Gratiola officinalis = Gratiola neglecta

Wer eine Wildpflanze aus Europa bestimmt haben möchte, kann hier eine Bestimmungsanfrage dazu stellen.

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Forumsregeln
1. Bitte zu jeder Anfrage einen Fundort (Land,Stadt, Umgebung, Habitat etc.) und Funddatum angeben
2. Bitte nicht mehr als 3 Pflanzen pro Thema anfragen (wird sonst unübersichtlich)
3. Herbarium-Anfragen von Schülern und Studenten werden NUR noch mit eigenen Bestimmungsversuchen akzeptiert - Sonst Löschung des Beitrages

TIPP: Je mehr Detailbilder ihr von einer Pflanze zeigt, also zum Beispiel Gesamtaufnahme der Pflanze, Blatt + Blüte von oben und unten, Stängel unten + oben, Früchte oder weiteres, desto größer ist der Bestimmungserfolg und die Artansprache hier im Forum.
Weiterhin viel Spass im Forum :)
Wolfstrapp
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Gratiola officinalis = Gratiola neglecta

Beitragvon Wolfstrapp » 03.07.2014, 19:13

Hallo,
dieses Pflänzchen habe ich heute am Rande eines völlig ausgetrockneten Tümpels(in Bayern herrscht große Trockenheit) in der Deuringer Heide gefunden. Diese war früher Panzerübungsplatz für amerikanische Soldaten. Seit ihrem Abzug hat sich die Heide und ihre Flora total verändert. Ich hätte das Pflänzchen als Gratiola officinalis, Gottes-Gnadenkraut, bestimmt. Das wäre dann ein schöner Fund, denn es galt als verschollen. Ich bitte um Überprüfung.
Mit freundlichen Grüßen
Wolfgang
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Gratiola-officinalis03_Gnadenkraut-Gottes-_7630-24_Deuringen_2014-07-03.JPG
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Gratiola-officinalis09_Gnadenkraut-Gottes-_7630-24_Deuringen_2014-07-03.JPG
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Gratiola-officinalis10_Gnadenkraut-Gottes-_7630-24_Deuringen_2014-07-03.JPG
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Kruemelkoenig
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Re: Gratiola officinalis?

Beitragvon Kruemelkoenig » 03.07.2014, 19:44

sieht tatsächlich so aus. Ich traue mich aber nicht festlegen, da ich die Art noch nie gesehen habe. Bei uns gibts die nur mehr am Bodensee... ich denke auch bei euch ist die Sache ähnlich. Das wäre dann wohl ein grandioser Fund. Problematisch sind halt die Ansalbungen. Aber das kannst du sicher einschätzen, ob der Fund autochthon wirkt!? :D
lg, Georg

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Re: Gratiola officinalis?

Beitragvon OG_1 » 04.07.2014, 14:09

Hallo Wolfgang,

wie groß war den die Pflanze? und wie groß die Blüten? Leider lässt sich das am Bild nicht gut abschätzen. Die drüsige Behaarung finde ich allerdings sehr eigenartig und auch die Blüte wirkt auf mich recht klein. Vielleicht ist es doch die einjährige Gratiola neglecta? Die ist zumindest schon in Deutschland (Brandenburg) nachgewiesen und war einige Jahre im Elsass eingebürgert. Dazu scheint mir auch das Habitus-Bild besser zu passen.
Das wäre ein sehr spannender Neophytenfund!

Viele Grüße
Uwe

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Re: Gratiola officinalis?

Beitragvon kraichgauer » 04.07.2014, 18:49

Hier als Vergleich Photos beider Arten, leider ohne Maßstab. G. neglecta ist im Originalbiotop in den USA aufgenommen. Die Blüten von neglecta sind meist nur halb so groß. Ich glaube auch, dass es sich bei der fraglichen Pflanze eher um neglecta handelt. G. neglecta ist übrigens stark drüsig, was man auf dem Habitus-Photo schlecht erkennen kann. Auch das spricht dafür.

Gruß, Michael
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Gratiola neglecta SpringMills CentCo G3.jpg
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Gratiola officinalis GartenWeiherberg 2013 1.jpg
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Re: Gratiola officinalis?

Beitragvon OG_1 » 06.07.2014, 14:28

Hallo Wolfgang,

wenn sich die Bestimmung als Gratiola neglecta bestätigt (woran ich nur sehr wenig Zweifel habe; ich kenne die Pflanze selbst aus Brandenburg), wäre es unbedingt notwendig, einen Herbarbeleg zu sammeln und den Fundort auch zu publizieren.
Bislang gibt es - wie schon oben vermerkt - nur sehr wenige Angaben aus Mitteleuropa. Zu ergänzen wären noch neuere Angaben aus Tschechien und zwei alte Angabe von "Gratiola virginiana" aus der Schweiz und aus Ludwigshafen (wobei letztere wahrscheinlich auch zu G. neglecta gehören).
Da die Art aber bei uns ein gewisses Einbürgerungspotenzial (am elsässischen Fundort mehr als 40 Jahre vorhanden!) besitzt, ist jeder dokumentierte Fund wissenschaftlich wertvoll.

Viele Grüße
Uwe

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Re: Gratiola officinalis?

Beitragvon Wolfstrapp » 06.07.2014, 17:27

Hallo,

vielen Dank für die Bestimmungshilfen. Wenn ich mir die Bilder im Internet so anschaue, tendiere ich wegen der Drüsen eindeutig zu Gratiola neglecta.
Wie eingangs schon erwähnt, war die Fundstelle bis vor ca 30 Jahren Panzerübungsplatz der Amerikaner. Es wurde seinerseits aber immer Gratiola officinalis kartiert. Interessant ist, dass besagte Panzerdivision reglelmäßig auch Manöver im Mannheim/Ludwigshafer Raum abgehalten haben soll, wo laut Verbreitungsatlas von Deutschland ebenfalls G. officinalis kartiert ist. Möglich wäre, dass die Pflanzen über die Ketten der Panzer verbreitet wurde. Interessant in diesem Zusammenhang natürlich jetzt der Hinweis von Uwe über die Nachweise von "Gratiola virginiana" aus Ludwigshafen. Denn es ist im Augenblick natürlich nicht erklärbar, wie nach 30 Jahren jetzt plötzlich G. neglecta und nicht mehr G. officinalis bestimmt wird.
Ich werde die Funde jedenfalls im Bot. Institut in München bestimmen und auch dokumentieren lassen und Euch auf dem Laufenden halten.

Mit freundlichen Grüßen aus Bayern
Wolfgang

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Re: Gratiola officinalis = Gratiola neglecta

Beitragvon kraichgauer » 06.07.2014, 18:56

In der Vorderpfalz gibt es übrigens auf ehemaligen Flachmoorböden immer mal wieder echte Gratiola officinalis, insbesondere dann, wenn Gräben ausgehoben werden und die Art aus der Diasporenbank für einige Zeit auftaucht. Daher würde ich mit den Querschlüssen auf die amerikanischen Manöver aus dem Mannheimer Raum etwas vorsichtig sein. G. neglecta ist in den USA recht häufig und kann auch über andere Wege direkt eingeschleppt werden. Gruß, Michael

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Re: Gratiola officinalis = Gratiola neglecta

Beitragvon OG_1 » 06.07.2014, 21:03

Hallo Wolfgang,

das sehe ich ähnlich wie Michael. Es ist sehr zweifelhaft, einen Zusammenhang zum Ludwigshafener Fund von 1909 herzustellen (dessen Artzugehörigkeit noch der Überprüfung bedarf). Viel wahrscheinlicher ist eine Einschleppung durch das amerikanische Militär. Ich halte es außerdem für sehr wahrscheinlich, dass diese einjährige Gratiola mehrere Jahre in der Diasporenbank ausdauert und nur in günstigen Jahren, bzw. beim Vorliegen günstiger Bedingungen (konkurrenzarme Schlammflächen) keimt. Das amerikanische Militär hat uns schon einige originelle Neophyten hinterlassen, natürlich bevorzugt auf Truppenübungsplätzen. Mit den inzwischen fehlenden Störungen haben konkurrenzschwache Arten (sowohl einige interessante Neophyten als auch z.T. hochgefährdete heimische Arten) auf diesen Truppenübungsplätzen aber keine dauerhaften Überlebenschancen. In diesen Fällen leistet ein Panzer mehr als die üblichen Naturschutzmaßnahmen!

Viele Grüße
Uwe


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