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Kleine Mooswerbung

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Tharandter
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Kleine Mooswerbung

Beitrag von Tharandter » 03.12.2020, 09:17

Hallo zusammen,

die Reaktionen von Menschen die mich bei der Moossuche erwischen, sind oft die gleichen. Bei meiner suchenden Forwärtsbewegung an Bächen oder Wegrändern, tönen mir (in bayerischem Dialekt) Fragen wie "Hams was verloren?", "Is do a Viech?" oder "gibt's do a seltenes Bleamerl?" entgegen. Wenn ich dann erwidere, dass ich nach Moosen suche, ist die Reaktion in 90% der Fälle ein "achso", "die hab ich im Garten, wie bekomme ich die los?" oder "gibt es da mehr als eins". In etwa 10% der Fälle stoße ich auf Begeisterung und biete dem interessierten Wanderer auch gerne einen Blick durch die Lupe an.

Darum habe ich habe lange überlegt wie man mehr Menschen für die unfassbar tolle Welt der Moose begeistern kann und möchte es mal mit einem kleinen virtuellen Lupeneinblick in diese unvorstellbare Vielfalt versuchen. Dazu möchte ich euch einige Bilder zeigen, die ich in den Chiemgauer Alpen gemacht habe. Es handelt sich zum Teil um sehr spezielle Arten, die eine sehr enge ökologische Nische haben und aus diesem Grund nur an wenigen Stellen überhaupt vorkommen.

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Ein Spitzmoos (Lophozia guttulata), diese Arten besiedeln überwiegend morsches Nadeltotholz in Nordhanglagen

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Das Fels-Schwanenhalsmoos (Campylostelium saxicola) ist eines unserer kleinsten Moosarten und siedelt auf losen Sandsteinen (Flysch) in engen Bachtälern

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Das Glänzende Flügelblattmoos (Hookeria lucens) ist der nördlichste Vertreter einer tropischen Moosfamilie. Zu finden in Bachtälern auf Flysch

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Ein Bärtchenmoos (Hydrogonium croceum = Barbula crocea) in feuchten Kalkfelsspalten

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Das Kahnblattmoos (Sphenolobus minutus) ist auf Latschenhumus häufig

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Das Dünnkelchmoos (Mylia taylorii) ist eines der schönsten Moosarten auf Latschenhumus

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Das Federchenmoos (Ptilidium pulcherrimum) besiedelt trockene Nadelholzstümpfe oder Stämme, kommt aber auch an der Borke freistehender Fichten vor

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Das Sichelige Kleingabelzahnmoos (Dicranella heteromalla) besiedelt lehmige Weganschnitte. Auf dem Foto sind gut die Sporenkapseln zu erkennen, wodurch sich Moose über Sporen verbreiten.

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Wie eine Reptilienhaut überzieht das Kegelkopfmoos (Conocephalum conicum) feuchte Erde an Bachrändern oder an Felsen

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Das Keltische Spaltzahnmoos (Fissidens celticus) ist eine Rarität und wurde 2019 auf einer Exkursion, erstmals für die Chiemgauer Alpen nachgewiesen.

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Das Beblätterte Blasenmoos (Diphyscium foliosum) ist eines meiner Lieblinge, es wächst auf lehmiger Erde zwischen Buchenwurzeln und seine Kapsel schaut aus wie ein kleiner Blasebalg. Trifft ein Wassertropfen dieses "Säckchen", so stößt die Kapsel die Sporen in einem bis zu 1m hohen Strahl aus der Kapsel

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Das Duftende Erdkelchmoos (Geocalyx graveolens) trägt seinen Namen zu Recht, es duftet nach Rosen.

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Das Gefiederte Kranzmoos (Rhytidiadelphus subpinnatus) wächst an feuchten Stellen in blockreichen Bergwäldern.

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Das Rosenmoos (Rhodobryum roseum) ist meist nur in Einzelpflanzen zwischen anderen Moosen zu finden.

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Das Thujamoos (Thuidium assimile) ist weit verbreitet und auch in Fichtenforsten häufig. Dennoch ein Kunstwerk der Natur.

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Das Krummstielmoos (Flexitrichum gracile = Ditrichum gracile) ist ein Sonnenanbeter und wächst oft auf sonnigen Kalkfelsköpfen.

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Es gibt zahlreiche Torfmoosarten, hier das Sumpf-Tormoos (Sphagnum palustre).

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Das Kalklappenmoos (Cololejeunea calcarea) trägt seinen Namen ebenfalls zu Recht, es findet sich oft auf feucht-schattigen Kalkfelswänden, wo es in keinen halbkugeligen Polstern wächst.

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Das Bartkelchmoos (Calypogeia muelleriana) ist winzig aber dennoch ein Hingucker. Es wächst auf feuchter lehmiger Erde.

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Plattmoose wie hier Plagiothecium succulentum besiedeln häufig Humusauflagen und Totholz in Bergwäldern.

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Wohl kaum ein Moos ist so eigenartig wie das Grüne Koboldmoos (Buxbaumia viridis). Es ist eine besonders geschützte Art und von ihm sind nur die "Kobold-"mützenförmigen Kapseln zu sehen, die fast wie Pilze aussehen. Die Art versteckt sich in schattigen Bergwäldern auf morschem Nadeltotholz.

Das soll es erstmal gewesen sein und ich hoffe ich konnte euch ein wenig für diesen Mikrokosmos begeistern, der uns überall umgibt. Wer sich für Moose interessiert oder selbst mal ihre Vielfalt erleben möchte, dem empfehle ich eine kleine Juwelierlupe 10x für ein paar Euro. Ihr werdet in eine wundervolle Welt eintauchen.

In diesem Sinne, eine gute Woche und haltet die Augen offen!
-Tharandter
Zuletzt geändert von Tharandter am 03.12.2020, 13:21, insgesamt 3-mal geändert.

Maltus
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Re: Kleine Werbung für Moose

Beitrag von Maltus » 03.12.2020, 10:02

Sehr schöne Bilder und eine gute Einführung für einen Moos-Laien wie mich. Herzlichen Dank!
Freundliche Grüße
Georg

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JarJar
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Re: Kleine Werbung für Moose

Beitrag von JarJar » 03.12.2020, 11:10

Hallo Tharandter,

ein wunderbarer Einblick in die Welt der Moose, die du uns da gewährst! Tolle Bilder und schöne Erklärungen! Ganz prima fände ich noch die lat. Namen der Moose in Klammer hinter den deutschen Namen :) (ich vermute mal, du hast dir darüber auch schon Gedanken gemacht... )

Lieben Gruß und Dank,
Christoph

Tharandter
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Re: Kleine Moosewerbung

Beitrag von Tharandter » 03.12.2020, 13:16

Die lat. Namen habe ich ergänzt. :)

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Arthur
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Re: Kleine Mooswerbung

Beitrag von Arthur » 04.12.2020, 18:09

Eine schöne Zusammenstellung, macht lust auf mehr. Die meisten Arten habe ich leider noch nie sehen dürfen. Meine Hoffnung ist es eines Tages mal mit einem Bryologen durch interessante Gebiete zu ziehen. Ich kenne nur die häufigen Arten (halbwegs).

Vielen Dank Tharandter für deine tolle Arbeit.
Man darf vom Einzelnen nicht auf das Ganze schließen!

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Anagallis
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Re: Kleine Mooswerbung

Beitrag von Anagallis » 04.12.2020, 20:16

Bei mir ist es vor ein paar Jahren versandet wegen der Technik. Mittlerweile ist zwar ein Bino mit Durchsicht da, aber so richtig Spaß daran, Pflanzen unter Vergrößerung zu bestimmen habe ich nicht.

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JarJar
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Re: Kleine Mooswerbung

Beitrag von JarJar » 05.12.2020, 21:27

Besten Dank für´s Ergänzen, Tharandter! Deine Bilder lösen tatsächlich wieder einen kleien Motivationsschub aus, mehr zu finden ;)

LG Christoph

ps. 4 davon kommen mir bekannt vor :) mal sehen wie lange es dauert, bis ich auch den restlichen mal begegnet bin (vermutlich wird das so schnell nicht passieren :D) Mylia taylorii und Diphyscium foliosum würden mich ja schon mal reizen! Und mal an Geocalyx graveolens zu schnuppern fände ich auch ganz cool :)

Tharandter
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Re: Kleine Mooswerbung

Beitrag von Tharandter » 11.12.2020, 09:23

gaensebluemchen7 hat geschrieben:
10.12.2020, 11:19
Wie schön doch Moos sein kann :o
Wo findet man denn diese Moose? An Bachläufen? Bei mir im Wald nebenan gibt es nur gewöhnliches Moos, aber vielleicht habe ich den Rest auch nicht als Moos erkannt...
Auch die "gewöhnlichen" Moose sind wahre Kunstwerke der Natur! :) Ein Beispiel wäre das Thuja-, Etagenmoos oder Frauenhaarmoos.

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Das Frauenhaarmoos (Polytrichum formosum), ist nahezu in jedem Wald vertreten.

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Schlafmoose wie hier Hypnum jutlandicum, gehören zu den häufigsten Moosen.

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Das Grünstängelmoos (Pseudoscleropodium purum) wächst häufig auf Humus in Nadelwäldern.

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Auf feuchten Waldwegen findet sich gelegentlich das Endivienblättrige Beckenmoos (Pellia endiviifolia).

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Etwas seltener aber auch verbreitet, findet sich das Farnwedelmoos (Ptilium crista-castrensis) in Nadelwäldern.

Viel Spaß beim Suchen und Finden! :)

-Tharandter
Zuletzt geändert von Tharandter am 11.12.2020, 14:17, insgesamt 1-mal geändert.

JohannesM
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Re: Kleine Mooswerbung

Beitrag von JohannesM » 23.12.2020, 12:05

Hallo Tharandter,

eine Sache die ich mich als Mooslaien aber Interessierten noch Frage ist, wie du bei der Bestimmung vorgehst? Hast du viele kleine Döschen dabei und nimmst Proben zur genaueren Untersuchung mit dem Mikroskop mit?

lg
Phasmatodea! What else? :D

Tharandter
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Re: Kleine Mooswerbung

Beitrag von Tharandter » 23.12.2020, 12:37

Viele Arten lassen sich sicher im Gelände mit einer 10x Lupe ansprechen, bei kritischen Arten sammle ich Herbarbelege in Papier- oder Plastiktüten, da einige Moose (wie Lebermoose) feucht bleiben müssen. Dann lassen sich viele Arten im Binokular bestimmen oder eben unter dem Mikroskop (Blatt, Stängelquerschnitte, Sporen etc.).

Viel lässt sich über die Ökologie ausschließen oder bestimmen, es gibt Arten die nur auf bestimmten Substraten oder Höhenlagen vorkommen. Das ist dann allerdings schon fortgeschritten.

Berg_und_Tal
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Re: Kleine Mooswerbung

Beitrag von Berg_und_Tal » 23.12.2020, 18:42

Schöner Beitrag, Tharandter.
Die Fotos sind handwerklich auf hohem Niveau und bringen auch die Ästhetik der Moose schön rüber - weiter so (oder: g'fallt mer guat ;) )
Grüße, Jens

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