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Kobolde im Novembergrau

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Tharandter
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Kobolde im Novembergrau

Beitrag von Tharandter » 29.11.2016, 13:30

Geplant war eine entspannte November-Nebelwanderung im Mangfallgebirge und dann kam uns doch tatsächlich ein überraschender und wirklich toller Fund im Wendelsteingebiet unter. Als wir durch ein hochgelegenes Moor wanderten und die Nebelschwaden schon fast klischeehaft durch den Bergwald zogen, scherzten wir noch mit den Worten, welche Geister und Kobolde sich hier verstecken mögen. :D Die Kobolde zeigten sich dann tatsächlich schneller als gedacht und zwar an einem morschem Fichtenstamm der ins Moor gefallen war.
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buxbaumia viridis biotop.jpg (236.5 KiB) 1959 mal betrachtet
Wir wollten unseren Augen kaum trauen aber es wohnte da tatsächlich, das Grüne Koboldmoos (Buxbaumia viridis).
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buxbaumia viridis.jpg (576.27 KiB) 1959 mal betrachtet
Diese Art hat mit den Moosen, wie man sie vlt. vom Garagendach oder von der Hausmauer kennt, so gar nichts gemeinsam. Anders als bei den "gewöhnlichen" Moosen, sieht man beim Koboldmoos keinerlei Moospflänzchen. Diese sind mikroskopisch klein und befinden sich in morschem Holz. Diese Pflänzchen werden durch Pilze ernährt, so genannte Mykorrhiza. Das einzig auffällige an diesem Moos, ist die wirklich riesige Sporenkapsel (Sporophyt). Dieser ist einer der größten im Reich der Moose und verglichen mit der mikroskopisch kleinen Moospflanze ein wahrer Gigant. Ein einziger dieser Sporenkapseln kann bis zu 9 Mio. (!) Sporen hervorbringen. Dies verwundert nicht, wenn man bedenkt, wie gering dich Chance ist, dass er auf das geeignete Substrat trifft. Das Moos ist demnach sehr selten und wächst auf stark morschen Fichtenstämmen oder Stümpfen in der Nähe von Bächen, Mooren oder in Schluchten. Da wo die Luftfeuchtigkeit ganzjährig konstant bleibt. Das Grüne Koboldmoos ist eine FFH-Anhang II Art und durch Europarecht geschützt. Das Finden dieser Art kann man auch als bryologisches Lotterieglück bezeichnen, da das Moos in seiner Ernährung von einem Pilz abhängt, ist es an dessen Vitalität gebunden und so kann man das Moos in guten Pilzjahren (wie heuer) am besten finden. So verhält es sich scheinbar sprunghaft und unstet in seiner Verbreitung, wie ein Kobold eben. Also Augen auf an Fichtentotholz! ;)
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buxbaumia viridis2.jpg (340.67 KiB) 1959 mal betrachtet
Wir haben uns sehr über diesen Fund gefreut!

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botanix
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Re: Kobolde im Novembergrau

Beitrag von botanix » 05.12.2016, 21:43

Hallo,

ein kleiner, aber feiner Fund! Gratuliere :)
Für sowas muß man "den Blick" und ein ordentliches Quäntchen Glück haben.

Gruß

Peter
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Waldschrat
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Re: Kobolde im Novembergrau

Beitrag von Waldschrat » 01.01.2017, 23:16

Hallo Tharandter,
meinen Glückwunsch zu diesem Fund und meine Hochachtung für Deinen aufmerksamen Blick! Vielen Dank auch für die sehr informativen Erklärungen.

Viele Grüße von
Walter

Tharandter
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Kobold im Aprilwinter

Beitrag von Tharandter » 24.04.2017, 13:11

Hallo zusammen,

trotz des sehr späten Wintereinbruchs in den Alpen, zog es mich gestern wieder in die Bergwälder und es konnte mir tatsächlich ein weiterer Fund von Buxbaumia viridis gelingen. :D Ein derartiger Fund ist immer etwas besonderes für mich und ich möchte ihn euch gerne zeigen.

In einer Bachschlucht der Chiemgauer Alpen (Landkreis Rosenheim), Höhenlage ca. 800m, an einem morschen Fichtenstamm nahe des Baches. Die doch recht zahlreichen Neufunde dieser tollen und außergewöhnlichen Art in den letzten Jahren und aus den unterschiedlichsten Naturräumen, lassen die Vermutung aufkeimen, dass es Buxbaumia viridis wieder besser zu gehen scheint. Ob die vermehrten Funde allerdings auf eine aktivere Kartierungsarbeit oder aber tatsächlich durch eine Bestandszunahme zu begründen sind, bleibt abzuwarten.

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buxbaumia viridis - chiemgau 01.jpg (454.47 KiB) 1513 mal betrachtet

Lebensraum des Kobolds
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Ein frecher Wicht.
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buxbaumia viridis - chiemgau 03.jpg (412.79 KiB) 1513 mal betrachtet

Leider ist der nächste Wintereinbruch bereits auf dem Weg! :(

Viele Grüße,
Tharandter

Harries
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Re: Kobolde im Novembergrau

Beitrag von Harries » 24.04.2017, 14:29

Hallo Tharandter!

Es macht Freude deine Bilder dieser seltenen Gewächse zu betrachten !

Wiederholen möchte ich meinen Dank an die Forumsbetreiber für die Einrichtung dieses Unterforums. So ist der Zugang zu dieser Pflanzengruppe möglich geworden und vielleicht schließen sich demnächst noch viel mehr "Blumengucker" hier an und versuchen sich an der Bestimmung dieser Sporenpflanzen.

Für mich als Anfänger sind es nicht unbedingt die Seltenheiten, deren Finden Freude bereitet, sondern vielmehr dass die vielen Moose, die man täglich sieht, auch einen Namen bekommen.

Viele Grüße, H.

Tharandter
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Re: Kobolde im Novembergrau

Beitrag von Tharandter » 12.05.2017, 08:17

Und es ist wieder passiert... am vergangenen Wochenende auf einer Bergwanderung im Kampenwandgebiet. Dieses mal zeigten sich 15 Sporogone.

buxbaumia viridis4.jpg
buxbaumia viridis4.jpg (721.75 KiB) 1418 mal betrachtet

Krautwiggl
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Re: Kobolde im Novembergrau

Beitrag von Krautwiggl » 25.09.2017, 17:14

Ich möchte folgendes hierzu beitragen:

Buxbaumia viridis treibt derzeit wieder aus.

Eine Suche am Rand des Odenwalds war recht ergiebig neulich.Mal sehen, wie viele es davon bis zum ausgewachsenen Sporophyt schaffen. Es werden aber wohl die meisten davon vorher abgefressen.
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buxvir1.JPG (210.01 KiB) 1242 mal betrachtet
buxvir2.JPG
buxvir2.JPG (241.19 KiB) 1242 mal betrachtet

Grüße usw.

Tharandter
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Re: Kobolde im Novembergrau

Beitrag von Tharandter » 25.09.2017, 18:40

Hallo Krautwiggl,

vielen Dank für die wirklich interessanten Fotos der austreibenden Buxbaumia Sporogone. :D Ich warte auch schon sehnsüchtig auf die neue Koboldsaison! :)

Viele Grüße
Tharandter

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Re: Kobolde im Novembergrau

Beitrag von Krautwiggl » 02.10.2017, 20:00

... hat ja schon angefangen.
Da bleibt jedoch nichts anderes übrig, als auf die Knie runter und auf Augenhöhe mit dem morschen Holz selbiges abzusuchen.
Aber eigentlich hat die Saison ja nicht unbedingt aufgehört. Vereinzelt gibts immer noch zumindest die Seten oder trockene Sporenkapseln.

Grüße
K

Tharandter
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Re: Kobolde im Novembergrau

Beitrag von Tharandter » 03.10.2017, 11:20

Das stimmt, bei B. aphylla sind teilweise auch noch alte Sporogone auffindbar. :)

Tharandter
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Re: Kobolde im Novembergrau

Beitrag von Tharandter » 07.10.2017, 15:37

Mittlwerweile hatte auch ich den ersten Erfolg für die neue Saison! :) Es zeigten sich 7 Sporogone...

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buxbaumia viridis 1.jpg (925.93 KiB) 1123 mal betrachtet

buxbaumia viridis 2.jpg
buxbaumia viridis 2.jpg (797.26 KiB) 1123 mal betrachtet

Waldschrat
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Re: Kobolde im Novembergrau

Beitrag von Waldschrat » 22.01.2018, 22:47

Hallo Ihr beiden Moos-Spezialisten,
meine Hochachtung! Ihr habt wirklich gute Augen und eine echte Spürnase für solch winzige Gewächse. Toll!
Euer Walter

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Re: Kobolde im Novembergrau

Beitrag von Tharandter » 20.07.2018, 09:24

Hallo zusammen,

ich wollte mal fragen, wie denn in Eurer Gegend die "Koboldsaison" 2017/2018 so war. Sie sind ja nun reif und fallen auch reihenweise ab und aus diesem Grund wollte ich gerne mal in Erfahrung bringen, wer Buxbaumia viridis in welcher Menge und wo gefunden hat.

Für das südöstl. Oberbayern kann ich sagen, dass es ein herausragendes Grünes Koboldjahr gewesen ist. Wir konnten insgesamt 12 neue Vorkommen entdecken, darunter auch welche in Kulturlandschaften (langweiligen Fichtenforsten). Offensichtlich hat die Art im Herbst 2017 sehr viele Sporophyten bilden können und so war der größte besetzte Fundort mit mind. 75 (!) Sporophyten vertreten.

Ich bin gespannt auf die neue Saison ab Oktober, wobei ich diesbzfl. eher skeptisch bin. Der extrem trockene Sommer wird hier wohl zu starken Ausfällen führen aber warten wir es ab...

Viele Grüße
Tharandter

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Re: Kobolde im Novembergrau

Beitrag von Krautwiggl » 20.07.2018, 19:21

Da fühle ich mich mal angesprochen....

Die Saison war gut, kann ich nicht klagen. Am Fundort im Odenwald, siehe meinen Beitrag vom 25.9.2017 waren es bei einer Nachsuche so um die 150 Sporophyten. Hätten noch mehr werden können, aber es war schon ziemlich spät am Tag.

Buxbaumia viridis ist nicht selten. Mittlerweile gibt es mehr Funde als je zuvor und es werden immer mehr. Zumindest für Baden-Württemberg halte ich den Status "stark gefährdet" (laut Roter Liste) derzeit nicht mehr für gerechtfertigt.

In den "langweiligen Fichtenforsten" gibts oft die besten Vorkommen. Darunter auch der oben genannte mit 150 Sporophyten. Noch besser wars bei Meiningen vor ein paar Jahren mit 170 Sporophyten, wobei ich auch da nicht gründlich gesucht habe.
Es gibt jedoch regionale Unterschiede. Nicht immer gibt es geeignetes morsches Holz in Fichtenwäldern.

Für Oberbayern kann ich auch einen Fund vermelden: am Rand der Pupplinger Au.

Zusammengezählt komme ich seit dem Fund im Odenwald auf um die 1000 Sporophyten, verteilt auf den Schwäbisch-Fränkischen Wald, Glemswald, den Rand der Rhön, Schwäbische Alb (Südwest, Nordost und mittendrin), Fränkische Alb (Nördliche und Mittlere), Frankenhöhe, Spessart, Odenwald, Bauland, Pfälzer Wald, Oberschwaben, Südlicher Schwarzwald, Alpenvorland und den Rand des Thüringer Becken.

Grüße
K.

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