von Gregor am 07.05.2008, 15:01
Hallo Ernst bzw. orchidee,
im Prinzip ist das Zwiebelgewächs von euch richtig bestimmt worden. Nur, dass es jetzt korrekt Colchicum bulbocodium Ker Gawl., Frühlings-Lichtblume (Synonym: Bulbocodium vernum L.) heißen muss! Die ehemaligen Gattungen Bulbocodium L. und Merendera Ramond sind eingestampft worden oder besser gesagt in die Gattung Colchicum L., Zeitlosen integriert worden. (Man beachte das hier der Name "Zeitlosen" bevorzugt vor "Herbstzeitlosen" verwendet werden sollte, da die Gattung auch Frühjahrblüher umfasst).
Die Frühlings-Lichtblume blüht Februar bis März (ich nehme an, dass sie auch in dieser Zeit aufgenommen wurde) ist eigentlich in den Pyrenäen und den West-Alpen heimisch. In Österreich soll sie in Süd-Kärnten in trockenen montanen bis subalpinen Bergwiesen und Felsbändern zwischen ca. 600-2330 m Höhe vorkommen. In Deutschland gilt die Sippe bisher nicht als eingebürgert, obwohl ich mir vorstellen kann, dass das hier und da doch der Fall ist, denn diese Sippe ist im normalen Sortiment des Gartenhandels gängig. Ich warte schon lange darauf, dass mir mal ein Bild dieser Art aus Deutschland präsentiert wird (was hiermit ja auch geschehen ist). Die Sippe ist auch bereits seit 1601 in gartenbaulicher Kultur. Weiterhin ist die Sippe voll frosthart und giftig (was vor Fraßfeinden schützen dürfte). Es spricht also nichts dagegen, dass diese Sippe auch bei uns verwildern und sich früher oder später einbürgern kann. Könntet ihr mir den genauen Fundort dieser Pflanze mitteilen (Nummer der Topografischen Karte bzw. des Messtischblattes, Bundesland, Kreis etc.)? Ich interessiere mich nämlich brennend für solche Funde! Kontaktieren kann man mich unter der E-Mail gstolleyATecology.uni-kiel.de
Früher hat man gemeint, dass man aufgrund unterschiedlich weiter Verwachsung der Blütenblätter die Gattungen Bulbocodium, Merendera und Colchicum unterscheiden könne. Die "neue" Monographin der Gattung Colchicum, Zeitlosen, Karin Persson, hat jedoch festgestellt, dass sich das nach modernen Gesichtspunkten nicht aufrecht erhalten lässt. Zur Qualität der Arbeiten von Karin Persson kann ich sagen, dass, wenn jemand von mir verlangen würde die besten Zwiebelpflanzenexperten der Welt aufzuzählen ich folgende vier Leute nennen würde:
1. Brian Mathew (Großbritannien)
2. Franz Speta (Österreich)
3. Per Wendelbo (Schweden, leider bereits verstorben) und seine Schülerin Karin Persson (Schweden) (wobei meiner Ansicht nach beide es verdienen sich den 3. Platz zu teilen).
Soweit erst einmal.
Schöne Grüße aus Niebüll
Gregor
Names have the same value on the marketplace of botany
as coins have in public affairs, which are daily accepted
as certain values by others, without metallurgical examination.
Linnaeus, Critica Botanica, 1736 p. 204