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Tetrodontium brownianum; Browns Vierzahnmoos

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Tharandter
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Tetrodontium brownianum; Browns Vierzahnmoos

Beitrag von Tharandter » 02.08.2017, 13:55

Hallo zusammen,

heute gibt es mal wieder ein waschechtes Höhlenmoos und wohl eines, dass mit seiner Tiefe der besiedelten Höhlen so ziemlich alle anderen Pflanzen übertrifft. Wohl nur das Leuchtmoos (Schistostega pennata) und die Prothallien des Prächtigen Dünnfarns (Trichomanes speciosum) sind vergleichbare Lichtasketen.

Es handelt sich um das Browns Vierzahnmoos (Tetrodontium brownianum) aus der bemerkenswerten Moosfamilie der Tetraphidaceae. Moose dieser Familie zeichnen sich durch zwei Besonderheiten aus. Zum einen verfügt ihr Protonema über blättchenförmige Auswüchse und zum anderen besitzt das Sporogon immer nur genau vier Peristomzähne. Ein besonderes Alleinstellungsmerkmal unter den Moosen.

Zur Familie gehören in Deutschland Tetraphis pellucida und die drei Arten der Gattung Tetrodontium mit T. brownianum, T. ovatum und T. repandum. Letztere sind allesamt Silikathöhlenmoose mit sehr spezieller Anpassung, nur bei Tetraphis pellucida handelt es sich um eines unserer häufigsten Waldmoose.

Tetrodontium brownianum ist in Deutschland sehr zerstreut und findet sich fast ausschließlich in den Sandsteingebieten des Pfälzer Waldes und des Elbsandsteingebirges und zudem in einigen Mittelgebirgen wie des nördlichen Schwarzwaldes.

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Tetrodontium brownianum
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Biotop in einer Sandsteinschlucht
tetrodontium brownianum Biotop.png (964.44 KiB) 318 mal betrachtet

Charakteristische Wuchsorte befinden sich in tiefen Schluchten die ganzjährig kühl und luftfeucht sind. Dort wächst das Moos meist überhängend in Felshöhlen die mit einem dünnen Wasserfilm bedeckt sind.


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Sporophyt mit Protonemablättchen
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Sporophyt mit den vier Peristomzähnen
tetrodontium brownianum 3.JPG (424.35 KiB) 318 mal betrachtet


Als Begleitung treten, aufgrund der hohen Anpassung an Höhlen, meist nur wenige Arten auf und so ist das Moos häufig der einzige Bewohner dieser Wuchsorte. Beobachtete Begleiter sind Heterocladium heteropterum, Cephalozia bicuspidata, Diplophyllum albicans und an den Höhleneingängen auch Pellia epiphylla. Das Moos zählt zum Schistostegetum osmundaceae, einer Höhlenmoosgesellschaft in der das Leuchtmoos charaktergebend ist. Tatsächlich kommen beide aber nur sehr selten zusammen vor, da die Wuchsorte von Tetrodontium stets eine gewisse Grundnässe aufweisen müssen. Schistostega pennata hingegen bevorzugt trockenere Substrate in hoher Luftfeuchtigkeit. Als einzige höhere Pflanze vermögen die Prothallien von Trichomanes speciosum als Begleiter von Tetrodontium aufzutreten. Diese kommen aber in unseren Breiten nicht über das Stadium des Prothalliums hinaus und vegetieren als diese in den Höhlen.

Tetrodontium brownianum ist ein wirklich echtes Höhlenmoos und gilt als Felshafter. Steril ist das Moos so gut wie nicht nachweisbar oder nur mit speziellen Vorkenntnissen und geschultem Auge.

Ein faszinierendes Moos, dass unbedingt geschützt werden sollte!

Viele Grüße
Tharandter
Zuletzt geändert von Tharandter am 16.11.2017, 08:33, insgesamt 3-mal geändert.

sigi
Beiträge: 198
Registriert: 09.02.2010, 18:15

Re: Tetrodontium brownianum; Browns Vierzahnmoos

Beitrag von sigi » 02.08.2017, 21:02

Hallo Tharandter,
vielen Dank für Deine interessanten Erklärungen und Bilder solch seltener Moosarten. Diese werde ich kaum selbst finden und in der Natur sehen können.
Beste Grüße!
Sigi

Jochen943
Beiträge: 378
Registriert: 14.06.2016, 17:53

Re: Tetrodontium brownianum; Browns Vierzahnmoos

Beitrag von Jochen943 » 02.08.2017, 22:29

Toll!

Jochen

Tharandter
Beiträge: 148
Registriert: 28.07.2016, 12:42

Re: Tetrodontium brownianum; Browns Vierzahnmoos

Beitrag von Tharandter » 03.08.2017, 09:15

Diese werde ich kaum selbst finden und in der Natur sehen können.
Warum denn nicht?

Viele Grüße

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