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Feines einfach gefiedertes Moos in der Wiese

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Codo
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Feines einfach gefiedertes Moos in der Wiese

Beitrag von Codo » 19.01.2020, 17:02

Liebes Forum,

bald 30 Jahre her, dass ich mich schon mal intensiver mit Moosen befasst hatte. Nun wollte ich mal wieder einsteigen und gucken, was so in meinem Garten wächst, und bin gleich bei einem (für mich) schwierigen Moos gelandet.
Wir haben generell einen sehr mageren Sandboden, ich denke eher sauer als basisch. Im Sommer staubtrocken. Jetzt natürlich nass und durchweicht. Wird nicht häufig gemäht, dementsprechend viele Kräuter und Grasarten. Fast überall findet sich Sparriges Kranzmoos und weitere Allerweltsmoose (denen ich noch genauer nachgehen muss). An einer sonnigen Stelle findet sich ein ca. 15 x 30 cm großer, dichter "Rasen" des hier gesuchten Mooses, auffällig gelblicher als die anderen Moose drumherum, sehr fein und dünn. Stängel meist grün, aber z. T. auch rötlich. Stamm 2 - 3 cm lang, Seitenäste bis zu 1 cm, die meisten aber nur so 5 - 8 mm. Blätter am Stamm höchstens 1 mm (wenn überhaupt), an den Seitenästen vielleicht so 0,5 mm.
Stammblätter mit deuticher Rippe, die mehr oder weniger bis in die Blattspitze reicht. schwach gesägt vom Grund bis (andeutungsweise) in die Blattspitze. Zellen länglich rauten-/rhombenförmig, in den Blattflügeln etwas lockerer, 2 - 4x so lange wie breit, zur Blattspitze hin länglicher, vielleicht 8 - 10x so lang wie breit. Astblätter mit deutlich kürzerer Rippe, habe auch Blätter mit doppelter Rippe gefunden.
Meine Mikroskop-Fotografierkünste sind leider nicht so doll, ich hoffe, man kann mit den Bildern trotzdem etwas anfangen.

Nach Bestimmungsschlüssel bin ich beim Wurzelnden Stumpfdeckelmoos (Amblystegium juratzkanum) gelandet, bin mir aber total unsicher...

Wer kann helfen?

Fundort: Deutschland, NRW, Münsterland, Rheine, Garten. Tendenziell eher kalkarmer, sandiger Boden.
Fotos: Markus Koschinsky
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Codo
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Mehr Bilder...

Beitrag von Codo » 19.01.2020, 17:03

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bryotom
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Re: Feines einfach gefiedertes Moos in der Wiese

Beitrag von bryotom » 21.01.2020, 11:30

Hallo Codo,

das ist nach den Fotos keine ganz einfache oder in jedem Fall eindeutige Sache.
Zunächst würde ich hier nicht an Amblystegium denken. Deine Pflanzen sind zu kräftig und auch die Blattzähnelung ist mir zu heftig!
Es sollte sich nach Habitus und Blattmerkmalen um eine Brachytheciaceae handeln.
Das Blatt mit der Dopplerippe scheint mir allerdings ein "Ausreißer" zu sein.

Der fiedrige Habitus im Bild IMG_1825a sowie die Ansichten von Stämmchen und Ästen (z.B. IMG_1829a, IMG_1831, IMG_1832 und IMG_1833) lassen mich eher an Eurhynchium praelongum (Kindbergia praelonga) denken. Es scheint mit hier einen Stamm-Ast-Blattdimorphismus zu geben und die Stämmchenblätter sind aus einer breiteren eher herzeiförmigen Basis in eine ausgezogene Spitze (in die die Rippe geführt ist) verschmälert, die stark (z.T. waagrecht) von Stämmchen weggekrümmt ist. Die Astblätter sind dagegen eilanzettlich ohne auffallend breite Basis, aufrecht abstehend und ohne abspreizende Spitze. Die Blattränder sind stark gezähnt.
Die Art ist häufig, gerade im Rasen und Grünland aber auch in Wäldern, standortvag und notorisch variabel.

Andere Bilder (z.B. IMG_1827a) deuten möglicherweise auch auf Beimengungen von Brachythecium rutabulum hin.
Ebenfalls standortvag und notorisch variabel.

Beide Arten wären standörtlich zu erwarten.

Beste Grüße
Thomas

Codo
Beiträge: 75
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Re: Feines einfach gefiedertes Moos in der Wiese

Beitrag von Codo » 23.01.2020, 20:36

Hallo Thomas,

vielen Dank für Deine ausführliche Antwort!

Beim Eurhynchium praelongum passt zwar einiges, aber auch nicht alles. Zum einen habe ich gefunden, dass die Blattrippe als Dorn auf der Unterseite des Blattes austreten sollte. Habe mir gestern nochmal einige Stengel unter dem Mikroskop angesehen, und nichts dergleichen finden können. Auch der typische Standort (feuchte, schattige Wälder) passt bei mir nicht, es wächst ausgerechnet an einer der sonnigsten Stellen meines Gartens. Andererseits hast Du den Stamm-Ast-Blattdimorphismus gut beschrieben, der in der Form gut zu Eurhynchium praelongum passen würde. Ob dieser *gegen* Amblystegium sprechen würde, weiß ich nicht... hab ich so leider nichs zu gefunden.

Was die Gesamtgröße angeht, hmm, also ich finde 'mein' Moos schon auffällig klein und schmächtig. Jedenfalls deutlich kleiner und dünner, wenn ich es z. B. neben ein Sparriges Kranzmoos oder Brachythecium rutabulum legen würde. Vielleicht kann ich am Wochenende im Hellen nochmal ein paar Vergleichsbilder auf Millimeterpapier machen.

Na jedenfalls hätte ich nicht gedacht, dass es hier auf Anhieb gleich so schwierig würde... Auf jeden Fall macht es Lust, sich mal wieder mehr mit den Moosen zu beschäftigen! :-)

Gruß,

Codo

bryotom
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Re: Feines einfach gefiedertes Moos in der Wiese

Beitrag von bryotom » 24.01.2020, 11:20

Hallo Codo,
wie ich schon sagte, ist die Art sehr variabel (u.a. in Größe und Verzweigungsform) und es gibt kaum eine standörtliche Bindung. Man findet sie im Offenland wie im Wald, halbruderal und relativ naturnah. Standörtliche Merkmale für die Bestimmung heranzuziehen, macht hier also wenig Sinn.
Die Art ist aber substantiell schmächtiger als B. rutabulum oder Rh. squarrosus, mit denen sie oft zusammen angestroffen werden kann.

Hinzu kommt, dass Du wahrscheinlich einen Artenmix in deiner Fläche hast (von den Bildern her wahrscheinlich).
Es ist also wichtig vorzusortieren. Die Pflanze unterm Bino sollte die gleiche sein, deren Teile dann unter dem Mikroskop landen.

Bei der austretenden Rippe muss man wissen, dass dies nur am Rücken der Astblätter zu beobachten ist.
Am besten einne ganzen Zweig unter das Deckglas legen und dann die Blattrückseiten in schräger Seitenansicht absuchen.

Den Stamm-Ast-Blattdimorphismus gibt es so nicht bei Amblystegium serpens. Deine bisher geposteten Bilder lassen auch nicht auf diese Art schließen.

Viel Spaß noch beim Wiedereinstieg
Thomas

Codo
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Re: Feines einfach gefiedertes Moos in der Wiese

Beitrag von Codo » 01.02.2020, 14:30

Moin Thomas,

nun bin ich endlich nochmal dazu gekommen, ein paar Bilder zu machen.

Zum einen nochmal als Größenvergleich, das hier zur Debatte stehende Moos in der Mitte, gegenüber links einen Sparrigen Kranzmoos, und rechts einen 'Wald- und Wiesenmoos' (vermute Brachythecium rutabulum, aber das muss ich mir noch genauer ansehen). Millimeterpapier hatte ich nicht mehr, Karopapier (5 mm Teilung) tut's auch... :-)
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Dann nochmal die kurz austretende Blattrippe, ich hab's nochmal probiert, aber nichts gefunden, aber das kann auch an meinen Mikroskopierfähigkeiten liegen.

Der Blatt-Dimorphismus ist tatsächlich deutlich, habe nochmal getrennt Stammblätter und Astblätter gegenübergestellt. Das eine Blatt von neulich mit der Doppelrippe war tatsächlich ein Einzelgänger, vielleicht auch einer anderen Art mit reingerutscht. Habe ich so nicht wieder gefunden.

Hier also die Stammblätter:
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Und hier die Astblätter:
Hmm... manchmal klappt das Bilder einfügen, manchmal nicht... Astblätter kommen gleich als Antwort... :-)

Ja, ich denke damit nehme ich das Moos wohl als Eurhynchium praelongum (vielleicht mit etwas Restunsicherheit?) in meine Sammlung auf.

Vielen Dank nochmals!

Gruß,

Codo

Codo
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Re: Feines einfach gefiedertes Moos in der Wiese

Beitrag von Codo » 01.02.2020, 14:31

Hier die Astblätter nochmal:
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