressionslinien dieser ehemaligen Hybridschwärme zu finden. Reine incarnata existiert hier schon seit 1960 nicht mehr. Aber viele Teilpopulationen, die ich nur im weitesten Sinne D. majalis ssp. majalis zuordnen würde zeigen immer wieder mal Pflanzen mit Merkmalen von D. incarnata. Beispiele dazu habe ich bereits vor wenigen Jahren im Heimische-Orchideen-Forum zur Diskussion gestellt.
Interessant war für mich die Erkenntnis, die ich bereits in einem anderen Beitrag zum Thema Dactylorhiza vorgestellt habe: Im Harzvorland und im Unterharz in Sachsen-Anhalt habe ich öfters abblühende majalis und aufblühende fuchsii in der selben Wise gefunden und dann stand dann meist auch noch eine deutlich identifizierbare Hybride. Gewundert habe ich mich immer wieder darüber, dass gestandene Botaniker des Harzraumes immer wieder behaupteten, D. fuchsii und D. maculata lassen sich nicht trennen, in den Populationen gibt es immer alle Blütenformen. Auffällig war schon, dass sich im Harzraum das Formenspectrum von scheinbaren D. fuchsii-Populationen hin zu breiteren rundlicheren Blüten reichte. Erst eine aufwändige Fotometrische Analyse brachte mich zu der Erkenntnis, dass es in wenigen Populationen fließende Übergänge zwischen einer typischen fuchsii-Form und der Hybride mit majalis gab, aber alle Populationen einen tendenziellen Einfluss dieser Hybride zu haben schienen. Meine Schlussfolgerung war, die leicht abweichende Form der fuchsii-Populationen in tieferen Harzlagen rührt von der genetischen Beeinflussung durch D. majalis ssp. majalis her.
In der Mitteldeutschenbraunkohlenbergbaufolgelandschaft konnte ich ein weiteres Phänomen studieren. Hier kommen auf Grund der sehr speziellen Standortbedingungen verschiedene Dactylorhiza-Arten auf der selben Fläche vor, die sonst so nicht oder sehr selten zusammsammenwachsen würden. Dadurch lies sich sowohl die Etablierung der reinen Arten als auch die Bildung von Hybridpopulationen und Anfänge standortbedingter Introgressionslinien erkennen. Und diese konnte ich nun mit den Populationen der Kulturlandschaft vergleichen und so viel einfacher älter zurückliegende Introgrssionslinien in diesen erkennen.
Fazit: Dactylorhiza ist bei uns in Mitteldeutschland trotz weniger Arten sehr vielgestaltig und in 30% der Populationen lässt sich meist nur ein Teil dieser mit typischen Artbeschreibungen in Übereinklang bringen. Mein Lieber Freund Werner Dworschak hat auf der letzten Tagung der AHO-Vorstände in Unkeroda einen Dia-Vortrag über Bayerische Orchideen gehalten, der bei den anwesenden Experten bei manchen Orchideengattungen, insbesondere auch Dactylorhiza, sehr viel Stirnrunzeln und lautes grübeln verursachte. Bei vielen Pflanzen wusste selbst Herr Lorenz, Freund und Coautor von Dr. Baumann - Artbeschreibungen im Buch der Orchideen Deutschlands der AHO, nicht, wie er sie ansprechen soll. Er gestand ein, dass Werner Dworschak mit seinem Vortrag über die Orchideen Bayerns noch viel Untersuchungsbedarf aufgezeigt hat.

Liebe Botaniker, lasst Euch davon aber nicht unterkriegen. Wichtig ist bei Dactylorhiza, wenn möglich, nicht die Einzelpflanze, sondern den Querschnitt einer Population zu betrachten. Wie schon bei Epipactis helleborine werdet Ihr dann zu der Erkenntniss kommen, dass viele Populationen ihren eigenen Charakter haben. Leider kann ich Euch hier nicht meinen 1 1/2 stündigen powerpoint-Vortrag über die Variabilität der Gattung Dactylorhiza in Mitteldeutschland zum Besten geben, aber ich habe schon Doktoren und Professoren darüber staunen sehen.

Herzliche Grüße
Karl

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botanix
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Beitrag von botanix » 28.07.2007, 22:49

Hallo Karl,

ein ausführliches Statement - Danke.
Dort wo der Mensch "gewühlt" hat, bzw. allgemein gesagt, die Umwelt stark verändert ("anthropogene Überformung") und dadurch Standorte für verschiedene Sippen (!) schafft, die eng benachbart sind, können fleissige Bienchen also ein Chaos bewirken. Diese neuen Standorte bieten ja gerade den Hybriden den entscheidenden Vorteil, weil vom Genom her breiter aufgestellt. Das kann ich nachvollziehen.
Hier in Mittelhessen sieht das anders aus. Majalis und fuchsii sind Blütezeit- und meist auch Standortmäßig deutlich getrennt. Incarnata ist eine Rarität.
Hybriden ? Keine gesehen.

Gruß botanix
alte Botanikerweisheit: man sieht nur was man kennt

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