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Tayloria serrata; Gesägtes Halsmoos

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Tharandter
Beiträge: 148
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Tayloria serrata; Gesägtes Halsmoos

Beitrag von Tharandter » 13.11.2017, 21:17

Liebe Moosfreunde,

heute möchte ich Euch in eine ganz besondere Moosfamile entführen. Ein die nicht nur durch meist extravagantes Aussehen glänzt, sondern vorallem durch ihre speziellen Wuchsorte ein Alleinstellungsmerkmal unter den Moosen besitzt. Die Rede ist von der Moosfamilie der Splachnaceae, den Dungmoosen. Wie ihr Name bereits verrät, haben sich diese nitrophilen Moose auf verschiedene "gedüngte" Standorte spezialisiert, die man wohl in der Regel nicht für einen Mooslebensraum halten würde.

Alle Moose dieser Familie besiedeln Dung von verschiedenen Säugetieren (auch Vogelkot), Gewölle, Kleintierleichen und nitrifizierten (uringetränkten) Humus oder Totholz. Diese Lebensräume sind nicht nur spektakulär sondern auch besonders kurzlebig. Es hat also eine ganze Reihe Anpassungen gebraucht um diesen Lebensraum besiedeln zu können.

Bekannt sind diese Moose vorallem durch ihre namensgebende Gattung Splachnum (Schirmmoose), deren skandinavische Vertreter wohl die eigentümlichsten Kapseln der europäischen Moose besitzen. Sie sehen aus wie kleine Cocktailschirmchen und locken mit ihren Farben und dem Geruch meist Dungfliegen an, die ihre Sporen zum nächsten "Nährboden" weitertragen.

In Deutschland kommen drei Gattungen dieser Familie vor.

Splachnum, die eigentlichen Dung- oder auch Schirmmoose mit Splachnum ampullaceum und S. sphaericum. Die Arten dieser Gattung besiedeln feuchten Dung von Pflanzenfressern, der in Mooren oder Nasswiesen liegt und dadurch nicht austrocknet.

Tayloria, die Halsmoose mit insgesamt 7 Arten in Deutschland, darunter einer der seltensten Moosarten der Welt Tayloria rudolphiana, einem Moos, dass nur mit Vogelkot getränkte Moospolster an alten freistehenden Bergahornen in den Nordalpen besiedelt (Vorstellung folgt). Taylorien besiedeln vorallem Dung, nitrifizierten Humus und Totholz.

Tetraplodon, die Vierzackmoose mit drei Arten in Deutschland, Tetraplodon mnioides, T. angustatus und T. urceolatus welche aktuell als verschollen gilt. Alle Arten dieser Gattung besiedeln Kleintierleichen, Gewölle und den Kot von karnivoren Säugetieren (Fuchs etc.).

Heute möchte ich Euch die "häufigste" Art dieser unglaublich interessanten Moose vorstellen, Tayloria serrata das Gesägtes Halsmoos.

Die Art kommt in Deutschland ausschließlich in den Alpen vor, ist dort aber die mit Abstand häufigste Art der Gattung. Nur wenige Male wurde die Art in den höheren Mittelgebirgen gefunden. Man findet sie in montanen bis alpinen Matten, Wiesen, Mooren und Wäldern über Kalk, auf der Losung verschiedener Pflanzenfresser, auf Totholz und uringetränktem Humus (meist etwas abseits der großen Wanderwege).

Hier wächst Tayloria serrata auf zersetztem Rinderdung in einer Magerwiese auf 1500m Höhe.

tayloria serrata - lebensraum.jpg
Lebensraum von Tayloria serrata
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Tayloria serrata hat einen zweijährigen Lebenszyklus. Aus der Spore entwickelt sich auf dem geeigneten Substrat zunächst ein grünfilziges Protonema (Vorkeim) aus dem (meist im Herbst) schon bald die ersten Pflänzchen mit den Gametophyten (Geschlechtsmerkmalen) erwachsen.

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Pflänzchen
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Hier gut zu erkennen sind die leichte gezähnten Pflänzchen, die aus einem filzigen Protonema wachsen.

tayloria serrata - pflanzen 2.JPG
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Die Pflanzen überwintern steril, werden meist im Frühjahr befruchtet und bilden meist reichlich Sporogone aus. Diese Sporogone verfügen wie alle Sporenkapseln dieser Gattung über eine breite Apophyse (Kapselhals -> Name Halsmoose) und eine schlankere Theka (Urne). Nachdem sich die Kalyptra von der Theka gelöst hat, gibt sie das zurückgeklappte Peristom frei. Die Sporenreife ist im Sommer.

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Frische Kapseln mit Kalyptra
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Reife Kapseln mit geöffnetem Peristom
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Die Art bildet zudem rhizoidenbürtige, keulenförmige Brutkörper aus, die man unter dem Mikroskop sehr gut erkennen kann.

Ich werde Euch in nächster Zeit noch verschiedene andere Arten dieser Familie vorstellen und hoffe, dass euch diese Moose genauso begeistern wie mich, auch wenn ihre Wuchsorte nicht gerade die appetitlichsten sind. ;)

Viele Grüße,

Tharandter

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